Worauf solltest du bei der Wahl deiner Reisekrankenversicherung achten?


Stand 04/2021

Wir wollen reisen, ferne Länder erkunden, Abenteuer erleben… aber doch keine seitenlangen Versicherungsverträge durcharbeiten! Doch auch wenn Motorradreisen Freiheit und Abenteuer bedeutet, so ist das Motorradfahren keine ganz ungefährliche Leidenschaft und wenn du in fernen Ländern unterwegs bist, tust du gut daran, im Fall der Fälle einen zuverlässigen und kompetenten Partner in Sachen Reisekrankenversicherung an deiner Seite zu haben.

 

Doch worauf kommt es eigentlich beim Thema (Langzeit-) Auslandskrankenversicherung wirklich an?

Na klar, günstig soll die Versicherung sein, möglichst jeden Schadensfall abdecken und wenig Selbstbeteiligung beinhalten… aber wie war das gleich noch mit dem Geltungsbereich? Sind alle Länder dieser Erde versichert? Und alle Sportarten? Denn vielleicht möchtest du auch mal tauchen gehen, reiten, oder, oder, oder… Seit 2020 stellt sich außerdem die Frage, ob die Versicherung auch eine Covid-19 Erkrankung und die damit verbundenen Kosten übernimmt?

 

Da dich diese und ähnliche Fragen sicherlich genauso beschäftigen wie uns, haben wir bei einem echten Reisekrankenversicherungs-Profi nachgefragt, der sich seit vielen Jahren auf genau dieses Thema spezialisiert hat.

 

Dürfen wir vorstellen:

 

Michael Peisch, Geschäftsführer der Confideo GmbH**

Michael ist nicht nur seit vielen Jahren leidenschaftlicher Motorradfahrer, er blickt auch zurück auf mehr als 35 Jahre Berufserfahrung im Bereich Auslandsreisekrankenversicherung und ist für nationale und internationale Krankenversicherungen im In- und Ausland tätig.



Die wichtigsten Themen für  Motorradreisende und Globetrotter



Michael, viele Versicherungsgesellschaften bieten Reisekrankenversicherungen für nur ein paar Euro im Jahr an. Sind diese Versicherungen ausreichend für eine längere Auslandsreise?

 

 


Die meisten Auslandskrankenversicherungen richten sich an den „normalen Touristen“. Der klassische Angestellte, der maximal 6 Wochen Urlaub im Jahr hat. Bei längeren Reisen, zum Teil für mehrere Jahre, sieht es schon ganz anders aus.

Meine wichtigsten Empfehlungen:

  • Die Versicherung der Reisedauer anpassen. Hier empfiehlt es sich, die Laufzeit besser länger zu wählen als zu kurz. Ist man wieder früher in der Heimat als geplant, kann man die Versicherung beenden und man bekommt eventuell zu viel gezahlte Prämien zurück. Das ist aber besser, als im Ausland zu verlängern. Das kann sehr oft problematisch werden!
  • Den Bedarf nicht unterschätzen. Der Preis ist bei einer Langzeitreise wichtig – aber nicht alles. Das gilt besonders, wenn man schon Erkrankungen hat. Man sollte es sich nicht „schön reden“ dass man die Versicherung ohnehin nicht braucht.
  • Eine grobe Planung, wie lange man unterwegs ist und wohin es gehen soll. Amerika, besonders USA und Kanada werden oft anders in der Prämie bewertet, deshalb sollte man im Optimalfall bereits im Voraus festlegen, ob diese Länder bereits werden sollen oder nicht. Dadurch lässt sich bei der Auslandskrankenversicherung u. U. viel Geld sparen!

Was tun wenn die Reise nun doch länger dauert als die abgeschlossene Auslandsreisekrankenversicherung? Du erwähnst, dass eine Verlängerung problematisch sein kann?

 

 


Die Erfahrung zeigt, dass viele Motorradreisen identisch klingen. Aber hinter den Kulissen sieht es oft anders aus. Von Berlin nach                   Wladiwostok: Das kann man in 3 Monaten machen. Oder auch in 3 Jahren. Einmal um die Welt. Das geht in 12 Monaten, andere, so wie ihr,    Reisen hingegen 5 Jahre oder länger.

Es gibt 3 Probleme die Krankenversicherung unterwegs zu verlängern:

  • Der Tarif sieht eine Verlängerung nicht vor! Viele Policen bieten oft einen Schutz für max. 1 Jahr an.
  • Der Versicherungsschutz kann nicht oder zumindest nicht im Ausland verlängert werden.
  • Reiseversicherungen schließen Vorerkrankungen in der Regel aus. Eine Verlängerung ist oft ein Neuabschluss und somit sind z. B. verstauchte Knöchel auf der Reise nach der Verlängerung nicht mehr mitversichert!

Daher meine Empfehlung: Besser länger buchen und bei Bedarf verkürzen, als unterwegs den Stress zu haben, ob die Verlängerung klappt, unter welchen Bedingungen man verlängern kann, usw.


Es gibt spezielle Langzeit-Auslandsreisekrankenversicherungen. Diese variieren aber gravierend im Preis, in der Versicherungsdauer und in Bezug auf die Länder, die von der Versicherung abgedeckt sind. Auf was muss man besonders achten?

 

 


Es ist wie beim Motorradkauf. Je mehr Leistung und Extras – umso kostspieliger ist die Absicherung. Hier gibt es 3 Punkte, die im wesentlichen die Prämie beeinflussen:

  • Die Dauer: Eine Reiseversicherung für 3 Wochen ist natürlich günstiger, als eine internationale Krankenversicherung die zeitlich unbefristet ist.
  • Der Aufenthaltsort: In der Regel wird zwischen „weltweit mit USA und Kanada“ und „weltweit ohne USA und Kanada“ unterschieden. Wenn man in den USA nur ein paar Aspirin kaufen muss, ist es kein Problem. Bei Krankenhausaufenthalten können sich die Kosten aber in unvorstellbare Dimensionen entwickeln.
  • Vorerkrankungen: Wenn man fit und kerngesund war und ist, dann sind oft Tarife, die Vorerkrankungen nicht mitversichern, eine gute Wahl. Was aber, wenn man in der Vergangenheit schon mal Rückenbeschwerden, Allergien, Kreislaufprobleme, usw. hatte? Das sollte man klären, sonst kann die falsche Krankenversicherung unterwegs böse Überraschungen bringen.

Daher ist ein persönliches Beratungsgespräch immer wichtig und sinnvoll, um die individuelle Situation einzuschätzen und den passenden Versicherungsschutz zu finden.


Macht es einen Unterschied, ob ich nur als Tourist reise, oder im Ausland auch einer Beschäftigung nachgehe, z. B. Work & Travel?

 

 


Die Krankenversicherung sollte in den Bedingungen zulassen, dass man auch arbeiten darf. Es gibt einige Tarife, die nur reine Urlaubsreisen versichern.


Seit dem Jahr 2020 ist auch Corona ein großes Thema, das bei vielen für Verunsicherung sorgt. Wie sieht es hier in Punkto Auslandskrankenversicherung aus, werden die Behandlungskosten für eine Corona Infektion im Ausland von der Versicherung übernommen?

 

 


Einige Reisekrankenversicherungen schließen Pandemien grundsätzlich aus, andere wiederum decken keine Länder ab, für die das Auswertige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat. In diesen beiden Fällten besteht kein Versicherungsschutz im Falle einer Corona Infektion. Mittlerweile gibt es aber auch schon eine Reihe von Versicherungen, die z. B. Heilbehandlungen im Falle einer Covid-19 Infektion übernehmen. Da das Thema aber noch ganz neu ist und sich sehr dynamisch ändert ist es hier besonders wichtig sich die Versicherungsbedingungen ganz genau anzuschauen und zu prüfen, was versichert ist und was nicht.


Auslandsreisekrankenversicherung von unterwegs abschließen/verlängern, geht das überhaupt und wenn ja, worauf muss ich achten?

 

 


Wie schon gesagt, hier lauert das größte Problem. Es ist in der Regel kein Thema, ob eine Reise 160 oder 182 Tage dauert, aber wenn es länger als ein Jahr ist, oder aus einem Jahr 3 Jahre werden, kann die falsche Tarifwahl problematisch werden. Das kann man verhindern, wenn man vorher einen Tarif eher länger als kürzer abschließt. Zudem erspart man sich unterwegs den Stress, die Versicherung vom Ausland aus verlängern bzw. regeln zu müssen.

Wenn dem aber so ist, dann gilt eine ganz wichtige Regel: Auf jeden Fall rechtzeitig vor Ablauf der Versicherung versuchen, die Verlängerung zu beantragen. Oft ist es nämlich so, dass nach Ablauf der Police die Möglichkeiten sehr eingeschränkt sind.


Wie sieht es mit sonstigen Versicherungen aus, die man zu Hause abgeschlossen hat und die man auf Reisen eigentlich gar nicht mehr braucht. Kündigen? Oder lieber weiter bezahlen?

 

 


Auch diese Frage ist sehr individuell zu betrachten. Einige Versicherungen kann man kündigen, wenn man nicht mehr zu Hause ist. Andere muss man durch Anwartschaften regeln. Es ist eben sehr unterschiedlich, ob man alles in der Heimat aufgibt, oder eine Wohnung beibehält, einen Job ruhen lässt oder kündigt, usw.

 

Oft werde ich gefragt, ob es nicht eine internationale Versicherung für das Fahrzeug gibt, die die lästigen Grenzformalitäten umgeht. Nein, die gibt es leider nicht. Aber das hat auch einen Vorteil, denn wenn man z.B. an der mongolischen Grenze eine lokale Haftpflichtversicherung kauft/kaufen muss, hat man es im Schadenfall wesentlich einfacher. Mit der Kopie einer deutschen Versicherung in der Steppe der Mongolei wird das in der Regel viel schwieriger sein.

 

Das Wichtigste für mich ist jedoch: Jede Reise ist individuell und genauso individuell muss auch der Versicherungsschutz sein. Daher biete ich an, dass jeder mit seinen Fragen zu mir kommen kann und ich dann für jeden persönlich den Versicherungsschutz der Reise, dem Budget und den Vorstellungen bestmöglich anpasse.

 


Vielen Dank, Michael.

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Du siehst schon, eine einfache Lösung, die für jeden gleichermaßen gilt, gibt es nicht. Aber zum Glück gibt es motorradfahrende Versicherungs-Profis wie Michael, die sich super mit den speziellen Bedürfnissen von Motorradreisenden und anderen Globetrottern auskennen und die dafür sorgen, dass ein Beinbruch nicht zur wahren Katastrophe wird!

 

Michael steht dir im Übrigen sehr gerne für all deine Fragen rund um das Thema Versicherungsschutz für (Langzeit-) Abenteuerreisen zur Verfügung. Du erreichst ihn per E-Mail oder Telefon.

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