Auf dem Weg nach Asien


Reisebericht Kasachstan



Einreise & Motorradimport:

Detaillierte Infos zu Einreisebestimmungen sowie zum temporären Fahrzeugimport findest du in unseren Länderinfos & Reisetipps Osteuropa & Asien

 

Route:

Astrachan - Ganyushkino - Atyrau - Makat - Atyrau - Inderbor

 

Die Route auf der Google Karte dient der Übersicht und zeigt im Großen und Ganzen unsere gefahrene Strecke, im Detail kann es aber zu Abweichungen kommen.

 

Gefahrene Kilometer von Burghausen:

5.700 Km

 

Spritpreis:

0,53 € (92 Oktan)

 

Währung:

Tenge

 

Probleme mit den Motorrädern:

- Bremsbeläge Bea vorn gewechselt

 

Stürze/ Umfaller:

- Bea 2x

 

Gesundheit/ Verletzungen: -


 

 

Um 11 Uhr sollte uns Andrejevs Kumpel vom Internet-Cafe abholen, doch leider dauert das Bilder- und Reiseberichte hochladen viel länger als erwartet. So fragen wir den armen Mann, ob es für ihn ein Problem wäre, wenn er uns erst um 13 Uhr im Cafe abholt. Aber der Biker ist ganz cool und meint, dass das kein Problem sei und er einfach später wiederkommt. Super, so können wir zumindestens schon mal ein paar Bilder und die ersten beiden Reiseberichte hochladen. Wird aber auch Zeit nach knapp 3 Wochen on Tour. Wir haben auch schon die ersten "Beschwerde-Emails“ erhalten, wann es denn endlich mal Reiseberichte von uns zu lesen gibt. Aber die Sache mit dem Internet ist in Osteuropa halt gar nicht soo einfach…

 

Pünktlich um 13 Uhr werden wir dann von dem netten Typ mit seinem original amerikanischen Polizeimotorrad abgeholt. Er eskortiert uns zuerst noch zu einem Geldautomaten, da wir im Cafe doch tatsächlich unsere letzten Rubel ausgegeben haben. Hat gerade noch gelangt, dass wir den Cafe bezahlen konnten! Denen im Cafe hätten wir nicht wie Bea tags zuvor im Supermarkt erklären können, dass wir leider was zurückgeben müssen, weil unser Geld nicht langt! :-) Danach geht es weiter durch Astrachan. Es herrscht ziemlicher Verkehr und die Temperatur ist mal wieder weit über der 40 Grad Marke. Damit wir schneller aus der Stadt raus kommen, macht der Biker doch tatsächlich gebrauch vom Blaulicht und der Polizei-Sirene, die noch Original vorhanden sind und tatsächlich, die Autos machen uns Platz und so schlängeln wir uns ohne größere Probleme durch den russischen Verkehr. Wie geil ist das denn! :-)

 

 

Begleitservice eines russischen Bikers mit amerikanischen Polizeimotorrad

 

 

Auf dem Weg Richtung Grenze kommen wir zu einer Mautstelle, wo sie Geld von uns für die beiden Mopeds verlangen. Wir wundern uns schon, für was das wieder ist, doch als die Schranke der Mautstelle geöffnet wird und wir weiter fahren merken wir recht schnell, für was wir da Geld bezahlen mussten. Und zwar für eine schwimmende Brücke! Die Brücke die aus schwimmenden Bohlen besteht, überbrückt einen der Wolga-Arme.

 

 

Schwimmende Brücke über einen der Wolga-Arme - Neuland für uns und unsere Motorräder.

 

 

Zwischen dem russischen und dem kasachischen Grenzübergang liegen mehrere Kilometer und da wir noch nicht soo viel Übung im Überqueren von Grenzen haben, werden wir irgendwann schon nervös, ob wir wohl versehentlich am kasachischen Grenzposten vorbei gefahren sind, nicht dass wir zum zweiten Mal quasi die "grüne Grenze“ überquert haben. Aber nein, nach ca. 10 minütiger Fahrt kommen wir dann doch an den kasachischen Grenzposten. Hier jedoch heißt es erst einmal warten. Zuerst vermuten wir, dass uns der Grenzer einfach so warten lässt, doch dann kommt der junge Russe wieder und erklärt uns, dass die Grenzer wohl ein Computerproblem haben und wir erst einmal alle warten müssen. Na super und dass bei, mal wieder, über 40 Grad.…


Anstatt sich um seinen PC zu kümmern und das Problem zu lösen, beschließt der Grenzer dann auch noch erst einmal unsere Mopeds ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Er fasst alles an, klappt das Visier von Helles Helm interessiert mehrmals auf und zu und lässt sich von einem jungen Russen alle seine Fragen zu den technischen Details des Mopeds übersetzen. An sich eigentlich ein ganz lustiges Schauspiel, wenn uns nicht Schweineheiß wäre und wir einfach gerne die Grenze passieren würden! Irgendwann geht der gute Mann dann doch zurück in sein Häuschen, das Computerproblem scheint auch gelöst und so können wir endlich problemlos nach Kasachstan einreisen.

 

Die Straßen auf der kasachischen Seite sind sehr gut, nur an den kleinen Dörfern rechts und links der Straße merkt man, dass man nicht mehr in Russland ist.

 

 

 

 

Alles sieht einfacher und ärmlicher aus. Kühe, Ziegen, Schafe und Pferde laufen umher und die Kinder winken uns zu.  Das waren wir aus Russland überhaupt nicht gewohnt. Gleich im ersten Örtchen machen wir halt, da wir an einem Supermarkt unsere Wasservorräte auffüllen wollen. Von außen ist der Laden eigentlich kaum als Supermarkt zu erkennen, doch von innen bietet er eine riesen Auswahl an allem was das Herz begehrt! :-)

 

 


Kühe, Ziegen, Schafe und Pferde laufen umher und die Kinder winken uns zu


 

 

Gleich neben dem Supermarkt ist ein Hotel. Es ist zwar erst Nachmittag aber da das Hotel einen abgesperrten Parkplatz für unsere Mopeds bietet, nutzen wir die Gelegenheit und machen heute etwas früher Schluss. Nach einer kühlen Dusche und einer kleinen Brotzeit auf unserem Zimmer (darin sind wir jetzt echt schon in Übung *g*) fallen wir, mal wieder, totmüde in´s Bett. Wenigstens müssen wir Dank Klimaanlage nicht schwitzen

 

Da wir das Zimmer nur für 12 anstatt für 24 Stunden gemietet hatten, so war es deutlich billiger, stehen wir am Morgen für unsere Verhältnisse sehr früh auf. Bereits um 5 Uhr klingelt unser Wecker. Um 7 müssen wir ausgecheckt haben, aber unser morgendliches Ritual all unsere Sachen, die wir meist total chaotisch im Zimmer verteilt haben, wieder in unsere Bags zu packen, dauert einfach seine Zeit... :-)

 

Um halb 7 schleppen wir unser ganzes Gepäck vor´s Hotel und was sollen wir sagen, uns trifft fast der Schlag. Der Hitze-Schlag um genau zu sein. Es ist halb 7 Uhr in der Früh, die Sonne ist gerade erst am Aufgehen und das Thermometer zeigt bereits über 30 Grad an. Na das kann ja lustig werden.…

 

 

 

 

Dafür herrscht eine herrlich friedliche Stimmung in dem kleinen Örtchen. Eine Herde halbwilder Pferde zieht über die Dorfstraße und etwas außerhalb entdecken wir sogar ein paar Kamele. Wow! Wir sind sehr gespannt, was uns die nächsten Tage in Kasachstan erwartet!

 

Am Wegesrand tauchen immer wieder kleine Bauten auf. Zuerst wissen wir gar nicht, was es damit auf sich hat, doch dann erkennen wir, dass es sich dabei um Friedhöfe handelt. Jedes Grab ist von einer Mauer umgeben. Einige sind mit Halbmonden verziert. Andere sehen sogar fast aus wie kleine Mausoleen.

 

 


Entgegen all unseren Befürchtungen sind die Menschen jedoch alle sehr nett


 

 

Vitali und Dimi hatten uns gewarnt, dass die Bevölkerung in Westkasachstan, vor allem die Kinder, sehr aufdringlich sein sollen und auch gerne mal etwas stehlen, daher sind wir in dieser Hinsicht etwas nervös. Entgegen all unseren Befürchtungen sind die Menschen und auch die Kinder jedoch alle sehr nett. Die Leute sind zwar interessiert an unseren Bikes, da man so etwas in Kasachstan wohl nicht sehr oft sieht, wollen alles anfassen und haben viele Fragen, doch wir haben nie das Gefühl, dass die Leute aufdringlich und unangenehm sind oder uns gar etwas stehlen wollen!

 

 

Die Nachwuchs Biker - Kasachische Kinder begutachten aus sicherer Entfernung unsere bepackten Reisegefährten.

 

 

Das einzige, was uns wirklich zu schaffen macht, ist die Hitze. Hier in Südkasachstan ist die Landschaft sehr karg. Riesige Weiten erstrecken sich rechts und links der Straße, doch es gibt keinen Baum, keinen Strauch der uns bei unseren unzähligen Trinkpausen etwas Schatten spenden könnte. Noch nicht einmal unsere "geliebten“ Busshäuschen sind hier zu finden.

 

 

 

 

Total verschwitzt erreichen wir am frühen Nachmittag Atyrau, wo wir an einer Tankstelle nicht nur unsere beiden Bikes auftanken, sondern uns im Shop erst einmal ein paar Liter kühles Wasser besorgen. Das tut gut! :-)


Auch an der Tankstelle stehen wir schnell im Mittelpunkt. Alle Leute wollen Fotos von den Mopeds machen, haben Fragen über das Tankvolumen, die Anzahl der Zylinder und die mögliche Höchstgeschwindigkeit... wir kommen uns schon fast vor wie irgendwelche Berühmtheiten. Wie lustig! :-) Plötzlich spricht uns ein älterer Herr auf Deutsch an. Er erzählt uns, dass er über 10 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat und vor einiger Zeit nun wieder zurück nach Kasachstan gekommen ist. Er lädt uns spontan zu einem Tee bei sich zuhause ein und da er einen recht sympathischen Eindruck auf uns macht und wir eh schon ziemlich k.o. sind, nehmen wir sein Angebot dankend an.

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So folgen wir Viktor in die Innenstad von Atyrau, wo er zusammen mit seiner Familie ein schmuckes Einfamilienhaus bewohnt. Schon von weitem ist zu erkennen, welches der Häuser ihm gehört, denn in der Einfahrt parkt ein BMW X 5. Ja, man merkt, dass Viktor einige Zeit in Deutschland gelebt hat… :-)

 

Eigentlich wollten wir nach einer kurzen Tee-Pause gleich weiter fahren, da es erst früher Nachmittag ist und wir heute noch ein paar Kilometer Richtung Aqtöbe schaffen wollten, aber Viktor bietet uns an, die Nacht in seinem Haus zu verbringen, erst mal eine kühle Dusche zu nehmen, etwas zu Essen und später will er uns noch die Stadt zeigen. Na da sagen wir doch nicht nein! :-)

 

 


Später will er uns noch die Stadt zeigen. Na da sagen wir doch nicht nein


 

 

So parken wir die Motorräder erst mal im Innenhof, nehmen eine kühle Dusche und verstauen unsere Sachen im Fitnessraum der Familie im Keller, der für diese Nacht unser Schlafzimmer ist. Da der Raum im Keller liegt, herrschen hier angenehm kühle Temperaturen. Wir sind begeistert! Danach gibt es erst einmal lecker Essen für uns. Viktor kocht extra Nudeln und eine Art Fleischpflänzchen für uns. Sehr lecker!

 

 

Kasachstan empfängt uns mit Neugier und großer Gastfreundschaft

 

 

Nach einer Stadtrundfahrt geht es weiter zu Vikotors Datscha. In einem kleinen Vorort von Atyrau hat die Familie einen kleinen Garten, in dem sie verschiedenes Gemüse, Obst und Kartoffeln anbauen. Zwei usbekische Angestellte betreuen den Garten und leben sogar das ganze Jahr über in der Datscha. Es sieht alles sehr einfach aus und wir können uns nicht vorstellen, wie man in dem kleinen Häuschen ohne Wasser oder Strom leben soll, aber der freundliche Usbeke scheint glücklich zu sein, hier Arbeit und einen Schlafplatz gefunden zu haben.

 

 

 

 

Auch das ist sehr interessant für uns. In Deutschland werden viele Osteuropäer beschäftigt, da ihr Lohnnivea deutlich unter dem der Deutschen liegt aber auch in Osteuropa gibt es dieses Lohngefälle. Viktor erklärt uns, dass in Kasachstan sehr viel Usbeken und Menschen aus anderen Ländern der Stans arbeiten, da sie für kasachische Verhältnisse billige Arbeitskräfte sind. Viktor erntet für uns unzählige Gurken, Paprika, Schnittlauch, Radieschen und Dill, den er uns für den nächsten Tag als Reiseproviant mitgeben will. Wir sind begeistert!


Nach dem Besuch auf der Datscha geht es dann noch zu einem weiteren Highlight in der Umgebung von Atyrau. Wir fahren zum Ural. Dieser knapp 2.500 km lange Fluss entspringt, wie es der Name schon verrät, im russischen Ural-Gebirge und fließt über Russland und Kasachstan bis zum kaspischen Meer. Da es trotz fortgeschrittener Uhrzeit noch recht schwül ist, nutzen wir die Gelegenheit zu einem kleinen Bad im Fluss. Herrlich!

 

 

 

 

Wir sind allerdings echt froh, dass wir in Viktors Auto unterwegs sind, denn die Straßen hier in den kleineren Ortschaften sind echt schlecht. Viktor rumpelt so über die Pisten, dass das Auto etliche Male recht unsanft mit der Bodenplate auf einer der unzähligen Bodenwellen aufsetzt oder einer der Stoßdämpfer bis zum Anschlag einfedert, so dass es grad so rumpelt.

 

 


Den Abend verbringen wir dann entspannt bei einer Flasche Bier in Viktors Haus


 

 

Den Abend verbringen wir dann entspannt bei einer Flasche Bier in Viktors Haus. Zum Bier gibt es einen typisch kasachischen Snack: Trockenfisch. Diese kleinen getrockneten Fische kann man in jedem Shop kaufen. Sie sind in Tüten abgepackt und werden in Kasachstan als Knabbergebäck verkauft. Wiedererwartend sind die Dinger tatsächlich echt lecker und so verdrücken wir (bzw. Helle) zusammen mit Viktor gleich 2 Tüten dieser Fische!

 

 

 

 

Ausgestattet mit einem reichlichen Lunchpaket brechen wir am Morgen auf Richtung Aqtöbe. Viktor hatte uns eigentlich geraten über Oral zu fahren, das sind zwar ca. 300 km Umweg, aber die Straße nach Ural und von dort nach Aqtöbe ist laut Viktor sehr gut. Die direkte Verbindung von Atyrau nach Aqtöbe soll wohl sehr, sehr schlecht sein. Leider entscheiden wir uns entgegen Viktors Ratschlag für die kürzere Strecke, da wir Zeit sparen wollen und eigentlich keine Lust auf 300 km Umweg haben und sooo schlecht wird die Strecke ja wohl nicht sein (dachten wir).


So fahren wir die ersten gut 100 km recht entspannt dahin, staunen etwas über LKW´s, die abseits der Straße über die Sandpiste ackern und wundern uns schon, was Viktor eigentlich hat, die Straßen sind doch super hier!

 

Doch wie heißt ein deutsches Sprichwort so schon „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ denn nach dem Ort Makat können wir einfach keine Straße mehr entdecken. Wir fragen die Einheimischen, denn vielleicht haben wir uns einfach nur verfahren. Einer von Ihnen ist so nett voraus zu fahren und uns den Weg durch die Stadt und Richtung Aqtöbe zu zeigen, doch was wir dann sehen, kann eigentlich nur ein schlechter Scherz sein. Die „Straße“ von Makat nach Aqtöbe führt uns die nächsten paar Kilometer erst mal über eine Schotter- dann Sandpiste und als wir denken, es kann eigentlich nicht schlimmer kommen, wechselt das Ganze in eine Buckelpiste erster Klasse. Einen halben Meter tiefe Wellen reihen sich aneinander und das Fahren mit unseren schwer bepackten Kisten wird wirklich zur Qual.

 

 

 

 

Wir fragen den Einheimischen, ob die gesamte restliche Strecke bis Aqtöbe, weitere 500 km, auch so eine Buckelpiste ist und so wie wir ihn verstehen, ist seine Antwort Ja. Wir überlegen hin und her, was wir machen sollen, schließlich sind wir mittlerweile ca. 150 km auf der Strecke unterwegs, die wir wieder zurück nach Atyrau fahren müssen, wenn wir nun umkehren. Aber nach einiger Überlegung entschließen wir uns tatsächlich dazu, den ganzen Weg wieder zurück zu fahren, da die Piste hier einfach unfahrbar für unsere Mopeds ist. Ziemlich angefressen quälen wir uns also bei über 50 Grad Außentemperatur und einem Sandsturm den ganzen Weg wieder zurück auf die Asphaltstraße und dann weiter nach Atyrau. Durch unsere tolle "„Abkürzung“ verlieren wir nun also einen ganzen Tag. Das haben wir wirklich toll hin gekriegt! :-/


 

 

Ziemlich angefressen und geschafft von der schlechten Piste und den heißen Temperaturen düsen wir nun also doch nach Norden Richtung Oral. Am Abend suchen wir uns ein Plätzchen zum Wildcampen an einem kleinen See. Wir müssen unbedingt „duschen“ da wir total durchgeschwitzt sind. Zur Krönung des Tages legt Bea ihre Rosi auf dem Weg zum See auch noch zwei Mal ab, aber außer einer kleinen Delle auf jeder Seite des Koffers ist Gott sei Dank nichts passiert.

 

 

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