Reifen EXTREM - Der große 155.000 km Test

Stand November 2016

100.000 km - Der große Motorradreifen Langzeittest

Wenige Themen werden unter Motorradfahrern so intensiv diskutiert wie die Wahl des richtigen Reifens. Während der Sportler ein Profil glatt wie ein Baby Popo haben will, wünscht sich der Motocrosser Profilspalten so breit wie der Grand Canyon. Eines aber haben sie alle gemeinsam: Sie wollen maximalen Gripp in jeder Lebenslage. Motorradreisende wie wir stellen darüber hinaus aber auch noch andere Ansprüche an unsere Reifen. Natürlich steht auch bei uns der Gripp im Vordergrund, doch genauso wichtig ist die Vielseitigkeit bezüglich des Untergrunds, die Laufleistung und der Preis.

 

Da wir auf einer Langzeitreise wahrscheinlich mehr Gepäck (ca. 50 - 60 kg je Motorrad) herum fahren, als der gemeine Urlaubsreisende und unser Fahrtempo relativ gemäßigt (auf guten Straßen 80 - 100 km/h) und gleichmäßig ist, können unsere Erfahrungswerte nicht eins zu eins auf jeden anderen Motorradtyp und Fahrer übertragen werden. Trotzdem sollen euch unsere Langzeiterfahrungen einen Anhaltspunkt geben und euch bei der Wahl eurer nächsten Reifen weiter helfen.

 

In diesem Sinne: Rubber Side Down!



Schläuche

Heidenau Kautschuk Schlauch - Extra Dick

Wir verwenden seit Reisebeginn die extra dicken Schläuche von Heidenau. Diese sind äußerst robust und bieten, weil aus Naturkautschuk hergestellt, ein Plus an Sicherheit, da sie beim Durchstechen angeblich nicht platzen sollen. Unsere beiden Motorräder sind jeweils seit circa 100.000 km immer noch auf den selben Schläuchen unterwegs und wir hatten in dieser Zeit je nur einen Platten vorne und hinten. Diese Leistung spricht für sich.... oder wir hatten einfach nur Glück! Altersbedingt wird es allerdings langsam Zeit, sie zu ersetzen.



Continental TKC 80

Reifenlangzeittest Continental TKC 80

Kaufentscheidung:

Den TKC 80 von Continental kennen wir bereits aus unserer Motorradzeit vor der Reise. Ein grundsolider Reifen, der trotz seines groben Profils auch auf Teer eine erstaunlich gute Haftung an den Tag legt. Sehr negativ ist uns allerdings schon damals die starke Pendelneigung speziell mit beladenen Bikes aufgefallen. Mangels vergleichbarer Alternativen haben wir den Conti in Adelaide/Australien erneut aufgezogen.

  Vorderreifen Hinterreifen
Reifenhersteller: Continental Continental
Modell: TKC 80 TKC 80
On- /Offroad-Eignung: 50/50 % 50/50 %
Getestete Reifengrößen:  90/90 - 21  130/80 - 17 bzw. 140/80 - 17
Preis/Besonderheiten:  62 € (GER) 81 € bzw. 107 € (GER) - Größere Stollen beim 140er
Profiltiefe (Neu): 9 mm 11 mm
Gefahrener Luftdruck (on- bzw. offroad): 2,4 bar - 1,4 bar 2,9 bar - 2,0 bar
Reifen gewechselt bei Kilometer: ca. 15.000 km ca. 8000 km (130er) & ca. 9.000 km (140er)
Profiltiefe (verschlissenste Stelle): 0 mm 0 mm
M&S Kennung: Ja Ja

Unsere Erfahrungen:

 

Positiv:

  • gute Nass- sowie sehr gute Trockenhaftung auf Asphalt
  • gute Offroad Qualitäten
  • gute Notlaufeigenschaften

Negativ:

  • Vorderreifen neigt bei zunehmender Laufleistung speziell mit Beladung zu starkem Pendeln
  • vergleichsweise lautes Abrollgeräusch

 Fazit:

Der Conti macht sowohl auf kurvigen Straßen als auch im Gelände eine sehr gute Figur, nur bei Geschwindigkeiten über 110 km/h hat sich bei uns ein gefährliches Pendeln eingestellt, das wir so noch von keinem anderen Reifen kennen. Die Laufleistung geht in Ordnung, dennoch gibt es hier für uns bessere Alternativen.

 



Heidenau K60 Scout


Kaufentscheidung:

Unser erster Satz Heidenau K60 Scout wurde uns zu unserer Abfahrt in Deutschland von Heidenau inkl. neuen Schläuchen gesponsert. Da dies unsere ersten Erfahrungen mit Heidenau waren, wussten wir nicht, was wir von diesem Reifen erwarten konnten. Da wir inzwischen je Motorrad 3 Sätze K60 Scout gefahren sind, geben wir in der nachfolgenden Tabelle einen Durchschnittswert für die gefahrenen Kilometer pro Reifen an. Der 130er Hinterreifen ohne den durchgehenden Mittelsteg schafft im Schnitt ca. 1.000 km weniger Laufleistung wie der 140er mit besagtem Mittelsteg.

  Vorderreifen Hinterreifen
Reifenhersteller: Heidenau Heidenau
Modell: K60 Scout K60 Scout
On- /Offroad-Eignung: 60/40 % 60/40 %
Getestete Reifengrößen:  90/90 - 21  130/80 - 17 bzw. 140/80 - 17
Preis/Besonderheiten: 60 € (GER) 82 bzw. 97 € (GER) - Mittelsteg erst ab 140/80 - 17
Profiltiefe (Neu): 6 mm 11 mm
Gefahrener Luftdruck (on- bzw. offroad): 2,4 bar - 1,4 bar 2,9 bar - 2,0 bar
Reifen gewechselt bei Kilometer: über 22.000 km über 20.000 km (140er)
Profiltiefe (verschlissenste Stelle): 1 mm 0 mm
M&S Kennung: Ja Ja

Unsere Erfahrungen:

 

Positiv:

  • Läuft vergleichsweise ruhig
  • Sehr stabil, zeigt trotz Beladung keinerlei Anzeichen zum Pendeln
  • gute Nass- sowie sehr gute Trockenhaftung auf Asphalt
  • ausreichende Offroad Qualitäten 
  • sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis
  • sehr gute Notlaufeigenschaften, da sehr steif

Negativ:

  • Vorderreifen läuft mit zunehmender Laufleistung (> 15.000 km) unruhig
  • Rissbildung bei den ersten 140er Hinterreifen, lt. Heidenau allerdings bedenkenlos

 Fazit:

Nach mittlerweile gut 100.000 km um die Welt auf verschiedenen Reifenmodellen von verschiedenen Herstellern hat sich der Heidenau K60 Scout als unser klarer Reifen-Favorit herausgestellt. Inzwischen haben wir je Motorrad 3 Sätze des K60 Scout gefahren und wann immer möglich, versuchen wir diesen auch unterwegs zu bekommen. Und nein, wir bekommen sie unterwegs nicht gesponsert! :-)

 

Der Heidenau K60 Scout ist für uns die eierlegende Wollmilchsau was Handling, Laufleistung, Preis und Vielseitigkeit angeht. Nicht umsonst sind etwa 80 % der Reisenden, die wir unterwegs treffen, ebenfalls auf K60 Scout unterwegs.

 



Mitas E-10 / E-09 Dakar


Kaufentscheidung:

Die Mitas-Kombination haben wir für unsere Route durch Paraguay, Bolivien und Peru aufgezogen, da sie einen hohen Offroad-Anteil hatte. Ein richtig grobstolliger Reifen ist zwar in den seltensten Fällen wirklich notwendig, wir waren jedoch neugierig, in wie weit sich ein vernünftiger Grobstoller von unseren bisher gefahrenen Reifen (z.B. K 60 Scout) unterscheidet.

  Vorderreifen Hinterreifen
Reifenhersteller: Mitas Mitas
Modell: E-10 E-09
On- /Offroad-Eignung: 30/70 % 30/70 %
Getestete Reifengrößen:  90/90 - 21  140/80 - 17
Preis/Besonderheiten: 57 € (GER) - Dakar
67 € (GER) - Dakar Version
Profiltiefe (Neu): 7 mm 12 mm
Gefahrener Luftdruck (on- bzw. offroad): 2,4 bar - 1,4 bar 2,9 bar - 2,0 bar
Reifen gewechselt bei Kilometer:  7.505 km 12.381 km
Profiltiefe (verschlissenste Stelle): 0 mm 1,8 mm
M&S Kennung: Ja Ja

Unsere Erfahrungen:

 

Positiv:

  • sehr stabil, Vorderreifen zeigt keinerlei Anzeichen zum Pendeln trotz Beladung
  • gute Trockenhaftung
  • sehr hohe Durchschlagsfestigkeit und Notlaufeigenschaften, da sehr steif
  • sehr gute Offroad Qualitäten (speziell Matsch & Sand)
  • günstig (Deutschland)

Negativ:

  • hoher Verschleiß (speziell am Vorderreifen)
  • schlechte Nasshaftung
  • bauartbedingt hohes Abrollgeräusch
  • extrem schwer zum Auf- bzw. Abmontieren

Fazit:

Der Mitas hat uns speziell im Gelände sehr gut gefallen. Der stabilste Reifen abseits befestigter Straßen, den wir bisher auf den Transalps gefahren sind. Auch die Straßenleistungen sind in Ordnung, nur bei Nässe fängt sowohl der E-09 als auch der E-10 schnell zu rutschen an. Die Laufleistung des E-09 kann sich für einen derartigen Grobstoller (und hinsichtlich des Preises) ebenfalls sehen lassen. Etwas enttäuscht waren wir in dieser Hinsicht allerdings beim Vorderreifen, der unserer Meinung nach doch relativ früh runter gefahren war. Wären wir den Hinterreifen ebenfalls bis ans Limit gefahren, hätte dieser wohl doppelt solange wie der Vorderreifen durchgehalten.

 



Metzeler Sahara Enduro 3 - Michelin Sirac


Kaufentscheidung:

Die Metzeler-Michelin-Kombination haben wir, wie so oft auf Reisen, aus Kosten- bzw. Verfügbarkeitsgründen in Bogota/Kolumbien aufgezogen. Als Alternative wäre zwar auch der Heidenau K60 Scout verfügbar gewesen, allerdings zu mehr als dem doppelten Preis (pro Satz ca. 300 €), was es uns dann doch nicht wert war.

  Vorderreifen Hinterreifen
Reifenhersteller: Metzeler Michelin
Modell: Sahara Enduro 3 Sirac
On- /Offroad-Eignung: 70/30 % 80/20 %
Getestete Reifengrößen:  90/90 - 21  130/80 - 17
Preis/Besonderheiten: 76 € (GER) 89 € (GER)
Profiltiefe (Neu): 5 mm 9 mm
Gefahrener Luftdruck (on- bzw. offroad): 2,4 bar - 1,4 bar 2,9 bar - 2,0 bar
Reifen gewechselt bei Kilometer: 10.984 km 10.984 km
Profiltiefe (verschlissenste Stelle): 2,5 mm 2 mm
M&S Kennung: Nein Nein

Unsere Erfahrungen mit dem Metzeler Sahara Enduro 3:

 

Positiv:

  • gute Nass- sowie Trockenhaftung auf Asphalt
  • ausreichende Offroad Qualitäten
  • Verhälnismäßig leicht zum Auf-/Abmontieren

Negativ:

  • schlechtes Preis-/Leistungsverhältnis
  • Vorderreifen läuft bereits im Neuzustand sehr unruhig, neigt aber nicht zum Pendeln
  • kaum Gefühl für das Vorderrad vorhanden
  • hoher Verschleiß (im Vergleich zu Mitbewerbern mit ähnlichem Profil)
  • geringe Notlaufeigenschaften

Fazit:

Obwohl sein Name viel verspricht, würden wir den Metzeler Sahara Enduro 3 nicht wieder kaufen. Der mit Abstand schlechteste Vorderreifen in unserem Test. Neigt bereits im Neuzustand zu einem sehr unruhigen Lauf (freihändig Fahren absolut unmöglich), was sich mit zunehmender Laufleistung noch verschlechtert. Kaum Gefühl für das Vorderrad vorhanden, deswegen sehr unsicheres Fahrgefühl. Trotz dieses unruhigen Laufs neigt der Reifen nicht zum Pendeln. Aufgrund dieser Faktoren haben wir den Reifen frühzeitiger als sonst gewechselt.

 

Unsere Erfahrungen mit dem Michelin Sirac:

 

Positiv:

  • läuft sehr ruhig
  • gute Nass- sowie sehr gute Trockenhaftung auf Asphalt
  • sehr leicht zum Auf-/Abmontieren

Negativ:

  • schlechtes Preis-/Leistungsverhältnis
  • mäßige Offroadqualitäten
  • keine Notlaufeigenschaften
  • höherer Verschleiß im Vergleich zu einigen Kontrahenten

Fazit:

Der Michelin Sirac zählt ebenfalls zu den Straßen-Touringreifen, der nichts schlecht aber auch nichts wirklich gut kann. Haftung auf Asphalt sowohl bei Trockenheit als auch Nässe waren in Ordnung. Offroad ist er allerdings überhaupt nicht zu empfehlen, da neben dem straßenorientierten Profil auch seine Karkasse extrem weich ist, was sich bereits bei leicht reduziertem Luftdruck im Gelände sehr schwammig anfühlt. Die Notlaufeigenschaften sind zudem so gering, dass wir Bea´s Motorrad nach einem Platten keinen Meter mehr bewegen konnten. Ansonsten war der Reifen eher unauffällig.

 



Continental TKC 70


Kaufentscheidung:

Den neuen Continental TKC 70 haben wir in Arizona/USA aufgezogen, da der ursprünglich gewünschte Reifentyp (Mitas E 07) in absehbarer Zeit in Phoenix nicht aufzutreiben gewesen wäre. Der Conti sieht vom Profil her dem Michelin Sirac sehr ähnlich und ist wohl mehr als Straßen-Touringreifen zu sehen. Wie üblich werden wir ihn aber auch durchs Gelände scheuchen und auf Herz und Nieren testen.

  Vorderreifen Hinterreifen
Reifenhersteller: Continental Continental
Modell: TKC 70 TKC 70
On- /Offroad-Eignung: 80/20 % 80/20 %
Getestete Reifengrößen:  90/90 - 21  140/80 - 17
Preis/Besonderheiten: 70 € (GER) 120 € (GER)
Profiltiefe (Neu): 7 mm 9,5 mm
Gefahrener Luftdruck (on- bzw. offroad): 2,4 bar - 1,4 bar 2,9 bar - 2,0 bar
Reifen gewechselt bei Kilometer: 13.080km 13.080 km
Profiltiefe (verschlissenste Stelle): 1,8 mm 0 mm
M&S Kennung: Ja Ja

Unsere Erfahrungen mit dem Continental TKC 70:

 

Positiv:

  • sehr gute Nass- sowie Trockenhaftung auf Asphalt
  • sehr stabil; Vorderreifen zeigt keinerlei Anzeichen zum Pendeln trotz Beladung
  • sehr leise und ruhig

Negativ:

  • mäßiges Preis-/Leistungsverhältnis
  • Vorderreifen fühlt sich auf den ersten 500 km sehr gewöhnungsbedürftig an
  • Hoher Verschleiß am Hinterrad bei zunehmender Laufleistung

Fazit:

Der Continental TKC 70 ist ein relativ neuer Reifen im Adventure-Segment und soll die Lücke zwischen seinem deutlich offroad orientierterem großen Bruder, dem TKC 80 und dem Conti TrailAttack schließen.

 

Auf Asphalt macht der Reifen eine sehr gute Figur, wenngleich der Vorderreifen auf den ersten 500 km ein sehr unsicheres Fahrgefühl vermittelt und deshalb etwas gewöhnungsbedürftig ist. Danach glänzt der Reifen mit dem besten Grip all unserer Testkandidaten und extrem ruhigem Laufverhalten sowohl im Trockenen als auch bei Nässe. Auch die Stabilität bei höheren Geschwindigkeiten mit Beladung ist vorbildlich.

 

Continental gibt die Asphalt-/Offroad-Eignung des TKC 70 mit 60 zu 40 % an. Wir können diese Aussage nicht ganz unterschreiben und würden die Angabe profilbedingt wesentlich mehr in Richtung Asphalt korrigieren.

Auf Pisten mit festem Untergrund macht der Neuling zwar noch eine durchaus gute Figur, sobald aber loses Gestein, Sand oder Schlamm hinzukommen, geht schnell der Grip und das Gefühl für den Reifen verloren.

Auffallend ist zudem, dass der Hinterreifen bei zunehmender Laufleistung extreme Verschleißerscheinungen aufweist und zuletzt mehr einem Rennstrecken-misshandelten Reifen von Valentino Rossi´s Moto GP Bike glich, als dem eines 50 PS „schwachen“ Reisedickschiffs. Und das bei korrektem Luftdruck und im Touringfahrmodus!

Der Hinterreifen hatte daher bereits nach ca. 10.000 km den legalen Bereich hinter sich gelassen, was uns angesichts des doch eher straßenorientierten Profils etwas enttäuscht hat.

Verschleißbild Continental TKC 70

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