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Neuaufbau einer Kreidler Florett - Schritt für Schritt


Vom Alteisen zum kultigen Flitzer



Anleitung zur Restauration einer Kreidler Florett K54/32D

Alles im Leben entsteht zweimal: Zuerst im Kopf und dann in der Wirklichkeit.

Bea & Helmut

Schritt für Schritt Restauration einer Kreidler Florett K54/32DB


Warum eigentlich zwei Kreidler Florett



 

Es ist Sommer 2020 und wir sind gerade mit unseren beiden Transalps auf einer Reise entlang der Alpen unterwegs. Eines Abends als wir gemeinsam ums Feuer vor unserem Zelt sitzen, sinnieren wir über unsere vergangenen Abenteuer mit unseren beiden treuen Reisegefährten und dass es langsam an der Zeit sein würde, die beiden alten Ladies in ihren wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Aber was dann? Mit was wollen wir dann unterwegs sein?

 

Das ist eine gute Frage, auf die wir sogleich auch keine Antwort wissen. Wir hatten in der Zeit seit der Rückkehr von unserer Motorrad Weltreise die tolle Möglichkeit, verschiedene Motorräder angefangen bei den BMW GS Modellen, KTM 790 Adventure, Tenere 700 und die Multistradas von Ducati ausführlich Probe zu fahren und jedes einzelne Bike hat uns auf seine Art mächtig Spaß gemacht. Aber irgendwie haben wir auch das Gefühl, dass sich der Spirit des Motorradfahrens & Reisens über die Jahre verändert hat. Früher stand der Weg an sich zusammen mit dem Gefühl des "Motorradfahrens" im Vordergrund, heutzutage scheint es, dass man eine Motorradtour (egal ob wenige Tage oder mehrere Jahre) nur mit dem neuesten Motorrad, der schicksten Bekleidung und der teuersten Ausrüstung meistern kann. Versteht uns nicht falsch, uns geht es nicht darum, mit was oder wie weit jemand fährt, sondern um das WARUM.

 

 

Ist Motorradfahren ein weiteres Statussymbol geworden oder geht es um den Spirit - Die Gemeinschaft, den Wind im Gesicht und das Gefühl von Freiheit und Abenteuer?

 

 


Einige Bier später und inspiriert durch ein paar Jungs, die sich am Nachmittag mit zwei alten Mofas den Nufenenpass hoch gekämpft hatten, steht unsere Entscheidung schließlich fest: Wir wollen zu den Wurzeln des Motorradfahrens zurückkehren und uns Motorräder ohne viel Schnickschnack zulegen. Motorräder, bei denen es einfach nur um den Wind im Gesicht und das grenzenlose Gefühl von Abenteuer und Freiheit geht. Kurz gesagt: Zwei charismatische Oldtimer. Und da Helmut schon lange ein Fan von alten Mopeds ist, sind mögliche Kandidaten für die zukünftigen Wunschbikes auch schnell gefunden: Zwei Kreidler Florett oder Zündapp KS 50 sollen es werden. Da wir spontan auch gleich ein ganz besonderes Abenteuer für unsere beiden "neuen" Mopeds im Sinn haben (dazu mehr im nächsten Beitrag), fällt unsere Wahl schließlich auf die Kreidler. Und ihr kennt das sicher, man hat eine Idee, man unterhält sich voller Begeisterung darüber und schon nach kurzer Zeit entsteht ein ganz genaues Bild im Kopf, wie das neue Fahrzeug aussehen wird und wie es sich anfühlen wird, damit zu fahren (ausreichend Bier ist hier im Übrigen sehr hilfreich!). Ein paar Tage später haben wir uns Zuhause zusammengesetzt und am Computer gleich die ersten Entwürfe unserer neuen Reisegefährten entwickelt:

 

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#zementmattgrau

#dackelkotmetallic


 

Für welche Farbvariante wir uns am Ende entschieden haben, wisst ihr ja bereits. Doch welche ist euer Favorit und was denkt ihr über den Spirit des Motorradfahrens? Was sind eure Beweggründe für eure Motorradwahl?

Lasst uns dazu sehr gerne ein Kommentar da!

 

 

 

1. Die Kreidler Florett zerlegen

11.04.2022

Zum Zerlegen muss ich vermutlich nicht soo viel schreiben. Die Florett ist ein sehr "übersichtliches" Fahrzeug und daher auch für Schrauberneulinge durchaus geeignet. Etwas Geduld ist aber trotzdem gefragt. Seid ihr fit beim Schrauben ist die Kreidler in ca. 2 - 3 Stunden komplett zerlegt. Am besten beginnt ihr von oben nach unten, sprich ihr entfernt zuerst den Gepäckträger, Sitzbank, Tank usw. Beim Tank solltet ihr darauf achten, dass der Benzinhahn geschlossen ist, dann läuft euch auch beim Abschließen des Benzinschlauchs vom Vergaser auch kein Sprit aus, falls noch welcher im Tank wäre. Danach könnt ihr euch die Armaturen, Scheinwerfer und den Lenker vornehmen. Schwinge und Kickstarthebel sind im übrigen mit Schraubkeilen befestigt, dafür müsst ihr zuerst die Mutter bis zum Gewindeende lösen und dann per sanften Hammerschlägen auf die Seite mit der Mutter den Keil lösen. Der Rest sollte wie von selbst funktionieren. Bei Fragen schreibt einfach in die Kommentare.

 

Meine Tipps zum Zerlegen:

  1. Bevor ihr einzelne Teile am Fahrzeug zerlegt und ihr euch eventuell nicht ganz sicher seid, ob ihr Wochen später auch alles wieder so zusammen findet wie es sein sollte, macht euch Detailfotos und achtet speziell auf solche Punkte, die euch beim Zerlegen schon kompliziert vorkommen. Das hilft später immens und ihr seid damit auf der sicheren Seite.
  2. Zusätzlich könnt ihr euch eine Rolle Malerklebeband schnappen, beschriftet es mit z.b. mit "Gaszug" und beklebt vor der Demontage alle Teile, die euch später Schwierigkeiten machen könnten. Bei komplexeren Restaurationen würde ich das auf jeden Fall tun, speziell z.b. bei Kabelbäumen und Schläuchen, bei der Kreidler ist das aber nicht unbedingt notwendig.
  3. Wohin mit den ganzen kleinen Schrauben, Scheiben und Federn? Ich hab bei solchen Schrauberarbeiten immer einen Schwung verschieden großer Ziptüten mit in der Werkstatt und bei jedem Teil, das ich abmontiere bzw. zerlege, packe ich die einzelnen Schrauben bzw. kleinen Einzelteile in ein entsprechendes Tütchen und beschrifte sie anschließend per Eding z.b. mit "Scheinwerfer". So weiss ich später, wo diese Teile verbaut waren.
  4. Und abschließend sei noch erwähnt, dass es für die Kreidler noch richtig gute (und sogar kostenfreie) Reparaturanleitungen gibt. Sollten also später bei der Montage Unklarheiten bestehen, findet man darin garantiert die Lösung.

 

Nach dem Zerlegen ging es direkt an die Bestandsaufnahme der Einzelteile. Meine Aufmerksamkeit galt hier erstmal den Blechteilen wie Rahmen, Tanks und Schutzblechen, da diese dringend zum Lackierer sollten. An einigen Stellen nagte sichtbar der Zahn der Zeit und so waren ein paar kleinere Schweissarbeiten notwendig. Neben dem Riss im hinteren Schutzblech musste zusätzlich der Lenkanschlag an der LF sowohl an der Gabel als auch am Rahmen nachgearbeitet werden. Das Ausbeulen des Tanks übernahm dann unser Lackierer Enno von der Autolackiererei Uphoff in Burghausen. Ein paar Anekdoten zur Farbwahl und der Reaktion unseres Lackierers zu unserer Wunschfarbe erzähl ich euch dann in einem späteren Beitrag. Soviel aber sei gesagt: Als wir Enno von unserem Projekt "Kreidler Florett in Rost" erzählt haben, war er sofort begeistert und somit wussten wir, Enno ist genau der richtige Mann für unsere Oldies.

Na dann bis nächste Woche und trinkt mir ausreichend Bier beim Schrauben, das fördert die Kreativität.

 

Kommentare: 1
  • #1

    Don Pedro (Donnerstag, 07 April 2022 22:01)

    "Hai" Ihr Zwei,

    Kackbraun ist der Burner auf diesen Florett-Ladies. Ich durfte die beiden Oldtimer ja schon live sehen und bin sehr begeistert. Die umfängliche Restauration, die Helmut an diesen edlen Teile vorgenommen hat, ist ein Meisterstück - glernt ist glernt, sag ich nur.

    Mir hat der Rückschritt "back to the roots" von Helmut und Bea schon sehr zu zu denken gegeben und als Oldtimer-Fan, der ich nun mal bin (habe 70er und 80er Schätzchen bei mir in der Werke/Garage), werde ich mich demnächst verstärkt um meine alte Yamaha XT 500 1U6 bemühen und diese aus dem Dornröschenschlaf wecken, säubern, checken, neu bereifen, tüven und ihr 34 PS-Grollen (Devil-Auspuff ... Original völlig verfault) lächelnd vernehmen.
    Eine Vorgängerin hat mir 2001 zwar in den französischen Seealpen übelst mitgespielt (schwerer Unfall), aber die Lust an der "Urmutter" aller Ténérés ist mir nie richtig vergangen.
    Deshalb fahre ich auch eine XT 600er Ténéré (3AJ) aus 1988, mit der ich seit 2016 überglücklich bin. Bei der neuen XT 690 Ténéré (T700) aus 2020 musste ich allerdings eine Ausnahme machen, da ich diese so unwahrscheinlich unwiderstehlich finde. Sie ist sozusagen die Krönung der Trilogie; die XT 1200 Ténéré hat aber das Maß völlig überschritten, kann mit dem Spirit gar nicht mithalten und ist außen vor.

    Ich denke, dass einem der Geist des Motorradfahrens, wenn einmal Benzin geschnuppert, ein Leben lang nicht mehr loslässt. Es ist ein Sucht, der mann/frau frönt und wenn es mit Fernweh verbunden ist, eine noch galantere.

    Danke, dass Ihr mich gedanklich wieder auf den Ursprung gebracht habt.

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