Südamerika #25 - Brasilien - Ein "frostiger" Empfang!

Die ersten gut 150 km durch Brasilien sind zugegebenermaßen wirklich langweilig, denn es geht immer nur gerade aus durch recht eintöniges Farm- und Weideland und außer einigen großen Silos und grasenden Kühen gibt es nichts zu sehen.


Erst circa 50 km vor Rio Grande wandelt sich die Landschaft, es wird sumpfig, die Straße ist zu beiden Seiten mit kleinen Tümpeln und Kanälen gesäumt und die Vegetation wird deutlich grüner.

Die Sumpflandschaft beherbergt auch jede Menge verschiedener Wasservögel und wir erspähen sogar ganze Herden von Wasserschweinen, die mit ihren Jungen am Ufer sitzen und sich sonnen oder flink ins Wasser gleiten, nur um wenige Sekunden später unter zu tauchen und einfach auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.


Bei Porto Alegre überqueren wir zwei große Brücken, die sich über Seitenarme des Rio Jacui spannen und von denen aus man einen tollen Blick auf die Hochhäuser der 1,5 Millionenmetropole hat. Die Stadt hängt zwar in einer riesigen Dunstglocke, die die Sicht deutlich trübt, doch irgendwie gefällt uns die Aussicht auf die Hochhäuser, die in der Ferne in den Himmel empor ragen, trotzdem.

Brasilien - Südamerika - Reise - Motorrad - Honda Transalp - Blick auf Porto Alegre

Mit dem Erreichen der Randbezirke von Porto Alegre zeigt sich jedoch die kontroverse brasilianische Realität in heruntergekommenen, zugemüllten Favelas, die sich direkt neben dem Highway erstrecken und selbst im Stadtkern ist die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich zu spüren. Der Highway führt uns direkt an einem riesigen, funkelnagelneuen Fußballstation vorbei, dass mit Sicherheit für die WM im letzten Jahr erbaut wurde. Was die Zuschauer vor ihren Fernsehbildschirmen jedoch nicht sehen ist die Tatsache, dass nur wenige Meter neben der modernen Arena die Armenviertel beginnen, in denen die Menschen in Bretterbuden leben, die nur mit ein paar Fetzen Plastikplane abgehängt sind und sich der Müll in den kleinen, staubigen Gassen stapelt.

Brasilien - Südamerika - Reise - Motorrad - Honda Transalp - Fahrt durch Porto Alegre

 Wir sind auf unserer bisherigen Reise schon oft durch eher einfache Länder und Gegenden gefahren, doch dieser extreme Kontrast von Arm und Reich wie er sich hier in Brasilien zeigt, ist uns neu.

 

Von einem Freund haben wir die GPS-Koordinaten eines gut 60 km nördlich von Porto Alegre angeblich sehr idyllisch an einem Fluss gelegenen Zeltplatzes bekommen, doch leider führen uns die Koordinaten nicht zu besagtem Zeltplatz, sondern über eine ungeteerte Buckelpiste einen Hang hinab und zwischen einigen einfachen Bauernhäusern vorbei in eine Sackgasse.

Trotz mehrmaliger Nachfrage bei einigen Anwohnern können wir keinen Zeltplatz finden und Dank Winterzeit ist es mittlerweile auch schon stockfinster.

Na super, das lieben wir, kaum in einem neuen Land dessen Sprache wir noch nicht mal sprechen und schon Nachts unterwegs... :-/

Nach weiterem vergeblichen Suchen und umher kurven auf der kleinen Kiesstraße beschließen wir schließlich weiter in das fast 50 km entfernte Gramado zu fahren, wo es einen weiteren Zeltplatz geben soll.

 

So rollen wir im Finsteren auf der kurvigen Bergstraße dahin, was in Südamerika oft nicht ungefährlich ist, treiben sich doch zahlreiche Verkehrsteilnehmer sei es zu Fuß, auf dem Fahrrad, mit dem Viehkarren oder anderen unbeleuchteten Fahrzeugen auf der Straße herum und haben uns schon oft die ein oder andere Angstschweißperle gekostet. Eigentlich versuchen wir immer bereits weit vor Einsetzen der Dunkelheit unseren Nächtigungsplatz zu erreichen, doch manchmal, so wie heute, klappt das einfach nicht. In solchen Momenten sind wir echt froh um unsere superhellen LED-Zusatzscheinwerfer, dank denen wir nicht nur eine super Sicht haben, sonder die uns auch für die anderen Verkehrsteilnehmer besser sichtbar machen.

 

Da es mittlerweile Winter auf der Südhalbkugel ist und wir uns daher in der Off-Season befinden, haben wir schon Angst, dass der Zeltplatz in Gramado geschlossen sein könnte, doch als wir die Stadt erreichen, in der es von Restaurant, Geschäften, Touristen und Verkehrschaos nur so brodelt, freuen wir uns ausnahmsweise mal so richtig über so viel geschäftiges Treiben, denn dann stehen auch die Chancen gut, dass der örtliche Zeltplatz geöffnet hat.

 

Leider meint es unser Karma heute irgendwie überhaupt nicht gut mit uns, denn mal abgesehen von der fast 1 ½ stündigen Fahrt bei Dunkelheit fängt es kurz vor Erreichen des Zeltplatzes auch noch wie aus Eimern zu schütten an. Als wir an der Rezeption stoppen und nach einem Platz für eine Nacht fragen läuft der Rezeptionist erst mal los um sich einen Regenschirm und eine Taschenlampe zu besorgen, bevor er uns über den weitläufigen und mit dutzenden Dauercampern besiedelten Platz führt. Zu unserer Überraschung zeigt er uns einen überdachten Unterstand neben einer hölzernen Hütte, der eigentlich für einen Wohnwagen besagter Dauercamper gedacht ist, doch er gibt uns zu verstehen, dass wir den Unterstand nutzen dürfen. Super!

Schnell fahren wir unsere Motorräder in den geräumigen, betonierten Unterstand, bevor wir unser Zelt aufschlagen und es uns in der Mitte des Unterstands gemütlich machen. Ein kleines Holzplateau, das wahrscheinlich eigentlich als Stufe von der Hütte zum Wohnwagen dient, wird von uns kurzerhand zum Tisch umfunktioniert, auf dem wir ein leckeres Abendessen, bestehend aus den Resten des gestrigen Abendessens, einer Portion 5-Minuten-Instantnudeln und einer kleine Brotzeit, zubereiten.


 Da der Regen immer stärker wird und nun auch noch der Wind auffrischt, wird es trotz unseres tollen Unterstands irgendwann ziemlich ungemütlich. So kocht Bea nur noch schnell etwas heißes Wasser für ihre Wärmflasche, denn es ist ihr vor ein paar Tagen derart in den Rücken gefahren, dass sie sich kaum mehr Bücken kann. Ist eben auch nicht mehr die Jüngste... ;-)

Nun aber nichts wie rein ins Zelt und Türe zu für heute. Hoffentlich hat sich das nasskalte Schmuddelwetter bis zum Morgen wieder verzogen.



 Leider begrüßt uns auch der heutige Morgen mit tiefhängendem „November“nebel und nasskaltem Wetter. Na super, so haben wir uns Brasilien irgendwie nicht vorgestellt. :-/

Aber es ist eben Winter und auch wenn die Winter hier etwas milder als in Deutschland sind, so müssen wir wohl in nächster Zeit mit tristem, nasskalten „November“-Wetter leben. Die laublosen Bäume, die wie dürre Gerippe herumstehen und die zusammengefallenen Büsche und Blumen, die ihre Köpfe hängen lassen, verstärken die Triste Stimmung nur noch mehr.


 Als wir dann auch noch entdecken, dass wir anscheinend mal wieder ein Loch im Zeltboden haben und es den Regen heute Nacht durch den Boden in unser Innenzelt gedrückt hat und nun unsere Sachen und die Unterseiten unserer Isomatten total durchnässt sind, sinkt unsere eh schon nicht besonders gute Laune noch weiter. Na super… :-/

Da die Luft nicht nur kalt, sondern auch extrem feucht ist, trocknen unsere Sachen auch nicht mehr und so wird es ein echt schwieriges Unterfangen werden, unsere Isomatten bis zum Abend wieder einigermaßen trocken zu bekommen.


 Wir beschließen auf jeden Fall eine weitere Nacht hier auf dem Campingplatz von Gramado zu bleiben und hoffentlich das Schmuddelwetter so aussitzen zu können.

 

Den Vormittag über widmen wir uns unseren typischen Reiseaufgaben. Bea tippt ihr Reisetagebuch und schreibt sich ein paar Stichpunkte für die Route der nächsten Tage zusammen. Helmut kontrolliert das Öl an den Motorrädern und widmet sich mal wieder der Reinigung unseres Benzinkochers, da dieser nicht mehr richtig läuft.

Brasilien - Südamerika - Reise - Motorrad - Honda Transalp - Benzinkocher reinigen.

 Am Nachmittag machen wir uns trotz des Regenwetters auf in die Innenstadt von Gramado, denn der Ort soll, genau wie sein Schwesterort Canela, eine Hochburg der deutschsprachigen Auswandererkultur Brasiliens sein. Ab 1824 siedelten sich hier nämlich deutsche Auswanderer an und prägten so die Architektur und Gastronomie der Gegend merklich.

Gestern Abend hatten wir wegen der Dunkelheit nicht mehr viel von der Stadt gesehen, doch waren uns beim vorbei fahren schon einige deutsche Flaggen, Werbung für Schweizer Käsefondue und allerlei beleuchtete Bierwerbung ins Auge gestochen.

 

Nach einigen Minuten Fußmarsch erreichen wir eine eiserne Brüstung, die den Blick frei gibt auf die gebirgige, nebelverhangene Landschaft der Sierra Gaúcho, denn wir befinden uns hier in Gramado auf immerhin 830 Metern.

Das besondere an der Stelle ist allerdings weniger die Aussicht auf die sanften, mit dichtem grünen Wald und einigen mächtigen Araukarien Bäumen bedeckten Hänge, sondern die eiserne Brüstung selbst. An ihr sind viele hundert kleinere und größere Vorhängeschlösser angebracht, in die die Namen von verliebten Paaren eingeritzt wurden. Was für eine nette Art seine Liebe und Zusammengehörigkeit zu verewigen. :-)


Nach einigen weiteren Minuten haben wir dann das Zentrum von Gramado erreicht, dass auch heute nur so von Touristen überquillt. Die vornehmlich brasilianischen Urlauber sind in schicke Mäntel und hochhackige Schuhe gekleidet und an den noblen Bekleidungs- und Einrichtungsläden, die die Hauptstraße säumen, ist deutlich zu erkennen, dass sich in Gramado die Schönen und Reichen Brasiliens die Klinke in die Hand geben.


Da die Preise in den unzähligen Kaffes und Restaurants, die sich entlang der Flaniermeile der Stadt befinden, weit über unserem Budget liegen, begnügen wir uns damit die teilweise sehr süddeutsch anmutende Architektur Gramados zu bestaunen. Von Fachwerkhäusern über Kuckucksuhren bis hin zu bayerischen Spezialitäten wie Weißwurst und Bier aus dem Maßkrug ist hier wirklich alles geboten und scheint bei den Brasilianern auch richtig gut anzukommen.


Die kühle Temperatur und der winterliche Geruch von verbranntem Holz in der Luft, gepaart mit der sehr süddeutsch anmutenden Architektur der Stadt lassen starke winterliche Heimatgefühle in uns aufkommen und so ist es kein Wunder, dass wir am Ende bei zwei Bechern heißem Glühwein und einem frischgebackenem, lauwarmen Laib Früchtebrot enden, das wir auf einer Parkbank verdrücken, während es um uns herum schon wieder zu dämmern beginnt.


 Unsere Vorstellung von Brasilien war ja eigentlich immer an einem tollen Strand zu sitzen, einen Cocktail zu schlürfen und heißblütige, halbnackte Samba-Tänzerinnen bei ihren Darbietungen zu bewundern.

Dass wir uns statt dessen den Arsch abfrieren, in drei Lagen Gewand samt Pudelmütze eingemummt durch winterlich-bayerisch anmutende Städtchen flanieren und dabei Glühwein und lauwarmes Früchtebrot in uns hinein stopfen… wir hätten es selbst nicht für möglich gehalten. Willkommen im brasilianischen Winter! :-)

 

Da es auch heute Abend wieder richtig windig und kalt ist, verziehen wir uns bereits früh in unser noch immer klammes und feuchtes Zelt und hoffen uns zumindest durch unsere zusammengeschlossenen Schlafsäcke über Nacht wieder etwas aufzuwärmen, denn wir haben leider nicht das Gefühl, das sich die Temperaturen die nächste Zeit wieder nach oben bewegen...



Die Fahrt durch die Sierra Gaúcho nach Cambara do Sul ist ziemlich frostig, denn trotz strahlend blauem Himmel hat es auch heute nur kühle 11 Grad und der eisige Wind pfeift nur so über die sanfte Hügellandschaft.

 In dem kleinen und nicht besonders idyllischen Örtchen schlagen wir unser Zelt auf einer Wiese neben einer Pension, in portugiesisch „Pousada“ genannt, auf. Wir hatten angesichts der kalten Temperatur und des starken Windes kurz mit einem Zimmer in dem einladend wirkenden Holzgebäude geliebäugelt, doch bei Zimmerpreis von knapp 60 Euro verwerfen wir diese Idee sofort wieder.

 

Schnell laden wir unsere Reifen, Softbags und Tankrucksäcke ab und düsen dann eine gut 20 km lange und teils ziemlich ruppige Schotterpiste bis zum Parque Nacional da Serra Geral, wo wir den Canyon Fortaleza besichtigen wollen.


Am Parkplatz angekommen werden wir gleich von zwei wilden Füchsen „umzingelt“, die scheinbar von den Touristen gefüttert werden und dadurch ihre natürliche Scheu vor den Menschen verloren haben. Nun halten sie auch bei uns nach fressbarem Ausschau und beißen sogar ganz dreist in die Plastiktüte, die Bea in der Hand hält. Das geht uns nun aber wirklich zu weit und wir versuchen die frechen Kerlchen zu verscheuchen, allerdings nur mit mäßigem Erfolg.


 Nach einem gut fünfzehnminütigen Fußmarsch über einen steinigen Weg erreichen wir eine Anhöhe, von der aus wir eine gigantische Sicht über den einige hundert Meter steil abfallenden Canyon Fortaleza haben. Die senkrechten Wände sind mit dichtem grünen Buschwerk bewachsen und an der linksseitigen Steilwand stürzt ein kleiner Bach in die Tiefe und wird vom pfeifenden Wind in tausende kleine Wassertropfen zerteilt, die dank der starken Aufwinde bis hinauf zu unserem Aussichtsplateau getragen werden.


Wegen des extrem starken und böigen Winds wagen wir uns nicht bis ganz an die Kante des Canyons heran, doch die Aussicht über die spektakuläre Landschaft ist auch so einfach überwältigend.

Brasilien - Südamerika - Reise - Motorrad - Honda Transalp - Blick auf den Canyon Fortaleza

Bis wir wieder zurück am Parkplatz sind steht die Sonne bereits tief und schon bald wird sie hinterm Horizont verschwunden seinn. Daher schwingen wir uns schnell auf unsere Motorräder, um die Schotterpiste noch halbwegs bei Tageslicht zurück zu fahren.


Gerade als wir wieder den Asphalt erreichen verebben die letzten Sonnenstrahlen und der Horizont leuchtet in hellem orange und zartem rosa. Nun aber nichts wie zurück zu unserem Zelt!

Mit der unergehenden Sonne fällt auch die Temperatur deutlich und so wird es schnell ganz schön frisch beim Fahren. Ein Blick auf unsere Thermometer verrät dann auch warum, denn es hat nur noch kühle 5 Grad. *brrr*

So entschließen wir uns spontan die Zubereitung unseres Abendessens in den windgeschützten Vorraum der Duschen zu verlegen. Dass es in dem Gebäude ziemlich penetrant nach altem Kuhstall stinkt, riechen wir schon nach ein paar Minuten nicht mehr. Und außerdem, erstunken ist noch niemand, erfroren schon! :-)


Bea kocht heute einen ordentlichen Eintopf mit Kartoffeln, frischen grünen Bohnen, Karotten und ordentlich Chilis, der uns hoffentlich schön von innen wärmt.

Brasilien - Südamerika - Reise - Motorrad - Honda Transalp - Camping in Cambara do Sul - Essen kochen im Klohaus

 Leider gestaltet sich der Abwasch etwas schwierig, da aus den Leitungen des Sanitärgebäudes einfach kein Wasser mehr kommen will. Bea probiert alle Wasserhähne durch, doch nichts tut sich. Es scheint fast so als wäre der große Wassertank, der auf einem Gestell neben dem Gebäude steht, leer. So ein Mist! :-/

So bleibt Bea nichts anders übrig als ins Haupthaus zu laufen und dort aus dem Waschbecken der Toilette Wasser zu holen...

 

 Nach getaner Arbeit schnappen wir uns unsere Laptops und machen uns auf zum Haupthaus, in dessen gemütlichem Aufenthaltsraum bereits ein wärmendes Feuer im großen, offenen Kamin brennt. Ah, wie herrlich!

Wir lassen uns auf zwei bequemen Polsterstühlen nahe am knisternden Feuer nieder, um unsere durchgefrorenen Glieder etwas zu wärmen und unsere eiskalten Zehen hoffentlich wieder auf Normaltemperatur zu bekommen.

 Gegen 22 Uhr gibt uns der Besitzer der Pousada allerdings zu verstehen, dass er jetzt abschließen will und wir deshalb gehen müssen. Na gut, es hilft nichts, dann treten wir eben wieder den Rückzug nach Draußen an, was bei einer Außentemperatur von nurmehr knapp über 0 Grad nicht besonders verlockend ist. Schnell verziehen wir uns in unserem Zelt und ziehen uns die Schlafsäcke über die Köpfe und hoffen trotz der Kälte auf eine geruhsame Nacht.



Als Bea gegen halb 8 Uhr aus dem Zelt krabbelt, traut sie ihren Augen nicht. Unser Zelt, die Schaffelle auf unseren Sitzbänken, unsere Kofferdeckeltaschen und auch die umliegende Wiese, alles ist von einer feinen Reifschicht überzogen.

Ein schneller Blick auf unser Thermometer verrät: - 1,1 Grad Celsius um kurz vor 8 Uhr morgens… * brrr*


Nach einem schnellen Frühstück und einer heißen Tasse Kaffee müssen wir unsere Morgentoilette im Haupthaus erledigen, da die sanitären Anlagen des Campingbereichs nun ihren Dienst völlig versagen und nun auch die Duschen und Toiletten nicht mehr funktionieren. Nun reicht es uns aber, nichts wie weg hier...

 Über eine kleine Nebenstraße wollen wir heute Richtung Rio do Rastro, einer berühmten Serpentinenstraße an einem steil zum Meer hin abfallenden Gebirgszug, fahren.

 

Als die kleine Straße nach wenigen Kilometern in eine ziemlich ruppige und steinige Offroad-Piste übergeht, sind wir nicht gerade begeistert, denn wir haben heute über 400 km auf dem Fahrplan, was angesichts der früh einsetzenden Dunkelheit sowieso schon eng wird. Doch es hilft nichts, denn die Alternative wäre ein Umweg von einigen hundert Kilometern und darauf haben wir auch keine Lust. So rumpelt wir also über die Piste aus Lehm und Felsen und vor allem Bea hofft die Strecke trotz ihres schweren Ersatzreifen-Turms, den sie zur Zeit mit sich herum fahren muss, erfolgreich zu meistern, denn sie hat keine Lust ihr Bike mal wieder in der Horizontalen abzuparken.

 

Die Strecke führt in sanften Kurven und leichten Steigungen durch Farm- und Ackerland, vorbei an einfachen Holzhütten und grasenden Kühen. Obwohl es auch heute trotz strahlend blauem Himmel nur knapp über 10 Grad kühl ist, frieren wir nicht so sehr, denn das Fahren im Stehen über Stock und Stein strengt auf Dauer ganz schön an.


Damit die Fahrt spannend bleibt wollen mehrere einfache Holzbrücken überquert werden und auch einige Passagen, auf denen die Strecke mit schmierigem, zinnoberrot leuchtendem Lehm überzogen ist, müssen wir meistern.


Am frühen Nachmittag haben wir dann wieder Asphalt unter den Reifen, doch dieses Glück währt nicht lange, denn keine zwei Kilometer weiter geht die Lehmpiste schon wieder los. Das zweite Offroad-Stück zwischen Bom Jesus und São Joaquim ist aber wesentlich besser in Schuss und so kommen wir nun deutlich schneller voran und genießen die Fahrt durch die immer weitläufiger werdende Landschaft in vollen Zügen.


Gut 20 km vor Sao Joaquim windet sich die Strecke noch einmal durch ein etwas bergigeres Gebiet voller weitläufiger Obstplantagen. Die blattlosen, kalkweißen Obstbäume geben kein besonders idyllisches Bild ab, doch auch hier zeigt sich, dass wir eben im brasilianischen Winter unterwegs sind…


Schließlich führt uns die kurvigen Piste immer wieder durch Wälder aus Jahrhunderte alten, immergrünen Araukarien-Bäumen, die in der tief stehenden Wintersonne lange Schatten werfen.

 Die letzten paar Kilometer haben es dann noch einmal in sich, denn die Strecke wird wieder rauer und ruppiger und wir holpern über einige große Steine und Felsen, die aus dem Untergrund ragen. Dann noch drei etwas ausgewaschene Kehren und wir haben kurz vor São Joaquim endlich wieder den Asphalt erreicht.

 

Wir lassen die Ortschaft allerdings links liegen und folgen der Hauptstraße bis zur Steilklippe kurz vor dem Rio do Rastro.

Dort stoppen wir am gut 1.420 m hoch gelegenen Aussichtspunkt, von wo wir schon mal einen Blick in die Tiefe und auf die unzähligen engen Haarnadelkurven werfen, die uns gleich erwarten.

Brasilien - Südamerika - Reise - Motorrad - Honda Transalp - Blick auf den Rio do Rastro

Einige freche Nasenbären trollen sich hier herum, die anscheinen von den Touristen gefüttert werden und deshalb jegliche Scheu vor den Menschen verloren haben. Wir füttern die kleinen Scheißer zwar nicht, aber ein paar Fotos der niedlichen Tiere schießen wir dann doch.

 Da es aber bereits später Nachmittag ist wollen wir uns nicht zu lange aufhalten, sondern machen uns nun auf, die unzähligen Haarnadelkurven des Rio do Rastro unter die Räder zu nehmen.

Vor allem die oberen Kehren sind durchaus eng und können es mit denen unserer heimischen Bergpässe aufnehmen. Dass immer wieder kleine Bäche über die Straße laufen und die Fahrbahn dadurch in einigen Bereichen leicht moosig ist, steigert die Spannung zusätzlich und auch die großen LKWs, die sich die Serpentinen hinauf oder nach unten quälen, wollen beachtet werden.


 Gerade als wir die Küstenebene erreichen, beginnt es zu dämmern, was uns in Anbetracht der Fahrtstrecke von über 100 km, die wir heute noch vor uns haben, gar nicht gefällt. Doch da wir weit und breit weder einen geeigneten Platz zum wild campen noch einen offiziellen Campingplatz finden, müssen wir uns auch heute wieder auf eine Fahrt durch das nächtliche Brasilien einstellen.

 

Der leicht chaotische Verkehr sowie jede Menge Radfahrer ohne Licht und auch lebensmüde Fußgänger, die immer mal wieder die Fahrbahn kreuzen, machen die Fahrt ziemlich anstrengend. Und auch die Nachts ziemlich leicht zu übersehenden Bodenwellen zur Geschwindigkeitsreduktion – „Lomadas“ genannt – sind echt nervig. Immer wieder sehen wir die Rücklichter der vorausfahrenden Fahrzeuge abrupt in die Höhe schießen, ein sicheres Zeichen dafür, dass die Fahrzeuge einen dieser Hügel übersehen haben und nun ungebremst darüber geschossen sind. :-)

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir dann endlich den Küstenort Laguna erreicht, wo es angeblich einen Campingplatz geben soll. Nach einigem Suchen haben wir ihn dann auch gefunden, doch zu unserem Entsetzen hat der Platz geschlossen!

Da er sich augenscheinlich auch nicht gerade in der besten Gegend befindet, machen wir uns schnell wieder aus dem Staub und fahren zu einer großen und hell beleuchteten Tankstelle, wo wir uns beraten. Mittlerweile ist es bereits halb 8 Uhr Abends, es ist stockfinster, die Temperatur ist trotz Küstennähe wieder auf unter 10 Grad gefallen und der nächste Campingplatz ist laut Navi über 100 km entfernt. Na super! :-/

 

So bleibt uns wohl nichts anderes übrig als in den sauren Apfel zu beißen und uns ein Zimmer zu nehmen.

Bea hatte auf dem Highway ein Motel gesehen und so beschließen wir dorthin zurück zu fahren. Zu unserer Freude haben wir das Motel dann auch schnell gefunden, doch als wir vor dem großen metallenen Eingangstor stehen, können wir unseren Augen kaum trauen, denn ein großes Schild verkündet die Zimmerpreise - Jedoch nicht pro Nacht oder pro Person, sondern pro Stunde!

Ach du Scheiße, wir sind in einem Stundenhotel gelandet!


In Anbetracht der Situation ist uns das zwar auch schon ziemlich egal, doch da man hier maximal 4 Stunden buchen kann und dann auch nur die Auswahl zwischen einem Zimmer mit „Massage“ oder „Pole Dance Stange“ hat, ist das auch keine brauchbare Option für uns. Mist, Mist, Mist!

 

Während wir also vor dem leicht zwielichtigen Etablissement stehen und überlegen, was wir nun tun, kommen gleich eine ganze Reihe von Fahrzeuge an, die die anonymen Dienste des Motels in Anspruch nehmen und die nicht schlecht staunen als sie merken, dass ihnen zwei voll bepackte Motorräder die Einfahrt versperren! :-)


Ein Blick auf unser Navi verrät, dass sich in gut 20 km entlang des Highways das nächste Hotel befindet. Also gut, dann fahren wir eben dort hin.

 

Keine 5 km weiter entlang des Highways kommen wir an einem weiteren Motel vorbei, dass mit Erotikshows und extra luxuriösem Spa-Bereich wirbt. Okay, hier scheint es wohl mehrere dieser speziellen „Übernachtungsmöglichkeiten“ zu geben. Gegen einen Spa-Bereich hätten wir bei den kalten Temperaturen zwar nichts einzuwenden, aber die dazugehörige Erotikshow geht Bea dann doch zu weit… :-)

 

Da ein Unglück selten alleine kommt, geben dann auch noch unsere Headsets den Geist auf – Akku leer – und so müssen wir ganz schön aufpassen, dass wir uns bei dem regen Abendverkehr und der Dunkelheit nicht aus den Augen verlieren.

Zum Glück finden wir das anvisierte Hotel auf Anhieb und nach kurzem „Arme und Beine“-Gespräch mit dem Besitzer können wir unsere Motorräder direkt in der Einfahrt zur Restaurantküche, die mit einem großen Metalltor von der Straße abgetrennt ist, parken. Wir beziehen ein wirklich nettes und sauberes Zimmer mit großem Doppelbett, das uns allerdings auch stolze 40 Euro kostet.

Da wir ziemlich durchgefroren und von dem langen Fahrtag inklusive unserer nächtlichen Irrfahrt total erledigt sind, beschließen wir ausnahmsweise auch noch im dem Hotel angeschlossenen Restaurant eine Kleinigkeit zu Essen.

Da wir der portugisischen Sprache nicht mächtig sind bestellen wir auf gut Glück etwas, das sich unserer wagen Vermutung nach um gegrilltes Fleisch mit Reis handeln könnte. Zu unserer Freude ist das bestellte Gericht wirklich lecker und so schaufeln wir alles bis zum letzten Krümel in uns hinein.

Brasilien - Südamerika - Reise - Motorrad - Honda Transalp

Satt gegessen und ein wenig aufgewärmt machen wir uns wenig später auf den Weg in unser Zimmer, wo wir todmüde in das herrlich einladende Doppelbett fallen und wenige Sekunden später in halbkomatösen Schlaf sinken.



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Infos am Rande
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Dokumente für die Einreise:

Reisepass - Fahrzeugschein - Visum (90 Tage bei Einreise)

 

Gefahrene Route:

Chuy - Taim - Quinta - Cassino - Pelotas - Camaqua - Porto Alegre - Novo Hamburgo - Nova Petropolis - Gramado - Canela - Cambara do Sul - Bom Jesus - Sao Joaquim - Orleans - Tubarao - Laguna - Imbituba


Gefahrene Kilometer von Burghausen: 94.728 Km

Spritpreis: 0,90 € (90 Oktan mit 30 % Ethanol)

Währung: Brasilianischer Real

Ortszeit: - 6 Stunden (Sommerzeit)

Transport: -

 

Probleme mit den Motorrädern:

- Tachosensor gewechselt (beide Motorräder)

 

Stürze/ Umfaller: -

Gesundheit/ Verletzungen: -


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Kommentare: 10
  • #1

    Marion Pulter (Dienstag, 07 Juli 2015 07:53)

    Südamerika ist schon ne Herausforderung. Wünsch euch viel Glück.

  • #2

    Tom/Oggy (Dienstag, 07 Juli 2015 14:14)

    Servus es zwoa,

    mal wieder ein sehr gelungener Bericht von euch beiden. Behaltet euren ehrlichen und humorvollen Schreibstil bitte bei.
    Winter in Brasilien. Jetzt hat man ein wenig Ahnung wie der da ist.
    Wir schwitzen die Tage nicht schlecht. Am So wurde der heißeste Tag in BY gemessen. 40,3°C in Kitzingen.

    Ich wünsche euch wie immer nur das Beste.
    Gruss aus R,
    Tom

    P.S. auf dem letzten Bild ist deutlich Helles Frostbeule am strahlen. Herrlich!

  • #3

    Manfred (Dienstag, 07 Juli 2015 14:17)

    Hallo Bea & Helle,
    wieder ein super Bericht und wunderschöne Bilder !.
    Ihr seit ganz schön Winterfest - bei -1 Grad Zelten - Respekt !
    In Bayer bricht ein Hitze Rekord den nächsten - zum zelten und Mopedfahren fast schon zu heiß (nur fast....)
    Angeblich soll es einem bei Erotikshow und Pol Dance mächtig warm werden.... ;-)) probiert es mal aus!
    Weiterhin gute Fahrt - macht weiter so - LIKE !

  • #4

    Bea & Helmut (Dienstag, 07 Juli 2015 14:52)

    Erst mal vielen Dank an alle für das viele Lob bezüglich unseres neuen Reiseberichts, das freut uns SEHR zu hören! :-)

    @Manfred:
    - 1,1 Grad ist noch nicht schlimm, da ist´s in unseren Schlafsäcken noch ziemlich kuschelig.
    Wir haben vor ein paar Monaten auf der alten Ruta 40 im Norden von Argentinien auf 4.400 m in den Anden gezeltet, da hatte es Nachts knapp - 15 Grad. DAS WAR KALT! :-)
    Hier findest du die beiden dazugehörigen Reiseberichte:
    http://www.timetoride.de/2015/01/26/s%C3%BCdamerika-9-argentinien-abenteuer-ruta-40/
    http://www.timetoride.de/2015/01/31/s%C3%BCdamerika-10-argentinien-chile-bienvenidos-atacama/

    Herzliche Grüße an alle, aktuell aus Foz do Iguacu/Brasilien
    Bea & Helmut

  • #5

    Micha (Dienstag, 07 Juli 2015 21:47)

    Hi, Ihr Zwei!
    Es ist mal wieder ein richtiges Vergnügen, Euren Reisebericht zu lesen.
    Herrliche Geschichten, die das Leben auf der Straße mit zwei Alpes so mit sich bringt.
    Klasse Fotos, tolle Bildausschnitte habt Ihr da an einigen Stellen eingefangen.
    Passt gut auf Euch auf!
    All the best!
    Micha aus Duisburg

  • #6

    Michael + Anita (Donnerstag, 09 Juli 2015 14:17)

    Hallo ihr zwei, nachdem wir jetzt schon seit Monaten eure Berichte lesen und eure Filme schon fast auswendig mitsprechen können ;-), müssen wir einfach mal DANKE ! sagen.
    Danke für die schönen, ehrlichen Reiseberichte und Filme die, nach manchem doofen Arbeitstag, ganz schnell wieder für gute Laune gesorgt haben :-))
    Einige der Schwierigkeiten können wir ansatzwiese nachvollziehen, auch wenn unsere Moped-Touren, im Vergleich zu eurer Weltreise, geradezu lächerlich sind ( u.a. zweimal Island, Nordkapp ist gerade in Planung, etc..).

    Auf jeden Fall wünschen wir euch Alles Gute, bleibt Gesund und genießt eure Reise,

    Michael (+Anita)

  • #7

    Bea & Helmut (Montag, 13 Juli 2015 00:49)

    @Micha:
    Auch an dich vielen Dank für das viele Lob bezüglich unseres neuen Reiseberichts, das freut uns SEHR zu hören! :-)
    @Michael + Anita:
    Servus ihr beiden!
    Wir freuen uns immer sehr über Kommentare und Feedback von unseren stillen Mitlesern und Mitreisenden, denn dadurch wird unsere Homepage erst lebendig und es findet ein reger Austausch statt!
    Und wenn sie so positiv und toll sind wie der eure, dann freut es uns natürlich umso mehr! :-)
    Also bitte in Zukunft fleißig kommentieren, wenn euch danach ist, wir freuen uns! :-)
    Was unsere Videos angeht, da brühtet Helmut gerade ganz fleißig über einem neuen. Wird aber auch Zeit... Bea durfte schon mal Probe-Kucken und hat es für gut befunden. Jetzt braucht´s nur noch etwas Feinschliff, dann können wir es endlich veröffentlichen! :-)
    PS: Island ist - vor allem für Bea - auch noch ganz hoch auf unserer "da müssen wir mal mit dem Moped gewesen sein" Liste und das Nordkapp sowieso. Wenn wir zurück sind könnt ihr uns für diese beiden Reiseziele ja dann die entsprechenden Tipps & Infos geben! :-)
    Herzliche Grüße an alle,
    Bea & Helmut

  • #8

    Hans (Sonntag, 26 Juli 2015 09:25)

    Hallo ihr Beiden,

    was mich einfach mal interessieren würde:
    Wie ist das eigentlich mit TÜV? Der ist ja sicherlich seit ein paar Jahren abgelaufen. Macht das nix mit der Versicherung? Und wenn ihr tatsächlich irgendwann in ferner Zukunft mit den Motorrädern wieder auf deutsche Straßen kommt, dann müsstet ihr doch eigentlich vorher zum besagten "Dampfkesselprüfverein"?

    Schöne Grüße
    Hans aus Perach

  • #9

    Bea & Helmut (Mittwoch, 29 Juli 2015 00:46)

    Servus Hans,
    vielen Dank für deine Frage.
    Schick und doch deine Email-Adresse über unser Kontakt-Formular (http://www.timetoride.de/kontakt/), dann können dir die Frage ganz ausführlich beantworten, das würde hier in den Kommentaren nämlich den Rahmen sprengen. :-)
    Herzliche Grüße, aktuell aus Paraguay,
    Bea & Helmut

  • #10

    Peter (Donnerstag, 13 August 2015 19:37)

    Lombadas und Obstacolos heißen die künstlichen "Verkehrsberuhigungsbuckel"
    Eine Pest bei Nacht, weil unsichtbar wie die Warnschilder.

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