Langzeittest CLS 200µ und EVO Tour - Elektronischer Motorrad Kettenöler

Stand September 2016

 

Motorrad Kettenöler auf Reisen

Kaufentscheidung:

Nach einiger Recherche im Internet und dem Lesen von zig Testberichten und Forenbeiträgen (speziell Foren, da die Mitglieder dort in der Regel "ehrliche" Berichte abliefern, ein Hersteller selbst wird immer schreiben, dass sein Produkt das Beste ist) hatten wir uns vor unserer Abfahrt, die nun bereits einige Jahre zurück liegt, für ein Ölersystem von CLS entschieden, genauer gesagt das CLS 200 µ. Das System war zwar preislich eines der teuersten, doch die temperaturgesteuerte Dosierung mit dem damit verbundenen optimalen Schmierverhalten der Kette und vorallem dem niedrigen Ölverbrauch haben uns überzeugt. Berichten zufolge sind Kettenlaufleistungen von bis zu 70.000 km erreicht worden und 1 L Öl soll angeblich für 130.000 km ausreichend sein! Das ist doch mal ein Wort. Außerdem bot uns Heiko Höbelt einen tollen Service und stand uns bei Rückfragen helfend zur Seite. Solch ein Kundenservice ist heutzutage leider mehr die Ausnahme als die Regel. Damals drei, heute fünf Jahre Garantie runden das Paket ab!

Lieferumfang:

Das System wird je nach Ausführung mit einem Drehschalter bzw. dem CLS Kontrolldisplay geliefert. Sämtliche Anbauteilen inkl. einem entsprechenden Kleber zur Befestigung der Schlauchführung, einer Spritze zum Entlüften des Systems sowie einer umfangreichen Montageanleitung und 500ml Kettenöl liegen dem Paket bei.

 

Lieferumfang CLS Kettenöler

Einbau:

Nach der Entscheidung also der Einbau. Dem System ist eine Anleitung beigelegt und man bekommt je nach Motorradtyp einen unterschiedlich großen Behälter für das Öl, im Falle der Transalp sind das 110 ml. Die Installation des ganzen Systems ist für jemanden, der schon mal einen Schraubendreher in der Hand hatte, kein Problem. Die Anleitung ist übersichtlich, man sollte allerdings trotzdem ein paar Stunden für den Einbau des Systems einplanen.

 

Langzeittest und Erfahrungen mit dem Kettenöler CLS 200µ respektive EVO Tour

 

Einzig die Schlauchhalter entlang der Schwinge machten mich anfangs etwas stutzig. Laut Anleitung sollten die beigelegten Gummihalter mit einer Art Sekundenkleber an der gewünschten Stelle aufgeklebt werden, bei Pulver beschichtetem/lackiertem Untergrund ist außer einer Reinigung keine Vorarbeit nötig, bei eloxierten Aluminiumschwingen muss zuvor die Oberfläche etwas angerauht werden.

 

Da ich generell mehr ein Freund von Schraub- oder Schweissverbindungen bin, war ich über die Haltbarkeit dieser Klebe-Verbindung sehr skeptisch, vor allem im harten, täglichen Weltreise-Einsatz, so wie er bei uns bevorstand. Im Nachhinein betrachtet bin ich allerdings mehr als positiv überrascht, bisher musste ich erst einen der Gummihalter nachkleben. Dies war allerdings an meiner Aluminiumschwinge und ich war damals wegen schlechter Zugänglichkeit etwas nachlässig mit dem Anrauhen.

 

Für den kompletten Einbau des Systems sollte je nach Schraubererfahrung 2 - 4 Stunden an Zeit eingeplant werden.

 

Der gewissenhafte Einbau des Kettenölers sorgt für ein problemloses Funktionieren.

 

Tipp: Wenn möglich sollte man in dem Bereich, wo die Ölleitung vom Rahmen zur Schwinge verläuft, einen der mitgelieferten Schlauchverbinder verbauen, d.h. Schlauch dort trennen und mit Hilfe des Verbinders wieder zusammenstecken. Das ermöglicht später einen problemlosen Schwingenausbau (Kettensatz wechseln, Lager, usw.) und ist vor allem auf Reisen sehr praktisch.

Inbetriebnahme:

Nachdem nun das System installiert war, ging es an die Entlüftung der Ölleitung und Einstellung der Grobdüse. Die Feineinstellung erfolgt später dann je nach Bedarf über ein Dreh-Poti, welches bequem auch während der Fahrt bedient werden kann.

 

Drehschalter zum Einstellen der Ölmenge am CLS 200µ

 

Diese Prozedur hat wohl am meisten Zeit in Anspruch genommen, es dauert nämlich einige Zeit, bis man das Öl durch Drücken des Ölbehälters komplett durch die ganze Leitung gepumpt hat. Wahlweise kann man auch in den Entlüftungsschlauch blasen, was aber das Lungenvolumen einer Hüpfburg vorraussetzt. Damals habe ich mich für die Durchdrückmethode entschieden und gehofft, diese Prozedur nie wieder machen zu müssen. Da ich aber bereits einmal übersehen habe, den Behälter rechtzeitig zu füllen, blieb es mir nicht erspart, diese Prozedur noch einmal durchzuführen, allerdings benutzte ich beim zweiten mal unseren Minikompressor zum Entlüften. Dabei einfach den Behälter über den Entlüftungsschlauch mit etwas Druckluft beaufschlagen, wichtig dabei ist, nie den vollen Druck des Kompressors auf den Behälter zu geben, am besten ist es, aus einiger Entfernung in Richtung Schlaucheingang zu blasen und sich einfach vorsichtig heran zu tasten. Anders kann es nämlich passieren, dass die Garage demnächst zum Weisseln ansteht! ;-) Es braucht nicht viel Luft, um das Öl durch die Leitung zu drücken und mit dem Kompressor ist das Ganze ruck zuck geschehen. Anbei ein kurzes Video, welches die Entlüftung des Ölers per Kompressor etwas besser veranschaulicht.

 

 

Tutorial #1 - Kettenöler per Kompressor entlüften

 

Ein weiterer etwas umständlicher Punkt ist die Einstellung der Hauptdüse, was allerdings nur etwas Geduld und Feingefühl voraussetzt und nicht in einem anstrengenden „Blowjob“ endet. Dadurch dass die Düse bei jeder Entlüftung komplett geöffnet werden soll, muss sie danach auch wieder neu eingestellt werden.

 

TIPP: Beide oben genannten Punkte müssen jedoch nicht zwangsläufig durchgeführt werden - zumindest nicht mehrmalig - wenn man wenigstens alle heiligen Zeiten den Ölstand im Behälter checkt. Da der 150 ml Öl-Vorratsbehälter für etwa 15.000 km Strecke ausreichend ist, sollte dies eigentlich kein Problem darstellen. Mir ist es seither auch nicht noch einmal passiert… :-)

Nun zu den Fakten:

 Laufzeit des Systems bisher:

Knapp 150.000 km

 

Streckenzustand:

 Geteerte Straßen von guter bis übelster Qualität

Offroadpisten mit Sand, Schlamm und Geröll

Diverse Flussdurchquerungen

 

Temperaturbereich, in dem wir bisher unterwegs waren:

-10 bis + 59°C

 

Ölverbrauch auf diese Distanz:

Ca. 2000 ml pro Motorrad (speziell nach Regen- bzw. Offroadfahrten reinigen wir die Kette zusätzlich über einen höheren Ölfluss)

 

Kettenverschleiß:

  • Unser erster Kettensatz musste in Bangkok nach 16.000 km gewechselt werden, wobei dieser Satz bereits Zuhause 11.000 km ohne den Öler hinter sich gebracht hatte, was somit gesamt 27.000 km ergibt. Der Kettensatz stammte von Louis (D.I.D.) und wurde von uns über die gesamte Distanz nie gereinigt oder anderweitig gepflegt.

  • Kettensatz Nummer zwei haben uns Helle´s Eltern nach Bangkok mitgebracht, dieser stammte ebenfalls von Louis (D.I.D.) Nach knapp 34.000 km mussten wir das Ritzel ersetzen, da dieses mehr einem Wurfstern als einem Antriebsteil glich. Nach 40.000 km war dann auch die Kette wegen eines festen Gliedes komplett hinüber und musste ersetzt werden.

 

  • Kettensatz Nummer drei haben wir in Australien verbaut (D.I.D.). Auch hier mussten wir nach knapp 36.000 km das Ritzel ersetzen, da dieses komplett verschlissen war. Nach gut 37.000 km war dann auch die Kette fällig und wurde ersetzt. Kette wurde nie gereinigt oder anderweitig gepflegt.

 

  • Kettensatz Nummer vier haben wir in Südamerika verbaut. Auch hier haben wir uns aufgrund der guten Erfahrungen wieder für eine Kette von D.I.D. entschieden.

Nach einer Kettenlaufleistung von 5.000 km bzw. 100.000 km mit dem CLS 200µ haben wir aufgrund eines Angebots von Heiko Höbelt (CLS) zu Testzwecken auf den neuen Kettenöler CLS EVO Tour mit Digitaldisplay umgerüstet Der EVO Tour ist eine konsequente Weiterentwicklung des  CLS 200µ und befördert das Öl nicht mehr per Schwerkraft, sondern mit einer kleinen elektronischen Pumpe zur Kette. Das Verstopfen der Düse ist somit Geschichte. Die Ölmenge kann dabei wahlweise mit einem Drehschalter oder einer Digitaleinheit präzise verstellt werden. Zudem wird das System nun bei der Inbetriebnahme kinderleicht mit einer kleinen Einwegspritze entlüftet. Das Einstellen der Hauptdüse entfällt ebenfalls.

 

Bereits vor dem kompletten Exodus haben wir das Ritzel nach gut 26.000 km gewechselt, da wir neugierig waren, ob sich diese Maßnahme zusätzlich auf die Lebensdauer der Kette auswirken würde. Nach für uns rekordverdächtigen 50.000 km mussten wir dann schlussendlich auch diesen Kettensatz aufgrund von einigen festen Gliedern erneuern. Auch diese Kette wurde nie explizit gepflegt. Da wir während dieses Testzeitraums zwei Faktoren verändert haben (neuer Öler und Ritzelwechsel), können wir nicht bestimmt sagen, wodurch die nochmals erhöhte Laufleistung zurückzuführen ist. Generell aber arbeitet der CLS EVO Tour noch zuverlässiger als sein Vorgänger.

 

Verschleißgrenze? Kettenlaufleistung mit dem CLS 200µ und CLS EVO Tour

Probleme:

  • Da die hintere Düse am Kettenblatt mehr oder weniger anliegt, kann diese vor allem nach Offroadeinsätzen (Kettenblatt dreckig) und rückwärts schieben des Bikes (Dreck wird in Düse gedrückt) verstopfen. Ich checke den Zustand der Schmierung eigentlich täglich, indem ich einfach einen kurzen Blick auf die Kette werfe.
Düse am Kettenblatt eines CLS Kettenölers

 

   Stelle ich fest, dass die Kette nicht ausreichend geschmiert wird, pflücke ich am Straßenrand einfach einen Grashalm und fahre

   damit kurz ins Ende der Düse und das System läuft wieder wie „geschmiert“.

   Dieses Problem tritt allerdings nur ab und zu auf und ist wohl mehr ein bauartbedingtes Leiden aller Ölersystem, bei denen die Düse

   am Kettenblatt anliegt. Die Behebung dauert nur Sekunden und ist somit nicht wirklich ein Problem.

 

  • Nach gut 1 1/2 Jahren Weltreise-Einsatz des Systems habe ich festgestellt, dass an einem unserer Bikes der Schlauch zur Schwinge poröse wird und an manchen Stellen zu brechen beginnt. Das führe ich allerdings auf die extremen Witterungseinflüsse während der Reise zurück. Speziell in Australien z.B. ist die extreme UV-Strahlung tödlich für jede Art von Plastik. Hier werde ich einfach demnächst den Schlauch ersetzen. Nach Rücksprache mit Heiko Höbelt von CLS (wir bekommen umgehend einen neuen Schlauch von ihm zugesendet, soviel zum Thema Service!) ist das Problem allerdings nicht bekannt und kann eventuell durch eine nicht optimale Verlegung über den Schwingendrehpunkt auftreten (ständiges bewegen!). Ich werde den neuen Schlauch nun möglichst günstig um den Drehpunkt verlegen und somit sollte auch dieses Problem gegessen sein.

Fazit:

Ketten-Laufleistungungen von 70.000 km konnten wir auf unserer Reise zwar nicht realisieren, durchschnittliche 40.000 - 50.000 km waren aber selbst unter den extremen Bedingungen einer Motorrad-Weltreise kein Problem.Das System arbeitet dabei äusserst unauffällig, zuverlässig und effizient. Wie effizient zeigt sich dabei am besten am Ölverbrauch: 2 Liter pro Motorrad auf 150.000 km!

 

Neben dem gravierenden Vorteil, dass man sich um seine Kette nie kümmern muss, hat man die Zusatzausgaben für den Kettenöler in der Regel bereits nach dem ersten Kettensatz wieder eingespart. Somit ist das System nicht nur für Vielfahrer, sondern auch für Sparfüchse äusserst interessant.

 

Produktlinks:

Kettenöler inkl. digitaler Kontrolleinheit, 500 ml Kettenhaftöl (ausreichend für bis zu 65.000 km), umfangreichem Befestigungsmaterial, Entlüftungsspritze und ausführlicher, farbig bebilderter Einbauanleitung

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