Neuseeland #4 - Upside Down!

 Da Heimo und Sandra heute zurück nach Okato zu Heimos Eltern ins Stony River Hotel fahren, ist mal wieder Zeit zum Abschied nehmen. Es war eine wirklich nette Woche mit den beiden und wir haben es sehr genossen, mal jemand anderen zum Quatschen zu haben und so ist es wirklich schade, dass die beiden nicht mehr Zeit haben.

 

Für uns geht es heute weiter in Richtung Süden, denn in drei Tagen geht unsere Fähre auf die Südinsel. Zu unserer Freude strahlt die Sonne vom blau-weißen Himmel und so macht uns das Fahren durch die kurvigen Berge des Küstenhinterlands und über die kleinen Schottersträßchen an der Küste entlang richtig Spaß.


 An einem eher unscheinbaren Berg gut 25 km südlich von Blackhead müssen wir unbedingt einen Pflichtstopp einlegen. Warum? Weil der Berg den zweitlängsten Ortsnamen der Welt besitzt! Er hat unglaubliche 85 Buchstaben und heißt „Taumatawhakatangihangakoauauotamateapokaiwhenuakitanatahu“ was für uns Deutsche definitiv unaussprechlich ist. Leider haben wir auch keinen Einheimischen gefunden, der uns den Namen vorsprechen wollte. :-)


 Leider ziehen bereits gegen Mittag schon wieder dunkle Regenwolken auf, der Wind wird stärker und die Temperatur fällt merklich ab. Na super, endlich mal wieder Regen! ;-) Wir nutzen die überdachte Veranda eines kleinen Country-Pubs um uns in unsere Regenklamotten zu werfen, bevor es weiter durch die malerisch sanften Hügel der südlichen Ostküste geht.


Wir hatten bereits gehört, dass es vor ein paar Tagen in Eketahuna, das gut 60 km südöstlich von hier liegt, ein mittelstarkes Erdbeben gegeben haben soll und tatsächlich entdecken wir auf den nächsten Kilometern immer wieder mehrere Zentimeter breite Risse in der Straßendecke und an einer Stelle hat sich ein Teil der Straße sogar um gut 20 cm abgesenkt, was gerade für uns Motoradfahrer echt gefährlich sein kann, wenn man das zu spät bemerkt.


 Außerdem liegen an mehreren Stellen Erde, kleinere und größere Steine und sogar ganze Wurzelstöcke auf der Straße und so verlangsamen wir unser Tempo lieber, nicht dass hinter einer der unzähligen engen und uneinsehbaren Kurven noch mehr dieser Erdbebenfolgen auf uns warten.


 Als Helle gerade stehen bleibt um ein Foto zu schießen fährt Bea schon mal ein paar hundert Meter weiter, bevor auch sie stehen bleibt, um einen weiteren großen Riss im Asphalt zu fotografieren. Leider ist die Straße an der Stelle relativ abfällig und so hat sie bereits Probleme ihre „Dicke Rosi“ sicher auf den Seitenständer zu stellen, doch eigentlich ist sie der Meinung, dass das Motorrad mehr oder weniger gut steht und sie will ja auch „nur schnell ein Foto schießen“. Kaum ist sie jedoch abgestiegen fegt ihr eine ordentliche Windböe um die Ohren… und Schwupps, haut es doch glatt die „Rosi“ mit so einem Schwung in Richtung des abschüssigen Fahrbahnrands, dass das Motorrad kopfüber im Straßengraben landen. Oh je!

Schnell versucht Bea ihr Motorrad wieder in die Vertikale zu bringen, damit Helle das Malheur nicht bemerkt, doch das Motorrad liegt so abschüssig, das sie alleine keine Chance hat.

 Es dauert auch nicht lange, da kommt Helle um die Ecke und bekommt erst mal einen riesen Schreck, als er Bea samt Motorrad da im Straßengraben entdeckt. Deutlich panisch ruft er ins Headset, ob Bea etwas passiert ist, doch als diese Entwarnung gibt, wird – wie könnte es auch anders sein – erst mal die Kamera gezückt und ein Beweisfoto geschossen! :-)

 Das ist definitiv mal wieder ein klarer Fall von „Wer den Schaden hat braucht, für den Spott nicht zu sorgen“! :-)

Neuseeland - Motorrad - Reise - Erdbeben - Umfaller

 Nachdem nun das ganze Malheur ordnungsgemäß auf Foto und Video festgehalten ist, geht es nun daran die „Dicke Rosi“ endlich zu bergen, denn leider rinnt mittlerweile Benzin aus und hat bereits den kompletten Tank und Lenker vollgesuppt. 

Dank der extremen Schräglage entpuppt sich das Aufstellen allerdings als ganz schön anstrengend und phasenweise sind wir uns nicht sicher, ob wir das zu zweit überhaupt schaffen. Erst als Tankrucksack, Softbag und Deckeltasche ab sind gelingt es uns endlich, die „Rosi“ wieder in die Vertikale zu befördern. Nachdem der kaputte rechte Spiegel (auch der linke Spiegel ist gebrochen, was bei einem Umfaller echt rekordverdächtig ist!) in einer der Seitentaschen verstaut, das Windschild notdürftig mit Panzertape geflickt und die Halterungen der Seitenverkleidung ebenfalls mit Panzertape fixiert sind, geht es weiter.

Neuseeland - Motorrad - Reise - Erdbeben - Umfaller



 In Masterton machen wir einen Zwischenstopp, da wir nicht nur unsere Motorräder betanken und in der örtlichen Toilette unsere Wasserkanister mit Trinkwasser auffüllen müssen, sondern auch das kostenlose Internet beim „Schachtelwirt“ nutzen wollen, um unsere Emails zu checken und gleich eine Ersatzteilbestellung für zwei neue Spiegel für Bea´s „Dicke Rosi“ sowie ein neues Rücklicht für Helle´s „Alperer“ aufzugeben. Außerdem ist für Bea´s Motorrad dringend ein neuer Hinterreifen fällig, wir wollen ja nicht schon wieder so enden wie damals in Australien, als sie mit völlig runtergefahrenem, platten Hinterreifen mitten im Nirgendwo liegen blieb… :-)

Da wir noch einen Tag Zeit haben, bevor unsere Fähre auf die Südinsel geht, wollen wir heute bis ans Südkapp der Nordinsel fahren, wo es eine Seelöwenkolonie geben soll.

 Leider sind die Windböen am Nachmittag so extrem, dass es uns mehrmals fast von der Straße weht und wir uns wirklich anstrengen müssen, unsere Motorräder in der Spur zu halten. Von unserem Kopf, der samt Helm ständig hin und her geweht wird, mal ganz zu schweigen… Wir brauchen wohl nicht erwähnen, dass Motorradfahren bei so einem Wind definitiv alles andere als Spaß macht. Aber eine Motorradreise ist eben nicht jeden Tag nur Spaß und Abenteuer…


 Als wir dann endlich auf die Küstenstraße entlang der Palliser Bay abbiegen werden wir zumindest mit spektakulären Aussichten auf die Cook Strait Passage belohnt.


Da wir heute nicht wieder so spät unser Nachtlager aufschlagen wollen, beschließen wir den Besuch der Seelöwenkolonie auf Morgen Vormittag zu vertagen und biegen stattdessen bereits auf halber Strecke landeinwärts ab, wo wir an einem kleinen Bach unser Nachtlager aufschlagen.

 

Auch hier weht leider eine steife Brise und so ist das Aufstellen des Zeltes mal wieder ein Kampf, denn es wird uns trotz ordentlich in den Boden geklopfter Heringe fast davon geweht… :-/


 Da das Wetter heute aber zumindest relativ warm ist und wir zeitig dran sind, beschließen wir in dem Bächlein ein Bad zu nehmen. Unsere letzte Dusche ist eh schon wieder zwei Tage her, da kann so eine kleine Erfrischung nicht schaden.

 

Das Bachwasser ist leider a**** kalt und so fällt unser Waschgang ziemlich knapp aus, doch zumindest stinken wir nun nicht mehr! :-)

Neuseeland - Motorrad - Reise - Palliser Bay - Camping - Unser Badezimmer

 Da unser Zeltplatz relativ nah am Meer liegt, laufen wir zum Sonnenuntergang an den menschenleeren Strand hinunter und genießen dort einen traumhaften Sonnenuntergang. Und auch der Wind lässt mit der untergehenden Sonne an Intensität nach und kaum ist die Sonne am Horizont verschwunden und taucht die Wolken in glühendes orange, haben sich auch die Windböen gelegt. Wir hören nur noch das laute Rauschen der rauen Brandung und ein paar Vöglein, die in den Wäldern hinter uns zwitschern. Ach, herrlich… :-)

Neuseeland - Motorrad - Reise - Palliser Bay - Camping - Sonnenuntergang
Neuseeland - Motorrad - Reise - Palliser Bay - Camping - Sonnenuntergang



 Bevor es heute nach Wellington geht, wollen wir die Küstenstraße noch bis ganz an das südliche Ende zum Cape Palliser fahren.

Dort gibt es nämlich nicht nur einen Leuchtturm und einige Seelöwenkolonien sondern das Cape Palliser ist auch der südlichste Punkt der Nordinsel. Die Straße ist auch auf den nächsten Kilometern ein wahres Highlight, schlängelt sie sich doch Kurve um Kurve eng zwischen Berghängen und Meeresküste entlang.

Neuseeland - Motorrad - Reise - Cape Palliser - Seelöwen
Neuseeland - Motorrad - Reise - Palliser Bay - Camping - Sonnenuntergang

 Ab den Putangirua Pinnacles geht die Straße in einen Kiesweg über, der zwar abschnittsweise relativ schmal und kurvig, an sich aber gut zu fahren ist. Auf Teilstücken hat sich jedoch immer mal wieder relativ viel loser Schottern angehäuft und so schaukelt der Vorderreifen unserer Bikes manchmal ganz schön hin und her und wir müssen uns trotz der atemberaubenden Kulisse mehr auf die Straße konzentrieren.


 Kurz vor dem Cape entdecken wir dann tatsächlich einige Seelöwen. Einige sonnen sich in nächster Nähe zur Straße auf den Steinen der Ufermauer, andere planschen vergnügt in der Brandung herum. Wir halten sofort an, pirschen uns heran und beobachten die Tiere fasziniert. Noch nie haben wir Seelöwen in der Wildnis und schon gar nicht aus nur wenigen Metern Entfernung beobachten können. Wir sind begeistert!

 

Einheimische hatten uns bereits erzählt, dass man Seelöwen schon lange riechen kann, bevor man sie sieht und wir können dies nur bestätigen, die Tiere haben einen derart penetranten Geruch, dass sie definitiv nicht zu „überriechen“ sind. :-)


 Die letzten paar Meter zum Leuchtturm haben es dann in sich. Die erste kleine Wasserdurchfahrt verdient ihren Namen ja eigentlich gar nicht, da wirklich nur ein paar Zentimeter Wasser über die Straße laufen. Doch dann kommen einige Pfützen, die ordentlich tief sind und unsere Werkzeugboxen und Stiefel bei der Durchfahrt unter Wasser setzten. Nur gut, dass wir seit einiger Zeit stolze Besitzer wasserdichte Endurostiefel sind, so bleiben unsere Füße bei dieser kleinen Offroadeinlage zumindest trocken. :-)

Vor allem Helle gefällt diese Schlammpfützen-Einlage sichtlich, kann er sein Motorrad doch endlich mal wieder standesgerecht einsauen! ;-)


 Am Leuchtturm angekommen machen wir erst mal Brotzeit und genießen den Ausblick auf die Palliser Bay. Als wir da so auf´s Meer hinaus blicken, können wir zuerst unseren Augen nicht trauen, doch wir erspähen am Horizont tatsächlich einen der schneebedeckten Gipfel der Berge auf der Südinsel. Welcher es ist können wir zwar leider nicht genau sagen, doch wir sind ganz aus dem Häuschen, dass wir bereits von hier aus die Südinsel erspähen können! :-)

 

Die Cook Strait Meerenge, welche die Nord- von der Südinsel trennt ist an der engsten Stelle nur gut 22 km breit, so ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass man an klaren Tagen bis auf die Südinsel sehen kann.

Neuseeland - Motorrad - Reise - Cape Palliser - Blick aud Südinsel

 Das der schöne Schein dieser idyllischen Küstenlandschaft trügt und die Menschen, die hier ganz im Süden an der Küste leben eigentlich in ständig latenter Gefahr leben, wird uns bewusst, als wir an diesem Schild vorbei kommen:

 Unseren letzten Abend auf der Nordinsel verbringen wir in Lower Hutt gut 15 km nördlich von Wellington, wo wir heute Abend bei Paul und Faith, zwei begeisterten Motorradfahrern, eingeladen sind. Wir verstehen uns auf Anhieb super mit den beiden und verbringen einen gemütlichen Abend mit ihnen. Vor allem die hauseigene Mini-Bierbrauerei und Schnapsdestille von Paul hat es Helle angetan und er studiert alles ganz genau. :-)



 Bereits um 6 Uhr morgens klingelt unser Wecker. Nach einem belebenden Morgenkaffee verabschieden wir uns von Faith, die bereits vor uns aufbricht um in die Arbeit zu fahren. Paul hingegen beschließt, das schöne Wetter heute Morgen zu nutzen und begleitet uns für eine kleine Ausfahrt zum Fährterminal nach Wellington.

 

Am Fährterminal in Wellington angekommen, treffen wir auf Andreas und Jan aus Deutschland, die wir über ein internationales Forum kennengelernt haben und die gerade für 4 Wochen mit Leihmotorrädern durch Neuseeland touren.


 Die See ist ruhig und die dreistündige Überfahrt vergeht dank reichlich Gesprächsstoff mit Andreas und Jan wie im Fluge.


 Als wir unsere Motorräder in Picton von der Fähre rollen, kommen wir mit einem neuseeländischen Motorradpolizisten ins Gespräch, der gerade ein nagelneues BMW(!!)-Polizeimotorrad von Wellington nach Christchurch überführt und der nette Sergeant steht sogar für ein Foto mit uns bereit. Cool! :-)

Neuseeland - Motorrad - Reise - Fähre Interislander - Wellington

 In Picton angekommen verabschieden wir uns von Andreas und Jan, die gleich weiter Richtung Nelson fahren und vereinbaren auf jeden Fall in Kontakt zu bleiben. Wer weiß, vielleicht fahren wir uns die nächste Zeit noch einmal über den Weg und haben dann auch mehr Zeit um einen gemeinsamen Abend bei ein, zwei Bier miteinander zu verbringen.

 

Für uns geht es direkt auf einen Zeltplatz in Picton, da wir unbedingt einige Dinge am Computer erledigen müssen. Außerdem haben wir die letzten Tage so unglaublich viele Fotos und Videos gemacht, dass all unsere Speicherkarten voll sind und wir dringend alle Aufnahmen aussortieren und archivieren müssen.

 

Und neben all der Computerarbeit muss auch mal wieder Wäsche gewaschen werden, da wir beide aus Mangel an frischen T-Shirts seit vorgestern mal wieder dasselbe T-Shirt anhaben. Lecker… ;-)

 



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Infos am Rande
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Route:
  Napier - Waipawa - Blackhead - Porangahau - Pongaroa - Alfredton - Ekatahuna - Kiriwhakpapa - Masterton - Greytown - Martinborough - Pirinoa - Cape Palliser - Pirinoa - Featherston - Upper Hutt - Lower Hutt - Wellington - (per Fähre) Picton


Gefahrene Kilometer von Burghausen: 65.459 Km

Spritpreis: 1,30 € (91 Oktan)
         
Währung: Neuseeland Dollar

Ortszeit: + 11 Stunden (Sommerzeit)

Transport:

- Fähre Wellington - Picton (128 NZ$/ Person und Motorrad) (Interislander)

Probleme mit den Motorrädern:

- Windschild geklebt (Dicke Rosi)

- Kosmetikspiegel in gebrochenes Spiegelgehäuse eingesetzt (Dicke Rosi)
 
Stürze/ Umfaller:

- 1x Bea (parken)

Gesundheit/ Verletzungen: -


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Kommentare: 3
  • #1

    Tom (Samstag, 01 März 2014 13:03)

    Man, bei euch gibts Abends einen romantischen Sonnenuntergang, bei uns CSI NY/Miami/Scheuring :-) Sche das ihr es geniest :-) LG Tom und Kati

  • #2

    Andreas (Samstag, 01 März 2014 13:50)

    Ganz toll :-)
    Hat leider mit unserem Bierchen auf der Südinsel nicht mehr geklappt.
    Aber es macht Spass, zu sehen, daß Ihr hinter uns herfahrt und oft die gleichen schönen Orte besucht habt wie wir.

    Denkt dran Bea: das schwarze am Motorrad gehört nach unten ;-)

    Viele un- und umfallfreie Kilometer wünschen Euch Andreas und Jan
    www.mittelerde-mit-dem-motorrad.de

  • #3

    Alex (Mittwoch, 05 März 2014 22:41)

    Hallo ihr zwei aus Scheuring, Ich wohne auch in Scheuring, Kenn hier leider noch niemanden.
    Vielleicht könnten wir uns mal treffen oder so, ne Runde Moped Fahren vielleicht.

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