Slowakei - Immer Richtung Osten!

 Leider ist das Wetter über Nacht nicht besser geworden, es ist grau in grau, das Zelt, die Mopeds und die Wiese sind noch immer tropfnass. Außerdem haben wir unser Zelt wohl in einem Ameisenhaufen aufgestellt, das Vorzelt wimmelt auf jeden Fall von eben diesen, eine wahre Invasion!!

Nach dem morgendlichen Kaffee sind wir noch einmal fleißig, Bea fängt an, den ersten Reisebericht zu tippen und Helle sortiert die Videos und Fotos, die wir tags zuvor gemacht haben.

Unser mobiles Reise-Büro - Ein Zelt, zwei Stühle und Internet

 Dann wird das Wetter Gott sei Dank doch noch besser und das Zelt trocknet (fast) ab, so packen wir schnell zusammen und fahren los. Die Slowakei gefällt uns landschaftlich wirklich sehr und wir fahren vorbei an Feldern, an riesigen Bergbau-mienen und an einem gigantischen Stahlwerk kurz vor Kosice. Sehr beeindruckend alles!


 Als wir in Kosice ankommen merken wir, dass die Stadt mit ca. 300.000 Einwohnern doch viel größer ist als gedacht und zu allem Überfluss erkennt unser Navi die Straße nicht, die uns Bevan tags zuvor per sms mitgeteilt hat. Wir versuchen unser Glück in zwei Tankstellen, in der ersten zeigt man uns auf einem Stadtplan den Stadtteil Myslava, wo Bevan lebt, wir fahren auch in die Richtung, finden aber keine weiteren Hinweisschilder, so fragen wir in einer zweiten Tankstelle. Hier spricht man kein Wort Englisch oder Deutsch, aber die zwei Verkäuferinnen sind sehr bemüht und versuchen mit Händen und Füßen sowie Zettel und Stift uns zu erklären, wo wir hin müssen, leider verstehen wir nur Bahnhof. Dann fragen sie alle Kunden, ob jemand Englisch spricht und tatsächlich, ein junges Mädchen spricht perfekt Englisch. Sie erklärt uns den Weg und da sie eh in die gleiche Richtung will, deutet sie uns, dass wir einfach ihrem Auto folgen sollen. Gesagt, getan...Super!

 Doch leider haben wir uns zu früh gefreut, denn auch in der Richtung, in der wir jetzt unterwegs sind, können wir die gesuchte Straße weit und breit nicht finden. Irgendwann beschließen wir Bevan einfach anzurufen und zu fragen, ob er uns abholen kann. Wir erwischen ihn Gott sei Dank auch gleich, aber er weiß mit der Beschreibung unserer momentanen Standorts nichts anzufangen, so sollen wir wieder zurück fahren zur ersten Tankstelle, dann holt er uns dort ab. Na toll, da hätten wir uns die ganze Rumfahrerei auch sparen können und gleich anrufen können, aber später ist man bekanntlich immer schlauer!

 Auf dem Weg zurück überholt uns plötzlich ein Range Rover und ein Typ winkt und deutet aus dem Fenster, Bea´s erster und auch richtiger Gedanke, dass muss Bevan sein! Was für ein Zufall!

 Bevan spricht perfekt Englisch und erklärte uns, wir sollen ihm einfach hinterher fahren. Gesagt, getan und so sind wir nach 2 km auf unzähligen Seitengassen endlich bei Bevans Haus. Nein, alleine hätten wir das nie gefunden!

 Er und Ehefrau Laura sowie 6 Hunde wohnen in einem netten Haus mit Garten auf einem Hügel in einem Vorort von Kosice. Wir können die beiden Mopeds sicher in ihrer Garage der beiden parken und werden recht herzlich mit kalten Getränken und frischer Melone empfangen. Wir sind begeistert! Danach bekommen wir eine kleine Führung durch´s Haus und man zeigt uns unser Zimmer. Da Bevan und Laura noch einen Termin außer Haus haben erklären sie uns, wir sollen uns einfach wie Zuhause fühlen, uns frisch machen und in ca. 2 Stunden kommen sie wieder um uns in ein typisch slowakisches Restaurant auszuführen. Wir sind ganz baff, dass man uns nach nur einer halben Stunde Kennenlernens gleich alleine Zuhause lässt. Die haben wirklich Vertrauen! So packen wir erst mal unser Zeug aus und gönnen uns eine Dusche. Danach gibt´s eine Kraulpartie für die Hunde des Hauses und ein Runde Ballspiel mit dem blinden Hund Buffy, der den Ball nur nach Gehör fängt. Sieht echt lustig aus, aber der Hund hat´s voll drauf und steht total auf Ballspielen!


 Danach schießt Helmut vor dem Haus ein paar Fotos. Typisch Mann lässt er die Haus- und die Gartentüre sperrangelweit offen stehen und promt düst einer der Hunde ab! Gott sei Dank lässt er sich mit einem Ball wieder zurück ins Haus locken!

 Nach diesem Schrecken sperren wir die Haustüre lieber wieder ab. Leider lassen wir den Schlüssel innen stecken und sperren so den Hausherren aus, der dann, als er uns für´s Restaurant abholen wollte, bei seinem eigenen Haus klingeln musste! Oh je, wie peinlich!

 Bevan und Laura haben uns in ein wirklich nettes kleines Restaurant geführt, wo wir slowakische Nationalgerichte gegessen haben, den Namen bekommen wir leider nicht mehr zusammen aber es waren Kartoffelnudeln mit Schafskäse und für Helmut zusätzlich noch Speck und Hähnchenfleisch. Sehr lecker! Dazu gab es Bier. Zu erwähnen ist, dass Bier in der Slowakei typischerweise 12 % und nicht 5 % Alkoholgehalt hat, das hat uns echt verwundert. Als wir Bevan davon erzählt haben, hat der nur geschmunzelt und gemeint, dass die Leute in der Slowakei kein 5 %iges Bier kaufen würden, da das nur Geldverschwendung wäre. Die sind uns sympathisch die Slowaken!


 Wir haben einen sehr netten und informativen Abend mit den beiden verbracht. Sie haben uns erzählt, dass sie eigentlich gar nicht aus der Slowakei, sondern aus dem mittleren Westen Amerikas stammen und Missionare der lutherischen Kirche sind und bereits seit 15 Jahren in der Slowakei leben. Sie arbeiten u. a. mit behinderten und Waisenkindern und versuchen das Zigeuner-Problem, dass es in der Slowakei gibt, zu verbessern.

Nach dem Restaurantbesuch sind wir gleich nach Hause gefahren und konnten über Bevans Laptop noch kurz eine Email nach Hause senden, dass bei uns alles in Ordnung ist. Danach sind wir aber gleich ins Bett gefallen, da wir beide doch schon wieder recht k.o. waren.



 Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden, denn eigentlich wollten wir am Mittag weiter fahren Richtung Ukraine, aber der Vorabend war so nett mit den beiden und so haben sie uns spontan eingeladen eine weitere Nacht zu bleiben, da sie uns noch Ihre eigene Pferderanch und die Stadt zeigen wollten. Na bei so einem Angebot sagen wir doch nicht Nein!

 Nach einem lecker Frühstück mit Brötchen und Obst sind wir zur Ranch gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir noch kurz bei einem Lidl (ja, den gibt´s auch in der Slowakei) gestoppt um etwas Essen für den Tag zu kaufen. Da wir kostenlos bei den beiden wohnen dürfen, haben wir dann zumindestens den Einkauf übernommen, um uns etwas für die Gastfreundschaft zu revangieren, zumal die beiden am Vorabend sogar die Rechnung im Restaurant übernommen haben!

Auf dem Weg durch Kosice hatte Bevan spontan den Einfall, dass wir beim örtlichen BMW-Händler Kamil (www.k-moto.sk), einem Freund von Bevan, vorbei zu schauen. Ein kurzes Telefonat mit Kamil und schon ging es quer durch Kosice auf zum BMW-Händler. Kamil war eigentlich gerade zusammen mit Freunden auf dem Weg nach Korsika zu einer kleinen Motorradtour, aber als wir beim Shop ankamen, hat er sich netterweise noch kurz Zeit genommen und uns seinen Laden gezeigt. Nachdem wir ihm von unserer Tour erzählt hatten war er gleich ganz neidisch und meinte „Scheiß auf Korsika, er kommt mit!“ bzw. was für ein „Mädchen“ er doch ist, dass er „nur“ nach Korsika fährt. Dann hat er uns noch 2 T-Shirts und Käppis mit dem Logo seines Shops geschenkt und ein Gruppenfoto haben wir auch noch gemacht. Sehr nett!

 Dann ging es aber endlich ein paar Kilometer raus aus Kosice zur Ranch. Eigentlich wollten die Mädels reiten gehen und die Männer einen Zaun reparieren, doch nach knapp 20 min hat es so zu gewittern und regnen angefangen, dass wir in den Aufenthaltsraum der Ranch flüchten mussten.


 Zurück in der Stadt hatten wir dann richtige Weltuntergangsstimmung, denn durch das Unwetter standen viele Unterführungen und Straßen unter Wasser und Bäume waren umgestürzt und auf Stromleitungen gefallen. Wow! Wie gut, dass wir diesmal in Bevans Jeep unterwegs waren und nicht mit unseren Motorrädern!


Bevan hat uns zum Hauptbahnhof gefahren, wo wir schon mal Euro in ukrainische Hrywnja wechseln konnten, sehr praktisch, denn Bevan warnte uns davor, dass die Wechselstuben an der Grenze die Touristen oftmals gerne bescheißen.

Aufgrund des schlechten Wetters haben wir dann auch die Stadtführung ausfallen lassen und sind zurück zum Haus gefahren.

Am Abend haben Bea und Laura das Abendessen zubereitet während Bevan und Helle etwas über unsere Mopeds und die vielen Umbauten daran gefachsimpelt haben. Es gab wieder typisch slowakisches Essen, diesmal Nudeln mit Zwiebeln, Bohnen, Sauerrahm und für die Männer so eine Art Fleischpflanzerl. Dazu Blumenkohl-Tomaten-Salat mit Zsatsiki-Dressing. Bea sollte den Salat machen aber irgenwie gab es da wohl Verständigungsschwierigkeiten so hat sie zwar den Blumenkohl klein geschnitten und in einer Schüssel mit dem Zsatsiki-Dressing vermischt, doch die Tomaten hat sie alle auf einem Brett ausgebreitet und mit Zsatsiki-Dressig beträufelt, obwohl eigentlich alles einfach in die Schüssel hätte rein sollen. War dann recht lustig und Laura hat sich recht amüsiert. Bea hingegen hat sich tomatenrot geschämt. Aber Laura meinte, dass die Tomatenkreation recht interessant aussieht und dass sie es beim nächstem mal so versuchen will!


 Nach dem Essen hat uns Bevan von den schlechten Erfahrungen erzählt, die er bei seinen früheren Besuchen in er Ukraine gemacht hat. Viele Polizeikontrollen, viele Geschwindigkeitskontrollen, sehr schlechte Straßen, viele Zigeuner, das machte uns doch recht nervös. Wir überlegten kurz über Rumänien oder Moldawien zu fahren, entschließen uns dann aber doch bis ins ukrainische Kolomnyia zu fahren, wo wir im Bed & Breakfast „On the Corner“ eingeladen sind, dort eine Nacht zu verbringen.

 Bevan kontaktiert noch schnell einen Bekannten aus Odessa, der uns ein paar Tipps gibt und uns ein günstiges und gutes Hotel in Odessa empfiehlt. Außerdem bekommen wir die Nummer von Bevans Bekanntem Arkadi, damit wir Ihn in Odessa anrufen können, falls wir irgendwelche Probleme haben. Wie nett!

 Dann haben wir noch mal kurz über´s Internet Kontakt zu Vitali vom B & B aufgenommen und Ihm Bescheid gegeben, dass wir Morgen nach Kolomnyia kommen und dann hieß es ab in´s Bett, denn Morgen warten knapp 500 km ukrainische Straßen auf uns!



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Infos am Rande
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 Dokumente für die Einreise: -

 

Route:

Banovce - Prievidea - Ziar - Zvolen - Lucenec - Sobota - Kosice - Michalovce

 

Gefahrene Kilometer von Burghausen: 1.520 Km

 

Spritpreis: 1,42 € (95 Oktan)

 

Währung: Euro

 

Ortszeit: unverändert

 

Transport: -

 

Probleme mit den Motorrädern: -


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