Neuseeland 6 - Der Berg ruft!

Da heute Montag ist und Ina und Chris somit wieder zur Arbeit müssen und auch wir noch einiges zu erleidigen haben, stürzen auch wir uns heute wieder in unsere Aufgaben.

Bea muss unser Reisetagebuch aktualisieren, bereitet gleich noch einen neuen Reisebericht vor und ist mal wieder in Sachen Verschiffung aktiv, da wir hier noch nicht wirklich vorangekommen sind. Helle hingegen muss das Vorderrad seines „Alperer´s“ ausbauen, weil es beim Fahren ziemlich schlägt und er deshalb den Reifen drehen und wuchten will. 

Außerdem muss der rechte Seitenkoffer der „Dicken Rosi“, der seit dem Kopfüber-Parkmanöver vor einer Woche eine ganz schön fette Delle hat, noch ausgebeult werden und einer der Heizgriffe der „Dicken Rosi“ ist ebenfalls locker und muss geklebt werden. Nein, die Arbeit geht uns definitiv nicht aus… :-)

 

Den Abend verbringen wir zusammen mit Ina und Chris, deren – ebenfalls deutschen - Mitbewohnerin Karin sowie Nina, einer weiteren jungen Deutschen Motorradfahrerin (www.motorradfamilie.kaitinnis.de), die Helle vor ein paar Tagen in einem Motorradladen getroffen hat und die nun ebenfalls bei Chris und Ina untergekommen ist.




 Heute geht es zusammen mit Ina und Chris, Nina und dem englischen Reisenden Chris, der ebenfalls für ein paar Tage bei Ina und Chris untergekommen ist, auf die Banks Peninsula, denn dort finden heute Festlichkeiten im Rahmen des neuseeländischen „Waitangi Day“ statt.

 

Da Chris mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss er sich zusammen mit Helle auf den „Alperer“ quetschen, was für beide äußerst eng und unbequem ist. Die Fahrt dorthin macht dank weißblauem Himmel, einer kurvigen Strecke und herrlichen Aussichten auf den Akaroa Hafen richtig Spaß.


 In Okains Bay angekommen wimmelt es nur so von Touristen und Einheimischen und die Schlange an der Essensausgabe fürs Hāngi ist auch schon ganz schön lang und so beschließen wir, uns auch erst mal was zu Futtern zu besorgen.

Neuseeland - Okains Bay - Waitangi Day - Motorrad - Reise

 Das Hāngi ist im Übrigen ein traditionelles Maori-Gericht, bei dem ein Loch in den Boden gegraben wird, in das heiße Steine gelegt werden. Danach werden Körbe mit Gemüse, Kartoffeln, Kürbis sowie verschiedenem Fleisch hinein gestellt und das Ganze dann wieder mit Erde bedeckt und gegart, wodurch das Gericht einen speziellen Räucher-Geschmack bekommt.


 Nach dem Essen, das wirklich lecker geschmeckt hat, besichtigen wir ein „Waka“, ein traditionelles Maori-Langboot. Außerdem besuchen wir noch das kleine Maori-Museum sowie eine Ausstellung alter Maschinen und Motoren sowie alter Schreibmaschinen und Druckereimaschinen, die hier ebenfalls gezeigt werden.


 Am „Waitangi Day“ feiern die Neuseeländer im Übrigen den Jahrestag der Unterzeichnung eines Vertrags zwischen den Maori und den frühen englischen Siedlern im Jahre 1840, der Neuseeland zu einem Teil des britischen Reiches machte, den Maori jedoch die Rechte auf ihr Land sichern sollte. Da der Vertrag nahe der kleinen Ortschaft Waitangi im hohen Norden der Nordinsel unterzeichnet wurde, wurde der Feiertag nach diesem Ort benannt.

 

Außerdem versucht Bea – „leider“ erfolglos – den Helle „loszuwerden“… :-)

Neuseeland - Okains Bay - Waitangi Day - Motorrad - Reise

 Insgesamt ist es ein sehr netter und interessanter Nachmittag und wir genießen die Zeit mit Ina und Chris sowie Nina und dem anderen Chris sehr.



 Auch wenn die Wetten gegen uns stehen, so schaffen wir es einen Tag später tatsächlich uns von Ina und Chris loszureißen und aufzubrechen. Als erstes geht es auf den Highway in Richtung Süden. Die Strecke ist zwar langweilig, aber da das Wetter nicht gerade berauschend ist und wir erst mal ordentlich Strecke machen wollen, erfüllt der Highway seinen Zweck.

Neuseeland - Lake Tekapo - Motorrad - Reise

 Bei Geraldine biegen wir dann ins Landesinnere ab und fahren über eine deutlich kurvigere und interessantere Straße in Richtung Lake Tekapo, wo sich langsam die schneebedeckten Berge der südlichen Alpen in unser Blickfeld schieben.

Neuseeland - Lake Tekapo - Motorrad - Reise

Desto weiter wir ins Landesinnere kommen, desto besser wird dann zum Glück auch das Wetter und auch die Temperatur steigt von knapp über 10 Grad auf immerhin annehmbare 17 – 18 Grad Celsius.

 

Eigentlich hatten wir überlegt am Ufer des Lake Tekapo zu zelten, doch da hier alles ziemlich touristisch und überlaufen ist, ist es kein Wunder, dass überall am Ufer des Sees große „Zelten verboten“ Schilder stehen. Schade. :-/

Neuseeland - Lake Tekapo - Motorrad - Reise

 Da wir aber eigentlich nicht auf einen Bezahl-Campingplatz wollen, beschließen wir eine kleine Abkürzung zwischen Lake Tekapo und Lake Pukaki zu nehmen in der Hoffnung, dass das einspurige Schottersträßchen uns in etwas abgelegenere und einsamere Gebiete führt. Und tatsächlich haben wir richtig Glück mit der Streckenwahl, denn der Track führt uns über herrliche, einsame Hügel, die uns stellenweise richtig an unsere Reise durch die Mongolei erinnern. Super!


 Als wir der Straße von der sanften Hügellandschaft hinunter zum Lake Pukaki folgen, bietet sich uns hinter jeder Kurve eine neue, atemberaubende Aussicht auf den riesigen See, dessen Wasser in strahlendem Türkis leuchtet. Wow!

Neuseeland - Lake Pukaki - Motorrad - Reise
Neuseeland - Lake Pukaki - Motorrad - Reise

 Zu unserer Freude finden wir dann auch recht schnell ein Plätzchen, das durch einen Hügel und einige Bäume etwas versteckt vom Kiesweg, jedoch direkt am Ufer des Sees liegt, an dem wir ungestört unser Zelt aufschlagen können.

(GPS:S44 01.118 E170 11.767)

Neuseeland - Lake Pukaki - Motorrad - Reise - Camping am Ufer mit Blick auf die schneebedeckten Berge

Der Ausblick über den See und die schneebedeckten Alpen im Hintergrund ist einfach überwältigend und einmal mehr wird uns bewusst, dass das die Momente sind, warum wir uns entschieden haben, zu (Motorrad)Reisen. :-)

Außerdem kommen wir heute Abend seit langem Mal wieder in den Genuss eines spektakulären Sonnenuntergangs, der den Himmel in leuchtende gelb, orange, rot und lila Töne taucht. Wow!


 Leider sinkt die Temperatur merklich ab, sobald die Sonne hinter den Bergekämmen auf der gegenüberliegenden Seite des Sees verschwunden ist und so gibt´s heut Abend statt kaltem Bier lieber einen heißen Kräutertee und Bea die alte Frostbeule macht sich sogar ihre Mini-Wärmflasche heiß. :-)

Neuseeland - Lake Pukaki - Motorrad - Reise - Camping am Ufer mit Blick auf die schneebedeckten Berge


 Zu unserer großen Freude strahlt die Sonne am Morgen vom wolkenlosen Himmel und gibt den Blick frei auf die schneebedeckten Berge der Südalpen und lässt das Wasser des Sees in intensivem Türkis leuchten. Genauso gut könnte unser Zelt jetzt wahrscheinlich auch in Alaska oder Kanada stehen. Wow!

Neuseeland - Lake Pukaki - Motorrad - Reise

 Nachdem wir unser Nachtlager abgebrochen haben, geht es in Richtung Süden um den Lake Pukaki. Wir fahren auf einer menschenleeren Schotterstrecke an einsamen Buchten entlang und lassen immer wieder unseren Blick über den See und die schneebedeckten Alpen im Hintergrund schweifen. Ja, hier gefällt es uns richtig gut!

Neuseeland - Lake Pukaki - Motorrad - Reise - Mount Cook

 Zurück auf dem Highway hat uns dann aber der Verkehr wieder, denn ein Mietcamper nach dem anderen rauscht auf dem Highway an uns vorbei in Richtung Mount Cook.

 Auch wir reihen uns wiederwillig in den Touristenstrom ein und fahren erst mal nach Twizel, einem kleinen Ort etwas südlich des Sees, wo wir im örtlichen Supermarkt unsere Essensreserven auffüllen. Außerdem wollen wir die Internetverbindung hier im Ort nutzen um unsere Emails zu checken, denn wir warten jeden Tag auf Angebote bezüglich der Verschiffung unserer Motorräder. Und da wir den Computer schon mal hochgefahren haben wollen wir auch gleich noch eines der Fotos vom Vortag posten, doch leider erkennt man dank strahlendem Sonnenschein nicht allzu viel auf dem Monitor und so muss Helle seinen Arbeitsbereich erst mal ein wenig abdunkeln… :-)


Nach getaner Arbeit fahren wir am Westufer des Lake Pukaki entlang in Richtung Mount Cook. Auch von dieser Seite des Ufers zeigen sich der See und die schneebedeckten Berge in voller Pracht und so kommen wir nicht umhin auch hier wieder unzählige Male anzuhalten um Fotos zu schießen oder um einfach den fantastischen Ausblick zu genießen.


 In Mount Cook angekommen, schlagen wir unser Zelt auf einem staatlichen Zeltplatz direkt am Fuße der Berge auf. Der Zeltplatz hat zwar nur Toiletten und Trinkwasser, jedoch keine Duschen zu bieten, dafür ist er aber mit 10 NZD pro Nase nicht ganz so teuer wie ein privater Platz und die Aussicht von hier auf den 3.151 m hohen Mount Sefton ist spektakulär.

 Außerdem führt der „Hooker Valley Track“ direkt vom Zeltplatz am gleichnamigen Gletscherfluss entlang in Richtung Mount Cook.

 

Es ist zwar schon knapp 5 Uhr, doch wir wollen die etwa dreistündige Wanderung noch heute in Angriff nehmen, da das Wetter super und der Himmel strahlend blau ist. Über einen relativ guten Weg geht es etwa 8 km in das Hooker Valley hinein. Wir wandern immer am Ufer des Hooker River entlang, der vom Schmelzwasser des gleichnamigen Hooker Gletschers gespeist wird und den wir im Laufe der Wanderung insgesamt dreimal über eine Hängebrücke queren müssen.


 Außerdem führt uns der Weg direkt am Lake Mueller Gletschersee entlang, bevor es immer weiter bergauf in Richtung Hooker Gletscher geht.

Neuseeland - Motorrad - Reise - Gebirge um Mount Cook - Gletscher

Immer wieder hören wir ein Donnergrollen in der Entfernung. Doch es ist kein Donner, den wir da hören sondern riesige Schneekanten, die immer wieder vom Berg herab in die Tiefe stürzen und dieses dumpfe Grollen verursachen.

 

Am Ende des Wanderweges angekommen blicken wir auf den 900 m hoch gelegenen Hooker Lake Gletschersee, auf dem sogar einige Mini-Eisberge herum schwimmen, die vom Hooker Gletscher herab gestürzt sind. Im Hintergrund erhebt sich der majestätische, 3.754 m hohe Gipfel von Mount Cook. Der Hooker Gletscher selbst ist zwar von einigem Schutt und Geröll bedeckt, doch er reicht immer noch bis in den See hinein.

Ein kurzer Temperatur-Test mit der Hand beweist, ja, der See ist echt eiskalt! *brrr*


Auf dem Weg zurück zum Zeltplatz wie auch bereits auf dem Hinweg kommen uns Horden von japanischen und chinesischen Touristen entgegen. Das wäre an sich ja nichts besonderes, wenn nicht manche der Damen mit Stöckelschuhen und Disco-Outfit anstatt Wanderausrüstung bekleidet wären. Naja, wenn´s schön macht… ;-)

 

Da die Sonne schon früh hinter den hohen Bergen um uns herum verschwindet, wird es hier am Fuße der Gletscher schon früh ziemlich kalt und so verziehen wir uns heute schon bald in unser Zelt. Außerdem sind wir beide von der Wanderung ziemlich k.o. und auch unsere Beine kündigen bereits einen schönen Muskelkater an. Wie sagt Helle doch immer so schön: Gott gab mir Beine zum Bremsen und Schalten und nicht zum Laufen… ;-)



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Infos am Rande
[x]

Route:
Christchurch - Motukarara - Little River - Okains Bay - Christchurch - Ashburton - Geraldine - Lake Tekapo - Lake Pukaki - Twizel - Aoraki Mount Cook


Gefahrene Kilometer von Burghausen: 66.689 Km

Spritpreis: 1,30 € (91 Oktan)
         
Währung: Neuseeland Dollar

Ortszeit: + 11 Stunden (Sommerzeit)

Transport: -

Probleme mit den Motorrädern:

- Vorderrad gedreht und gewuchtet (Alperer)

- Koffer ausgebeult (Dicke Rosi)

- Heizgriff links verklebt (Dicke Rosi)

 
Stürze/ Umfaller: -

Gesundheit/ Verletzungen: -


Kommentar schreiben

Kommentare: 7
  • #1

    Dirk Hinterseher (Samstag, 15 März 2014 10:44)

    Hallo Ihr beiden, wie immer ist es ein Genuß Eure Berichte zu lesen. Die Photos sind einfach unbeschreiblich schön, ihr werdet noch zu Profi Photographen. Wünsche Euch auch weiterhin eine abwechslugsreiche und glückliche Zeit - und bitte versorgt uns daheim gebliebenen weiter mit Euren phantastischen Impressionen. Zitat: Motorradfahren hebt Grenzen auf. Mensch und Maschine, Natur und Technik, alles wird eins. Finde das passt wunderbar zu Euch, eurer Reise und den unglaublichen Bildern. Gruss Dirk

  • #2

    Hans aus Perach (Sonntag, 16 März 2014 08:40)

    Hallo Ihr Beiden,

    da wo Ihr grade seid, da würd´s mir auch gefallen! Super Bericht, super Bilder.
    Aber Helle: Die Bea braucht eine Wärmflasche - schäm Dich!

    Beste Grüße aus der Heimat

  • #3

    Elfie Ritter (Montag, 17 März 2014 07:48)

    Hallo ihr zwei,
    ich bin aus Salzburg, also nicht weit von Eurer Heimat entfernt. Ich hab mir jetzt schon einige Videos angeschaut und Reiseberichte gelesen. Hab mir letztes Jahr auch ein Motorrad gekauft aber ehrlich gesagt, hätt ich nicht den Mum für so eine Weltreise. Vielen Dank für die tollen Bilder und Berichte, die Fotos sind wirklich TOP und die Berichte lassen mich ein wenig von der Ferne träumen - is ja auch schon mal was ;-)
    Viel Spaß noch! Liebe Grüße Elfie

  • #4

    Henning Günzler (Montag, 17 März 2014 19:37)

    Toller Bericht - super Bilder!
    Und nein, in Alaska und Kanada würdet ihr nicht so ruhig Zelten wegen der Bären!

  • #5

    Tom (Dienstag, 18 März 2014 15:49)

    Servus es zwoa,

    jetzt muas i a moi an Kommentar schreibn.

    Euer Zelt habts am See super verseckt. Im Googlemaps sogar unter Wolken:
    https://www.google.de/maps/place/44%C2%B001%2707.1%22S+170%C2%B011%2746.0%22E/@-44.0190962,170.1945717,10034m/data=!3m2!1e3!4b1!4m2!3m1!1s0x0:0x0

    Eich no an großen Spaß auf da Tour,
    Tom

  • #6

    Andreas (Dienstag, 18 März 2014 17:23)

    Kaum zu glauben, dass es schon 6 Wochen her ist, da ich diesselben Strassen fuhr
    Genißet es !!

  • #7

    Frogman (Freitag, 21 März 2014 02:19)

    This reminds me of my recent rides in the area in November. Breathtaking, I say again this is why we call here Godzone. I must get back there, maybe I need an adventure bike?

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