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Eine Motorradtour durch den unbekannten Osten von Griechenland


Mit dem Motorrad zu den Göttern des Olymps




Die griechische Mythologie ist voll von sagenumwobenen Orakeln, von Heldengeschichten und mächtigen Göttern. Neben seiner beeindruckenden Geschichte besticht Griechenland aber auch durch traumhafte Meeresküsten, mediterranes Klima und kulinarische Köstlichkeiten. Wir haben uns auf unseren Motorrädern aufgemacht, dieses spannende Land im Südosten Europas zu erkunden.


Dieser Reisebericht erschien in der Ausgabe Februar 2020 des Tourenfahrer Magazins. Wenn du dich fürs Motorradreisen in Europa und der weiten Welt sowie Tests & Technik interessierst, dann können wir dir das Magazin nur wärmstens empfehlen!


An einem strahlend schönen Samstagmorgen Ende Juni brechen wir von unserer bayerischen Heimat auf gen Süden. Doch nach gut drei Fahrstunden durch das sommerliche Österreich endet unser erster Fahrtag mit dem Erreichen Villachs bereits wieder.

Was Villach mit Griechenland zu tun hat?

Noch nicht viel! Doch am Güterbahnhof von Villach wartet bereits ein türkischer Autozug auf uns, der uns und unsere beiden Motorräder in einer 42-stündigen Zugfahrt bis nach Erdine an der türkisch-griechischen Grenze bringen wird.

 

 


Mit dem türkischen Autozug gen Süden


 

 

Nachdem wir unsere Motorräder in einen doppelstöckigen Fahrzeugwaggon verladen haben, machen wir es uns mit reichlich Proviant und Getränken in unserem Zugabteil, das wir uns mit einem älteren türkischen Ehepaar teilen, bequem. Das wir im gesamten Zug die einzigen nicht türkisch-stämmigen Passagiere sind, macht die Zugfahrt für uns umso spannender, denn wir kommen mit vielen der Reisenden ins Gespräch, werden zu türkischem Tee und süßen Leckereien eingeladen und haben viel Zeit, um uns mit den anderen Reisenden über ihre Heimat und ihr Leben im Ausland zu unterhalten.

Alleine über diese außergewöhnliche Zugfahrt gäbe es unglaublich viel zu berichten… doch das ist eine andere Geschichte!

Die Einreise in die Türkei und auch die Zollformalitäten für unsere Motorräder sind schnell erledig und schon rollen wir auf türkischem Boden dahin.

Im Zug haben wir den türkisch-stämmigen Österreicher Ossi kennengelernt, mit dem wir sofort auf einer Wellenlänge lagen. Bevor es an die türkisch-griechische Grenze geht und es an der Zeit ist, sich voneinander zu verabschieden, läd uns Ossi noch in ein traditionelles türkisches Gasthaus ein und bestellt für uns ein landestypisches Gericht und anstelle von Espresso gibt es nach dem Essen noch eine Tasse Schwarztee für jeden. Das Essen - gegrillte Lammstreifen mit gemischtem Salat, gegrillten Tomaten, Joghurt mit einem Schuss Olivenöl - ist unglaublich lecker und so starten wir gut gestärkt in Richtung Grenze.

 

 

 

 

Auch die Grenzformalitäten an der türlisch-griechischen Grenze gehen zügig über die Bühne und jetzt kann es tatsächlich los gehen, unser Abenteuer Griechenland!

Ganz im Osten des Landes, weit abseits der großen touristischen Zentren begrüßt uns Griechenland mit weitläufigen Landschaften und kleinen Nebenstraßen, die teilweise schon so weit mit Büschen und Bäumen zugewachsen sind, das es fast scheint, als wäre hier schon Jahre lang kein anderes Fahrzeug mehr durchgekommen.

 

 


Mit jedem Kilometer gen Westen tauchen wir tiefer in das Land ein


 

 

Wir passieren malerische Dörfer mit den für Griechenland so typischen, weiß getünchten Häusern. Beobachten alten Herren, wie sie im Schatten der Bäume bei einem griechischen Kaffee zusammen sitzen und über Gott und die Welt debattieren und tauchen langsam immer weiter in das Land ein.

Die ersten Tage sind wir vor allem im nordostgriechischen Hinterland unterwegs und erkunden auf kleinsten Landstraßen die Gegend. Viele dieser Strecken scheinen schon lange nicht mehr instand gesetzt worden zu sein und so passiert es immer wieder, dass sich die kleinen Teerstraßen urplötzlich in holprige und staubige Feldweg verwandeln oder wir plötzlich vor einer Sackgasse mitten zwischen den weitläufigen, landwirtschaftlich bearbeiteten Feldern stehen.

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Immer wieder kommen wir auch an mehr oder weniger maroden Brücken vorbei, bei denen selbst wir mit unseren Motorrädern uns dreimal überlegen, ob diese noch stabil genug sind, bis wir schließlich einen relativ breiten Fluss erreichen, durch den eine betonierte, leicht überflutete Furt führt. Eigentlich kein besonderes Hindernis, doch die Furt scheint – wie die anderen Straßen hier im Hinterland auch - so selten befahren zu sein, dass sich am Boden eine unglaublich rutschige Algenschicht gebildet hat!

Fast fühlt es sich an wie auf blankem Eis zu fahren als wir die Furt im Schritttempo und mit leicht schlingerndem Hinterreifen durchqueren. Doch zum Glück geht am Ende alles gut, denn trotz der immer heißer werdenden Temperaturen haben wir keine Lust auf eine ungeplante Abkühlung!

 

 

 

 

Nach einigen spannenden Tagen im Hinterland zieht es uns dann aber doch ans Meer, denn natürlich haben auch wir von Griechenland vor allem ein Bild im Kopf: kristallklares Wasser, beeindruckende Küsten und weitläufige Strände!

Obwohl der Osten Griechenlands keine besonders spektakulären Küstenstraßen zu bieten hat, überrascht uns die Region dafür mit vielen noch mehr oder weniger wilden und ursprünglichen Küstenabschnitten, die noch für jedermann frei zugänglich sind.

 

 

 

 

So beschließen wir spontan uns für den Abend ein möglichst einsames und verstecktes Plätzchen zu suchen, an dem wir unser Zelt für die Nacht aufschlagen können. Über einen kleinen Schotterweg gelangen wir tatsächlich bis unmittelbar an den Strand, wo wir bald eine ebene, hinter einigen Büschen gut versteckte Fläche finden, die perfekt für unser Nachtlager geeignet ist.

Schnell stellen wir unser Zelt auf bevor wir uns in die Fluten stürzen um uns zu erfrischen und von einem dank der stetig steigenden Temperaturen ziemlich schweißtreibenden Fahrtag zu erholen.

Abends sitzen wir noch lange vor unserem Zelt, genießen den lauen Sommerabend, die sanfte Brise und den leicht salzigen Duft des Meeres. Besonders spektakulär ist der Blick auf die Milchstraße, die sich am sternenklaren Nachthimmel deutlich sichtbar zeigt und so kosten wir die fantastische Aussicht eine ganze Weile aus, bevor uns das stetige Rauschen der Meeresbrandung irgendwann so einlullt, dass wir müde aber unglaublich zufrieden in unsere Schafsäcke kriechen und sofort einschlafen.

 

 

 

 

Es ist mittlerweile Anfang Juli und Griechenland wird gerade von einer Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius geplagt, deshalb beschließen wir die Flucht in die Berge anzutreten und machen uns auf zu Griechenlands wohl berühmtestem Gebirge: dem Olymp.

 

 

 

 

Mit über 2.900 Metern Höhe ist der Olymp nicht nur Griechenlands höchstes Gebirge, sondern gemäß der griechischen Mythologie auch Sitz der zwölf olympischen Götter. Für uns Motorradfahrer ist aber vor allem die schmale, aber gut geteerte Bergstraße interessant, die sich vom Besucherzentrum des Olympus Nationalsparks über unzählige Kurven und Kehren bis zur einer Schutzhütte tief im Gebirge empor windet. Die Strecke führt teilweise durch dichte Wälder, bietet aber auch immer wieder spektakuläre Aussichten über die Küste und bis weit auf das Meer hinaus und ist deshalb, obwohl es sich um eine Sackgasse handelt, absolut (er)fahrenswert!

Trotz des kurvenreichen Fahrspaßes ist auf der gesamten Strecke Vorsicht geboten, denn immer wieder „liegen“ griechische Landschildkröten mitten auf der Fahrbahn!

Eigentlich „liegen“ die kleinen gepanzerten Tiere natürlich nicht auf der Fahrbahn, aber da sie durchschnittlich nur 80 m am Tag zurücklegen, kann die Überquerung einer Straße schon mal einige Zeit dauern. Deshalb halten wir auch spontan an als wir eine kleine Schildkröte mitten auf der Fahrbahn sehen und verfrachten sie behutsam in das angrenzende, hohe Gras, wo sie dann „eiligen Schrittes“ im Dickicht verschwindet.

 

 

 

 

Viel zu schnell verlassen wir die kühle Bergregion wieder, denn unser nächstes Ziel, das sagenumwobene Orakel von Delphi, wartet bereits auf uns. Einer Legende zufolge lies Zeus zwei Adler von den Enden der Welt losfliegen, die sich in Delphi trafen. Seither gilt die antike Kultstätte nicht nur als eine wichtige Weissagungsstätte sondern auch als Mittelpunkt der Welt.

Bereits früh am Morgen – die Sonne ist noch nicht über den Bergen aufgegangen – beginnen wir mit der Besichtigung der weitläufigen Tempelanlage und ihren Heiligtümern. Besonders imposant ist das 5.000 Besucher fassende Amphitheater aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, das sich majestätisch in den Hang hinein schmiegt und einen tollen Ausblick über das mit Olivenhainen bedeckte Tal bietet.

Mit zunehmender Uhrzeit wird es auf dem fast schattenlosen Gelände zunehmend heißer und nun setzen auch die Touristenmassen ein. Zeit für uns aufzubrechen!

 

 

 

 

Leider haben wir heute etwas Pech, denn nach nur wenigen Kilometern gerät Bea´s Motorrad plötzlich heftig ins Schlingern und sie schafft es gerade noch, das Bike am Straßenrand sicher zum Stehen zu bringen - ihr Hinterreifen war auf einen Schlag platt!

Zum Glück ist die ganze Sache in einer Ortschaft mit "nur" gut 50 km/h passiert und der Heidenau K60 Scout, den wir auf unseren Bikes fahren, ist, was seine Notlaufeigenschaften angeht, wirklich noch einigermaßen sicher zum Stillstand zu bringen, auch wenn sich das Ganze unglaublich wabbelig anfühlt. Zum Glück kann Bea Helmut über´s Headset noch Bescheid geben, sonst wäre der sicher wieder über alle Berge gewesen!

 

So können wir das Motorrad zusammen von der Straße und zu einem schattigen, überdachten Unterstand schieben, wo dann erst mal Schlauch wechseln angesagt ist. Eine mega schweißtreibende Arbeit für den armen Helmut bei über 40 Grad im Schatten! Und eigentlich wollen wir heute noch ordentlich Strecke machen. Aber wie das auf Reisen so ist, oft kommt es anders als man denkt! Und wer hätte gedacht, dass sich Helmut´s neue Montiereisen, die er sich erst kurz vor unserer Griechenland-Tour zugelegt hatte, so schnell auch im Ernstfall bewähren müssen!

 

 

 

 

Bevor es in die Hauptstadt Griechenlands und damit zur wahrscheinlich berühmtesten antiken Kultstätte des Landes geht, folgen wir noch einer Strecke die uns von einheimischen Motorradfahrern empfohlen wurde.

Die Küstenstraße, die auch „Attische Riviera“ genannt wird, führt von Athen in Richtung Süden und windet sich in sanften Kehren am Saronischen Golfs entlang. Immer wieder eröffnen sich uns entlang der Strecke fantastische Aussichten über den schier endlosen blauen Horizont und wir genießen die Fahrt und die angenehm kühle Meeresbrise in vollen Zügen.

 

 

 

 

Am Ende der Landzunge erreichen wir das Kap Sounion. Auf den Klippen der steil zum Meer hin abfallenden Landspitze befindet sich der Marmortempel des Meeresgottes Poseidon, der erhaben über der Bucht thront und bereits aus der Ferne zu sehen ist.

 

 


Zu Besuch im Tempel des Poseidon


 

 

Wir beschließen den Tempel zur Abenddämmerung zu besuchen, wenn die brütende Hitze des Tages langsam nachgelassen hat und die meisten Busse mit Touristen aus Athen bereits wieder abgefahren sind - und werden nicht enttäuscht. Die untergehende Sonne taucht den Tempel und die sanften Küstengebirge in gedämpftes, rötliches Abendlicht und plötzlich fühlen wir uns zurück versetzt in die Zeit um das 5. Jahrhundert vor Christus, als der Tempel von Seefahrern besucht wurde, um den Meeresgott mit Tieropfern und anderen Weihgaben um eine sichere Überfahrt zu bitten. Der Gedanke, dass hier bereits vor über 2.500 Jahren Menschen auf genau denselben Marmortreppen standen und in die untergehende Abendsonne blickten wie wir es heute tun ist einfach unglaublich und beschert uns eine kleine Gänsehaut.

 

 

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