Nordamerika #10 - USA/Der Nordwesten - Biker, Babes & Böse Jungs!

Der Morgen begrüßt uns mit nasskalten Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt und der Frühnebel hängt noch tief in den dichten Wäldern rund um den Yellowstone Nationalpark.

 

Mit leicht steifen Gliedern kommen wir dennoch aus unseren Schlafsäcken gekrochen und schmeißen uns sofort in unsere Motorradklamotten, um dem klammen, feuchten Wetter zu trotzen. Während wir uns bei einer großen Tasse frischem, dampfenden Kaffee wärmen, fängt auch die dünne Eisschicht, die unser Zelt, den hölzernen Campingtisch und die Wiese um uns herum überzieht, in der langsam an Kraft gewinnenden Morgensonne an zu schmelzen.

 


 

Am Ende siegt die Sonne dann doch über den Nebel und lacht vom weißblauen Himmel und so machen wir uns voll Vorfreude auf in den weltberühmten Yellowstone Nationalpark.

 

Auf dem Weg zum Yellowstone Nationalpark

 

Der bereits im Jahr 1872 gegründete Yellowstone Nationalpark im US-amerikanischen Bundesstaat Wyoming ist der älteste Nationalpark der Welt. Seinen Namen hat der Park vom gleichnamigen Yellowstone Fluss, der sich quer durch den knapp 9.000 km² großen Park schlängelt. Bereits seit 1972 zählt der Nationalpark, der vor allem für seine heißen Quellen und Geysire, berühmt ist, zum UNESCO Weltkulturerbe.

 

 

Ausführliche Infos zum Yellowstone Nationalpark findet ihr auf der Homepage des National Park Service.

 

 

Und so ist es kein Wunder, dass uns unser Weg direkt zum „Old Faithfull“, dem wahrscheinlich berühmtesten der über 300 Geysire im Park, führt. Der Geysir bricht in regelmäßigem Abstand alle circa 90 Minuten aus und stößt dann knapp 5 Minuten lang bis zu 32.000 Liter siedend heißes Wasser bis zu 55 Meter hoch in den Himmel.

 

Ein absolut spektakuläres Naturschauspiel, das nicht nur uns begeistert, sondern dem Yellowstone Nationalpark jährlich rund 3 Millionen Besucher beschert.

 


 

Die meisten der anderen Geysire und heißen Thermalquellen des Parks können zwar nicht mit solch beeindruckenden Eruptionen aufwarten, doch die oft weitläufige Ausdehnung und die leuchtenden Farben der sieden heißen Quellen sind nicht minder spektakulär.

 

Die chemische Zusammensetzung des Thermalwassers sowie diverse Bakterien und Algen sorgen dafür, dass sich das Wasser der heißen Quellen nicht nur weiß, grau oder bräunlich-schwarz färbt. Auch helles gelb, leuchtendes orange, dunkles rot oder glasklares türkis sind keine Seltenheit!

 



Auge in Auge mit einem 900 kg schweren Bison-Bullen


 

Neben den Geysiren und heißen Quellen dient der Yellowstone Nationalpark auch vielen zum Teil einst vom Aussterben bedrohten Wildtieren wie Bisons, Grizzlybären, Wölfen und Elchen als Refugium.

 

Bisonherden im weitläufigen Yellowstone Nationalpark

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten beispielsweise keine 50 wild lebenden Bisons mehr im Park. Dank intensiver Schutzmaßnahmen und Zuchtprogrammen hat sich die Population in den letzten Jahrzehnten aber wieder erholt und zählt heute fast 5.000 Tiere, die in großen Herden durch den weitläufigen Park streifen und den Besuchern dabei oft sehr, sehr nahe kommen.

 

Auch wir hatten bei unserer weiteren Fahrt durch den Park mehrfach die Gelegenheit, die majestätischen, bulligen Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Und eines ist sicher, wenn plötzlich ein 900 kg schwerer und echt übel gelaunt dreinblickender Bison-Bulle direkt vor unseren Motorrädern auftaucht, da wird einem echt mulmig zumute!!!

 


 

Auch wenn der Yellowstone Nationalpark viele große Raubtiere wie Grizzlybären und Wölfe beheimatet so gehen die meisten Wildtierunfälle im Park auf das Konto der Bisons.

 

Obwohl die Park-Ranger die Besucher eindringlich davor warnen, die wilden Riesen nicht zu bedrängen und sich ihnen ja nicht zu nähern, so gibt es immer wieder einige anscheinend völlig hirnlose Touristen, die diese Warnungen ignorieren und sich den Tieren bis auf wenige Meter nähern, um mit ihren Handys Fotos und Selfies der Wildtiere zu schießen. Einfach unglaublich, diese Ignoranz und Dummheit mancher Menschen, für die dann oft genug die Tiere büßen müssen!

 

Die meisten Wildtierunfälle gehen auf das Konto der Bisons weil Menschen die Tiere mit Selfies bedrängen.


 

Vom Yellowstone Nationalpark führt uns unsere weitere Route fast 1.000 km weiter gen Osten bis in den Prärie-Bundesstaat South Dakota.

 

Was uns in die nur dünn besiedelte, karge und schier endlose Steppe South Dakotas führt?

Na eines der weltgrößten Motorradtreffen natürlich!

 

Kaum zu glauben, aber in der staubigen 6.000 Seelen Kleinstadt Sturgis mitten in der nordamerikanischen Prärie finden sich jedes Jahr im August über 500.000 (!!!) Motorradenthusiasten zusammen, um auf der „Sturgis Motorcycle Rallye“ 10 Tage lang zu feiern, zu trinken, ihre auf Hochglanz polierten Motorräder zu präsentieren und sexy Damen mit großen Oberweiten und kurzen Röcken zu bewundern.

 

Auch wenn das Motorradtreffen von Choppern, Cruisern und Custom Bikes - vorrangig Harley Davidsons natürlich - dominiert wird, so wollten wir uns die einmalige Gelegenheit, mit unseren eigenen Motorrädern Teil dieses gigantischen Treffens zu sein, auf gar keinen Fall entgehen lassen!

 


Der amerikanische Traum von Freiheit – auf der Sturgis Bike Week wird er für kurze Zeit lebendig!



 

Dicht gedrängt wie Ölsardinen reihen sich die auf Hochglanz polierten Motorräder in den Straßen des kleinen Ortes aneinander während ständig Biker im Schritttempo auf der Hauptstraße auf und ab fahren, um sich und ihr Bikes vor den Tausenden von Zuschauern, die auf den Straßen entlang flanieren, zu präsentieren.

 

Auch wir rollen mit unseren Motorrädern durch die Straßen während wir uns vorkommen wie bunte Hunde, die von allen Seiten angestarrt werden. Obwohl wir mit unseren bepackten Reiseenduros sicher ein sehr ungewohntes Bild für die amerikanischen Biker abgeben, werden wir freundlich aufgenommen und bekommen sogar einen Parkplatz am Ende der Hauptstraße zugewiesen.

 


 

Das Wetter ist traumhaft und so genießen wir unsere Zeit in Sturgis in vollen Zügen. Wir laufen durch die Straßen und staunen über die teilweise ziemlich verrückten Biker, die sich hier versammelt haben, über die mindestens so verrückten und auch spektakulären Umbauten der chromblinkenden Custom Bikes, die sich auf der Hauptstraße aneinander reihen und natürlich wirft vor allem Helmut ein prüfendes Auge auf die vielen jungen Damen, die oft nur mit einem Paintbrush „bekleidet“ durch die Straßen ziehen.

 


 

 Auch über die christliche Biker-Gemeinde Amerikas, die das Treffen offensichtlich auch zur Werbung neuer Mitglieder nutzt, stauen wir nicht schlecht! Total verrückt die Amis!

 


 Auch wenn hier in Sturgis viel Show und Shine ist und viele der vermeintlich „bösen Jungs“ in ihrem normalen Leben eigentlich Banker, Rechtsanwälte und Ärzte sind, so nutzen sie die Zeit in Sturgis, um sich einmal im Jahr in ihre Lederkutten zu schmeißen, Bier in der Öffentlichkeit zu trinken und mit ihren Bikes unterwegs zu sein. Wir finden das trotz der vielen Klischees eigentlich ziemlich cool und fühlen uns etwas an die Motorrad-Komödie „Born to be Wild – Saumäßig unterwegs“ mit John Travolta und Tim Allen erinnern! :-)

 

 

Filmtipp:

Kaum ein Film nimmt den amerikanischen Motorradtraum so humorvoll und liebenswert auf die Schippe wie „Born to be Wild – Saumäßig unterwegs“. Wir können den Film absolut empfehlen!

 

 

 

Und wenn wir schon mal in South Dakota sind, dann nutzen wir die Gelegenheit, um ein weiteres typisches Wahrzeichen der USA zu besuchen, das die meisten von uns sicher schon in dem ein oder anderen Film gesehen haben:

Mount Rushmore!

 


Zu Besuch bei Amerikas berühmtesten Präsidenten


 

Das Mount Rushmore National Memorial zeigt die 18 Meter hohen Portraits der vier bedeutenden US-Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln, die über einen Zeitraum von 14 Jahren von 400 Arbeitern in den Granit gesprengt, gehauen und gemeißelt wurden. 1941 wurden die Portraits schließlich als vollendet erklärt.

 


 

Einmal selbst am Fuße dieses riesigen Denkmals zu stehen und in die vier in den Fels gehauenen Präsidenten-Gesichter zu blicken ist auf jeden Fall ein Erlebnis.

 

Noch besser gefällt uns allerdings, dass Mount Rushmore inmitten des Black Hills National Forrest liegt, durch den einige kleine, kurvenreiche Straßen führen. So viel Fahrspaß hatten wir schon lange nicht mehr!

 


 

Einziges Manko an der Strecke:

Die vielen Chopper-Fahrer, die uns zwar auf den schnurgeraden Highways regelmäßig überholen, ihre Maschinen aber auf den kurvigen Bergstraßen überhaupt nicht im Griff haben und so oft im Schritttempo um die Kurven kriechen!

 

Amerikanische Harley Fahrer auf dem Weg zum Mount Rushmore durch den Black Hills National Forrest.

 

Gerade witzeln wir noch über die so langsam fahrenden Harley-Piloten, dass es ein Wunder sei, bei der Geschwindigkeit in den Kurven nicht einfach im Stand umzukippen, da sehen wir plötzlich tatsächlich einen Chopper-Fahrer, der sein Bike in einer Kurve in den Graben gesetzt hat!

 

Schnell parken wir unsere Motorräder am Straßenrand und eilen zur Kurve zurück, um dem Biker zu Helfen.

Zum Glück ist ihm wohl außer ein paar blauen Flecken und einem gehörigen Schrecken nicht viel passiert, was in Anbetracht des Steinhaufens, in dem sein Motorrad gelandet ist, ein echtes Wunder ist!

 


 

Bevor wir Sturgis, die Bikeweek und Mount Rushmore endgültig hinter uns lassen und Richtung Kanada aufbrechen, verabschieden wir uns noch von unserem Campingplatz-Nachbarn Joe.

 

Joe ist 80 Jahre alt, fährt eine Honda Goldwing mit Camping-Anhänger und besucht die Sturgis Bike Week seit fast 60 Jahren. Für uns fast unvorstellbar! Wir wünschen Joe, dass er die Bike Week noch viele weitere Jahre auf seiner Goldwing besuchen kann und hoffen, dass wir mit 80 Jahren auch noch so fit sind!

 

Joe, ein 80zig jähriger Motorradenthusiast mit seiner Honda Goldwing.


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Infos am Rande
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Dokumente für die Einreise:

Visum:

- Reisepass

- B2 Touristenvisum: Vorab zu beantragen inkl. persönlichem Interview; aufwendig; Aufenthaltsdauer: 6 Monate, Multiple Entry

- Alternativ: ESTA Reisegenehmigung online beantragen; einfach; Aufenthaltsdauer: 3 Monate, Single Entry

 

Motorradimport:

- Fahrzeugpapiere

- Vorab muss per Email (Imports (at) epa.gov) ein „EPA Nonresident exemption letter“ beantragt werden

An der Grenze sind zusätzlich die beiden folgenden Zolldokumente vorzulegen

  • EPA Form 3520-1
  • DOT Form HS-7

Gefahrene Route:

Teton Nationalpark - Yellowstone Nationalpark - Canyon Junction - Cooke City - Cody - Ranchester - Buffalo - Sundance Sturgis - Rapid City - Mt. Rushmore - Piedmont

 

Gefahrene Kilometer von Burghausen: 143.489  km
              
Währung: Amerikanischer Dollar


Ortszeit: - 6 Stunden (Sommerzeit)

Transport: -

 

Probleme mit den Motorrädern: -

 

Stürze/ Umfaller: -

Gesundheit/ Verletzungen: -


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Kommentare: 2
  • #1

    Claudia (Sonntag, 04 Februar 2018 09:20)

    DANKE für`s Mitnehmen ... :-)))

  • #2

    Bea & Helle (Freitag, 09 Februar 2018)

    @Claudia: Sehr gerne! Vielen Dank! :-) Herzliche Grüße, Bea & Helmut

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