Ukraine - Auf ins Abenteuer!

 Wir sind früh um 6 aufgestanden, haben noch schnell gefrühstückt und dann die Motorräder bepackt um möglichst früh los zu kommen, da heute fast 500 km bis ins ukrainische Kolomnyya vor uns liegen.

 

Laura hat uns noch Brotzeit gemacht und uns eine Karte mit persönlicher Widmung geschrieben, außerdem hat sie Bea Ihr Sweatshirt, dass sie Ihr tags zuvor bei dem starken Regen geliehen hatte, geschenkt, wie nett!! :-) Dann noch schnell die obligatorischen Erinnerungsfotos von uns vieren mit den Mopeds und dann starten wir mit etwas gemischten Gefühlen in Richtung Ukraine.


 Die letzten Orte in der Slowakei, die wir durchquert haben waren nicht mehr so nett. Sehr viele Zigeuner überall und es ist verhältnismäßig dreckig, da fühlen wir uns einfach etwas unwohl.…

 

 Die Slowakische Grenze war recht schnell passiert, sie wollten nur die Fahrgestellnummern der Mopeds überprüfen und unsere grünen Versicherungskarte kontrollieren. Bei Helles Moped ist die Nummer durchs Lackieren etwas schwer zu lesen und so hatten wir schon bammel, das es Probleme gibt, aber nach ca. 10 min hat der Grenzer eingesehen dass es die richtige Nummer ist und uns fahren lassen. An der ukrainischen Grenze hat es dann schon etwas länger gedauert. Sie wollten in Bea´s Sigg-Flaschen schauen, nicht dass wir Vodka oder so dabei haben. Außerdem musste sie das vordere Werkzeugfach sowie den Klappstuhl öffnen und auspacken. Lustig war, dass sie das "Ö" von unserem Nummernschild nicht lesen konnten und auch nicht wussten, wie sie es in Ihren PC eingeben sollten... wir haben Ihnen dann auf Englisch erklärt, dass Ö ein ganz normaler Buchstabe in Deutschland ist und dann war das auch o.k. Nach ca. 45 min hatten wir beide Grenzen passiert und weiter ging´s.

 

Da die Straßen hier in der Karpaten-Region deutlich schlechter sind als in der Slowakei und wir noch ca. 400 km zu fahren hatten, mussten wir uns ganz schön ran halten. Da aber in der Ukraine eine Ortschaft nach der anderen kommt und man außerorts nur 90 km/h fahren darf, sind wir nicht sooo wirklich schnell voran gekommen.

Ukrainische Schlaglöcher soweit das Auge reicht.

Zusätzlich stand wirklich viel Polizei herum, die kontrolliert hat und so sind wir ganz brav nach Vorschrift gefahren. Außerdem hätten die Straßenverhältnisse höhere Geschwindigkeiten eh nicht zugelassen, manche Straßen waren dermaßen übersät mit kleinen und großen Schlaglöchern, dass wir unsere Mopeds nur im Slalom durchmanövrieren konnten.

 

Aber ansonsten fühlen wir uns sehr wohl in der Westukraine. Die Landschaft ist weitläufig und herrlich mit vielen Kornfeldern. In einem riesigen Supermarkt mit gigantischer Auswahl kaufen wir Brotzeit. Da soll noch mal einer sagen dass es hier schlechte Infrastruktur gibt!


 Einmal bleiben wir stehen um ein Foto zu machen, da hält gleich ein Auto und ein Ukrainer der etwas deutsch spricht fragt uns, ob alles ok. ist. Kinder winken uns und Autos hupen uns an und zeigen mit dem Daumen nach oben. Was für ein komisches Gefühl, aber sehr positiv!


Ziemlich müde und geschafft kommen wir erst gegen halb 10 Uhr abends bei Dämmerung in Kolomniya an. Leider kennt unser GPS die Adresse des Hotels nicht und so irren wir ca. 20 min durch die Stadt.

Plötzlich bleibt hinter uns ein ukrainischer Kleinbus mit zwei Ukrainern stehen. Sie verstehen zwar kein Wort Deutsch, aber sie deuten uns, helfen zu wollen, so zeigen wir Ihnen einen Zettel mit der Adresse und Telefonnummer des Hotels und die beiden zücken kurzerhand ihr Handy und rufen dort an. Dann deuten sie uns, wir sollen ihnen folgen und keine 5 min später stehen wir vorm Hotel. Wir wollen den beiden als Dankeschön ein Bier ausgeben, doch da springen sie schon wieder in Ihren Kleinbus und düsen davon. Wahnsinn, was für ein Zufall und tolle Hilfe!

 

Irina, die Mama des Hauses weißt uns den Weg in die Garage wo unsere Motorräder sicher stehen und kocht uns dann auch noch typisch ukrainische Borschtsch. Lecker! So können wir unseren ersten Abend in der Ukraine doch noch ganz entspannt ausklingen lassen!




Nach einem leckeren ukranischen Frühstück (an Bea´s Mama: nein, wir müssen hier in Osteuropa nicht verhungern! *g*) geht es mit Vitali zu Fuß in die Innenstadt wo wir als erstes das berühmte Heimat- und Volkskundemuseum besuchen. Hier werden vor allem Kunstgegenstände der Huzulen, einer typischen Bevölkerungsgruppe der Karpatenregion ausgestellt. Es ist sehr interessant, denn diese Menschen produzieren wunderschön verzierte Holztruhen, Teller, Kelche, Porzellan und Kachelofenkacheln mit bunter Bemalung, außerdem ist traditionell ukainisches Gewand ausgestellt.

 

Danach schlendern wir weiter durch die Stadt, trinken mit Vitali einen Kaffee in einem netten kleinen Cafe und besuchen das berühmte Ostereier-Museum. Speziell die Karpatenregion ist berühmt für Ihr tolles Osterfest das einen höheren Stellenwert hat als Weihnachten. Und so gibt es sogar ein eigenes Museum nur für Ostereier und das verückteste daran ist, dass sogar das Museum selbst die Form eines Ostereis hat! Die spinnen, die Ukrainer! ;-)


Wieder zurück im Hotel kommen plötzlich ein ukrainisches Pärchen und ein weiterer Biker auf einer alten 350er MZ und einer 250er Hyosung an. Total voll gepackelt haben die drei eine Rundfahrt durch die Westukraine unternommen. Als sie unsere Bikes sehen und v.a. dass Bea selber fährt und hören, was wir vor haben sind sie ganz beeindruckt!



Am Morgen tauschen wir mit Vitali noch Handynummern aus, falls wir irgendwelche Probleme haben sollten, dann können wir Ihn jederzeit anrufen. Wie nett!

 

Zum Abschied schenkt uns einer der ukrainischen Biker ein Porzellanbild der Karpaten auf dessen Rückseite er in Deutsch "Gute Fahrt Liach“ drauf geschrieben hat. Wir sind gerührt! :-)


Da die Straßen weiterhin nicht sehr gut sind und eine Ortschaft nach der anderen kommt und wir so nur immer 50 -– 60 km/h fahren können kommen wir leider nicht sehr gut voran. Desto weiter wir nach Osten kommen, desto besser werden die Straßen und desto weniger Dörfer bremsen unser Fahrtemto, doch nun beginnt ein wahnsinniger Seitenwind zu wehen, der uns teilweise fast von der Straße bläßt. Nein, so macht Moped fahren keinen großen Spass! So suchen wir uns, da es keine Campingplätze gibt und es zum wild zelten noch etwas zu bewohnt ist, ein Trucker-Motel direkt an der Schnellstraße.

 

Das Hotel schaute mehr aus wie ein Puff, alles in dunklen Farben, überall hängt der Geruch von Rauch und Vodka. Außerdem müssen wir die Motorräder vor dem Hotel stehen lassen, denn es gibt leider keinen abgesperrten Parkplatz. Das macht uns etwas nervös, doch der Wachmann, der zum Hotel gehört, versichert uns mit seinem breiten Goldzahn-Lächeln, dass er auf die Mopeds aufpasst und sie sicher sind. Als er Bea dann sogar hilft, ihr Gepäck auf´s Zimmer zu tragen, haben wir doch ein ganz gutes Gefühl, dass unsere beiden Mopeds auch am nächsten Morgen noch da sind. Unsere Reifen, die Angel und die Campingstühle können wir im seinem Büro im EG abstellen, so müssen wir sie nicht ins Zimmer schleppen.

 

Was uns zwar doch stutzig macht ist, dass er sich die Nummernschilder der Motorräder aufschreibt und fragt, was für eine Marke unsere Bikes sind...ob er wohl gleich nach einem Käufer sucht? Die passenden Ersatzreifen hätte er ja auch schon in seinem Büro stehn… ;-)




 Wir stehen früh auf, denn heute wollen wir es nun endlich bis zu Vlad nach Odessa schaffen. Auch Ihn haben wir über das Internationale Motorradforum kennengelernt und er hat uns eingeladen, ein, zwei Nächte bei Ihm zu verbringen.

 Gott sei Dank sind unsere Mopeds noch da und so starten wir, leider bei Regenwetter, Richtung Odessa.

 

Da es den ganzen Vormittag einfach nicht aufhören will zu regnen, beschließen wir an einer Bushaltestelle zu halten und erst mal Brotzeit zu machen. Plötzlich hält ein Jeep mit deutschem Kennzeichen an der Haltestelle und Uli aus Recklinghausen steigt aus. Er ist gerade auf dem Weg zur Krim-Halbinsel und wird von einem ukrainischen Offizier begleitet. Uli erklärt uns, dass er Viktor an der Grenze engagiert hat um Ihn als Sicherheitsmann sozusagen zu begleiten. Wir sind leicht irritiert, fragen aber nicht mehr weiter nach. Außerdem pressiert es den beiden und so sind sie genau so schnell wieder mit Ihrem Jeep verschwunden, wie sie aufgetaucht waren. Sehr merkwürdig irgendwie.

Die ukrainischen Bushäuschen erweisen sich als perfekte Picknick Plätzchen bei Regen

 In Odessa angekommen holt uns Vlad netterweise ab und wir fahren zusammen mit Ihm und seiner Frau Luda in einen kleinen Vorort, in dem die beiden ein Häuschen mit Garten besitzen.


Es steht bereits ein Begrüßungskommando aus 4 Hunden und 3 Katzen bereit um uns Willkommen zu heißen! :-)
Da es schon relativ spät ist, parken wir nur noch schnell die Mopeds im Innenhof vor Vlads Haus, verstauen unsere Bags in einem kleinen Zimmer, dass die beiden extra für uns hergerichtet haben und essen mit den beiden zu Abend. Nach dem Essen haben wir noch etwas Bier mit den beiden getrunken, für die Männer gab es dann noch Brandy und für die Damen Himbeer-Vodka.


Da Vlad und Luda heute frei haben, wollen sie etwas länger schlafen. Das kommt auch uns entgegen und das Bett ist echt bequem. Wir stehen so gegen halb 10 Uhr auf, frühstücken etwas und fahren dann mit den Motorrädern, Vlad fährt eine alte BMW RT, in die Stadt, da Vlad um 12 Uhr einen Termin in der Zahnklinik hat.

 

Der Verkehr in Odessa ist wirklich mörderisch aber Vlad fährt im Zick-Zack-Kurs durch die Millionenmetropole. Wenn wir ihn jetzt verlieren, sind wir verloren! :-) Doch wir behalten den Anschluss und erreichen nach gut einer halben Stunde endlich die Zahnklinik. Da Vlads Gebiss noch nicht da ist, kommen der Doktor und sein Assistent kurzerhand nach draußen und begrüßen den seltenen ausländischen Motorradbesuch! Da irgendwas an Vlads Gebiss fehlt, fährt er auf einmal mit dem Motorrad los um ein paar Straßen weiter den Rest von seinem Gebiss abzuholen! Wie geil ist das denn? :-)

 

Nach ca. 1 Stunde ist dann endlich alles vorbei und wir fahren los Richtung Zentrum. Wir parken die Motorräder direkt an der Prominade und erkunden die Stadt zu Fuß. Gott sei Dank haben wir unsere Rucksäcke dabei, so können wir wenigstens unsere Handschuhe und Jacken verstauen, dafür haben wir jetzt beide einen riesen Rucksack auf dem Rücken, die Helme in der Hand und watscheln bei 35 Grad mit unseren Crossstiefel durch Odessa.

 

Odessa ist eine wirklich schöne Stadt und sehr westlich, gepaart mit einigen wunderschönen alten Gebäuden mit Stuckfassaden. Wir besichtigen einige Statuen und die berühmte Oper und schlendern durch die Shoppingmeile.


Ziemlich lustig ist, dass die Mädels hier alle sehr kurze Röcke und sehr hohe Schuhe tragen so fallen wir beide in unserer Motorradkluft schon ziemlich auf. Die Leute starren uns an und die verwunderten Blicke wandern vor allem auf unsere Crossstiefel, da die so gar nichts mit den mega High-Heels der Mädels hier gemeinsam haben! :-)

Die Damenwelt in Odessa kleidet sich modern.

Am Nachmittag nutzt Helle die Gelegenheit um bei den Mopeds einen kleinen Service zu machen. Eine der Schrauben an Helles Heckträger war locker und er hat eine Schraube der Zusatzscheinwerfer verloren. Diese wird nun ersetzt und alle anderen Teile wieder fest gezogen. Es ist wirklich Wahnsinn, wie schnell sich die Schauben bei diesen Straßenverhältnissen lockern!

Kleiner Kundendienst an unseren Motorräder. Die ukrainischen Straßen haben ihr erstes Schraubenopfer gefordert.

Abends sitzen wir wieder zusammen, trinken ein paar Bier und machen Brotzeit. Vlad erzählt uns sehr viel über seine mehr als 20 jährige Aktivität in diversen Bikerclubs und seine internationalen Kontakte. Es ist ein sehr netter Abend und wir freuen uns sehr Vlad und Luda kennengelernt zu haben.

Bier sorgt auch in der Ukraine für gesellige Abende


Nach einem gescheiten Frühstück mit Toast und Ei brechen wir auf und verlassen Odessa Richtung Osten.

Nachdem wir noch einige Kilometer am Rande der Stadt entlang gefahren sind, ändert sich die Landschaft plötzlich. Bisher hat uns die Ukraine zwar auch schon sehr gut gefallen, es waren aber doch immer recht viele Ortschaften und so wollten wir bisher nicht wild campen.

 

Doch nun ist alles anders. Plötzlich erstrecken sich riesige Weiten rechts und links neben uns und Felder so weit das Auge reicht. Wir sind begeistert und kommen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus!


Als es zu Dämmern beginnt suchen wir uns ein kleines Sträßchen das zwischen zwei riesigen Feldern an einer Reihe Bäume entlang führt. Wir fahren ca. 500 m abseits der Straße und schlagen unser Zelt zwischen den Bäumen auf, so dass wir nicht gleich gesehen werden. Uns ist zwar etwas mulmig zumute, da wir heute das erste Mal wild campen, aber das Plätzen ist herrlich und so sind wir frohen Mutes, dass alles klappen wird!


Wir machen noch ein paar Fotos vom traumhaften Sonnenuntergang, trinken ein Bier in unseren Klappstühlen, kochen uns ein Dosenessen und sind zufrieden mit dem Tag. Heute haben wir viele Kilometer geschafft und durch das wild campen sogar Geld gespart und Morgen geht es dann endlich zur russischen Grenze, was will man mehr!

 



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Infos am Rande
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Dokumente für die Einreise:

Reisepass - Grüne Versicherungskarte - Fahrzeugschein

Route:
Uzhhorod - Mukacheve - Tiachiv - Rakhiv - Kolomyia - Sniatyn - Khotyn - Khmelnytskyi - Vinnytsia - Uman - Odessa - Mykolaiv - Kherson - Melitopol - Berdiansk - Mauriupol

Gefahrene Kilometer von Burghausen: 3.100 Km

Spritpreis: 0,94 € (95 Oktan)

Währung: Hrywnja

Ortszeit: + 1 Stunde

Transport: -

Probleme mit den Motorrädern:
- Schraube an Helle´s Kofferträger verloren


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Kommentare: 1
  • #1

    Denis (Mittwoch, 24 Dezember 2014 02:44)

    Hallo ihr Beiden,

    habe Eure HP gerade erst gefunden und schon "bis östlich von Odessa" gelesen. Tolle Fotos und Filme, eine super Art zu schreiben. Macht weiter so, bin auf Eure weitere Reise gespannt. Alles gute und allzeit Gute Fahrt!

    Denis (aus dem Harz, Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge)

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