Mit plattem Reifen im Outback


Reisebericht Australien



Einreise & Motorradimport:

Detaillierte Infos zu Einreisebestimmungen sowie zum temporären Fahrzeugimport findest du in unseren Länderinfos & Reisetipps Australien

 

Route:
Winton - Longreach - Barcaldine - Anakee - Sapphire - Emerald - Blackwater - Dululu

 

Die Route auf der Google Karte dient der Übersicht und zeigt im Großen und Ganzen unsere gefahrene Strecke, im Detail kann es aber zu Abweichungen kommen.

Gefahrene Kilometer von Burghausen: 

37.059 Km

Spritpreis: 

1,10 € (E10/ 91 Oktan)
         
Währung: 

Australischer Dollar

Probleme mit den Motorrädern:
- Platter Hinterreifen (Dicke Rosi)
- Rechten Spiegel ersetzt (Dicke Rosi)
 
Stürze/ Umfaller: -

Gesundheit/ Verletzungen: -


 

 

Am nächsten Abend schlagen wir unser Zelt auf einer Rest Area etwas außerhalb von Barcaldine auf. Während Helle schon mal Feuerholz für unser abendliches Lagerfeuer besorgt macht Bea einen Ausflug zum nahegelegenen örtlichen Friedhof, auf dem sich einige historische, durch Regen und Sonne teilweise schon stark verwitterte Grabsteine befinden, die dadurch einen ganz besonderen, wenn auch leicht gruseligen Charme versprühen.

 

Trotz strahlend blauem Himmel und Sonnenschein beginnt der nächste Morgen relativ frisch. Man merkt, dass es Herbst wird in Queensland. So beschließen wir es heute etwas gemütlicher anzugehen, kochen uns eine zweite Tasse heißen Kaffee und nutzen die die Ortsnähe um unsere Emails zu checken und eine „Hallo! Ja wir leben noch!“-Email an unsere Eltern abzuschicken. Wir beschließen für 2 Nächte in dem 500 Seelen Ort Sapphire mitten im Outback von Queensland zu bleiben. Ihr fragt euch jetzt sicher, was es in diesem Kaff zu sehen gibt? Na ganz einfach: Saphire natürlich!

 

 

 

 

Sapphire liegt zusammen mit einigen anderen kleine Städten in einem Gebiet das „The Gemfields“ – zu Deutsch „das Edelsteinfeld“ – genannt wird und in dem, wie der Name schon sagt, Edelsteine abgebaut werden. Auch Helle will sein Glück versuchen und kauft sich im örtlichen Kramerladen eine Edelstein-Schürf-Lizenz. Ausgerüstet mit dieser offiziellen Grabungserlaubnis sowie seinem Klappspaten macht er sich auf den Weg zu einem ausgetrockneten Flussbett, in dem er sein Glück versuchen will. Bea hingegen hat keine Lust auf das ihrer Meinung nach sinnlose Gebuddel und verbringt den Tag lieber mit relaxen und ein wenig Computerarbeit. Außerdem bekommt sie die Möglichkeit, einige Wallabys, manche sogar mit Baby im Beutel, sowie einige der farbenfrohen Lorikets aus nächster Nähe zu beobachten.

 

 

 

 

Als Helle am Abend zurück auf den Zeltplatz kommt, hat er zwar keinen einzigen Saphir gefunden, dafür hatte er auf seinem Ausflug eine Begegnung der eher tierischen Art! Als er gerade aus der Tankstelle kommt und wieder auf sein Motorrad aufsteigen will, bemerkt er, wie eine etwa Handteller große Spinne unter der Seitenverkleidung hervor krabbelt und es sich auf seiner Sitzbank bequem macht! Nachdem er seinen Schreck überwunden hatte, erkundigt sich Helle bei einem Einheimischen, ob die Spinne denn gefährlich sei, doch der gibt Gott sei Dank Entwarnung. Bei dem Monster handelt es sich lediglich um eine ungiftige Huntsman Spinne. Trotzdem ist Helle das behaarte Riesentier nicht ganz geheuer und so buxiert er es mit Hilfe eines Steckens in die nächstgelegene Wiese.

 

 


Auf Edelstein Suche in Sapphire


 

 

Als wir am nächsten Morgen in der Campküche sitzen und uns einen Kaffee kochen, kommen wir mit einem älteren Herrn ins Gespräch. Er erzählt uns, dass er schon seit Jahren jedes Jahr mehrmals nach Sapphire kommt um hier des Spaßes halber nach Edelsteinen zu schürfen. Nach einiger Zeit packt er dann sogar ein kleines Tütchen mit seinen Errungenschaften der letzten Tage aus. Helle ist gleich total begeistert und studiert die kleinen leicht bläulich bis violett schimmernden Saphire ganz genau.

 

Das definitive Highlight des heutigen Tages ist jedoch der Himmel, der in einem merkwürdigen Sonne-Wolken-Mix erstrahlt und den rauen Asphalt unter unseren Reifen in leuchtendem Silber schimmern lässt.

 

 

 

 

Am späten Nachmittag passiert es dann allerdings. Gerade, als wir aus einem kleinen Örtchen heraus fahren, bemerkt Bea, dass sich ihr Motorrad irgendwie total schwammig anfühlt. Zuerst denkt sie, es kommt vom schlechten, extrem rilligen Straßenbelag. Doch das schwammige Gefühl wird von Meter zu Meter stärker und irgendwann hat sie das Gefühl, dass das Hinterteil der „Dicken Rosi“ total zu eiern anfängt und so ist sie gezwungen ihr Motorrad im Straßengraben anzuhalten. Helle bekommt davon natürlich mal wieder nichts mit und braust davon.

Bea:
Als ich absteige und mein Motorrad etwas genauer unter die Lupe nehme ist der Schuldige für das komische Fahrverhalten meines Bikes schnell gefunden. Der Hinterreifen ist auf einer Länge von gut 20 cm total durch und das weiß der Karkasse lacht mit an. Na super, ein platter Reifen hatte gerade noch gefehlt! Bloß gut, dass nicht mehr passiert ist. Jetzt ist aber erst einmal warten angesagt. Und warten. Und warten. Zwischendurch ziehe ich mir meine Motorradjacke aus und genehmige mir einen kräftigen Schluck lauwarmes Wasser aus meiner Trinkflasche. Dann noch ein bisschen mehr warten… Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis Helle auf seinem „Alperer“ wieder heran gebraust kommt, schwungvoll auf der Straße wendet und hinter mir im Straßengraben zum Stehen kommt. Als er seinen Helm abnimmt und ich seinen „wo zum Geier steckst denn du schon wieder?“-Blick sehe, zucke ich nur unschuldig mit den Schultern und verweise mit leicht bedröppelter Miene auf meinen Hinterreifen.

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Helle:
Da wir an diesem späten Nachmittag noch gut 100 km schaffen wollen, fahre ich relativ zügig voraus und stelle erst nach einer Weile etwas entnervt fest, dass Bea wieder mal nicht da ist. Zuerst probiere ich es mit langsam fahren… und noch langsamer fahren… und noch langsamer…  doch von Bea keine Spur. Na gut, dann warte ich eben. Aber auch nach gut 5 Minuten warten taucht Bea nicht im Rückspiegel auf und so beschließe ich umzudrehen und der Sache auf den Grund zu gehen. Mittlerweile dann doch etwas besorgt fahr ich ein gutes Stück zurück, bis ich sie zu meiner Erleichterung am Straßenrand stehen sehe. "Mensch, uns pressiert´s und die macht Pause!" war mein erster Gedanke. Erst nachdem ich ihr Motorrad etwas genauer betrachte stelle ich entrüstet fest, dass unser guter Heidenau Hinterreifen sein Leben nach "nur" 20.000 km Laufleistung ausgehaucht hat und zwar so, dass auch der Schlauch sein Leben lassen musste. Ich überlege kurz unsere Optionen, welche sich aber eigentlich nur auf eine beschränken: ein neuer Reifen muss her, denn weder flicken noch Schlauch wechseln würde hier etwas ändern. Na prima!


Da wir im letzten Ort eine Rest Area erspäht hatten, beschließen wir umzukehren und die gut 10 km zurück in den Ort zu fahren. Wiedererwartend ist die „Dicke Rosi“ trotz plattem Reifen relativ gut zu fahren und so kriechen wir mit circa 30 km/h zurück in den letzten Ort und schlagen auf der dortigen Rest Area unser Nachtlager auf. Mit plattem Hinterreifen geht bekanntlich nichts mehr und so müssen wir heute auf der „idyllischen“ Rest Area des kleinen Örtchens Dululu einen Zwangsstopp einlegen.

 

 

 

 

Und während Bea sich den nächsten Tag auf der Rest Area mit Reisetagebuch schreiben und lesen vertreibt, macht sich Helle mit Bea´s ausgebautem Hinterreifen im Gepäck auf ins knapp 100 km entfernte Rockhampton, um dort auf Reifensuche zu gehen. Immer wieder kommen andere Camper vorbei und fragen Bea, ob sie Hilfe braucht, nachdem sie so mutterseelenalleine neben einem Motorrad ohne Reifen sitzt. Nachdem ihnen Bea aber mehrmals versichert hat, dass sie guter Hoffnung ist, dass Helle schon irgendwann wieder mit neuen Reifen für ihr Bike auftauchen wird, sind die hilfsbereiten Camper beruhigt.

 

Wollen wir mal hoffen, das Helle die Gelegenheit nicht genutzt und sich aus dem Staub gemacht hat. Es ist schon später Nachmittag – Bea zweifelt schon langsam ob ihr Vertrauen auch wirklich gerechtfertigt ist - als Helle endlich aus Rockhampton zurück kommt. Seine Reifenausbeute ist leider relativ mau. Er hatte insgesamt vier Motorradhändler abgeklappert aber keiner hatte entsprechende Reifen in der Größe wie wir sie für unsere Motorräder brauchen, auf Lager. Schlussendlich entschied er sich für einen gebrauchten Satz Dunlop Trial für stolze 150 Australische Dollar. Na mal schauen, ob die etwas taugen.

 

 

 

 

Da wir nicht noch einen Tag auf der Rest Area verbringen wollen, werden die Reifen noch am Abend wieder eingebaut, damit es Morgen früh weiter gehen kann.

Dass Helle kurzerhand das überdachte BBQ-Häuschen der Rest Area zu seiner Werkstatt umfunktioniert hat, stört die scheinbar völlig tiefenentspannten Australier überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, ein netter Herr, der sich grade ein paar Würstchen brät, während Helle nur wenige Meter neben ihm noch fleißig an der „Dicken Rosi“ herum schraubt, hat eher Mitleid mit uns und bietet uns sogar ein paar seiner Würstchen an. Man stelle sich das mal in Deutschland vor! Aber so sind sie halt, die Australier. Einfach klasse!

 

 

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