Nordamerika #7 - USA/Der Südwesten - Faszination Wüste!

 Bereits früh am nächsten Morgen machen wir uns auf zum nur wenige Kilometer von unserem Nachtlager entfernt gelegenen Arches Nationalpark. Der gut 300 km² umfassende Nationalpark beherbergt mit über 2.000 Arches die weltweit größte Konzentration an natürlichen Steinbögen - englisch „Arches“ -, die durch Erosion und Verwitterung ständig neu entstehen und wieder erodieren.

 

Bereits von weitem stechen uns die leuchten roten Sandsteinformationen ins Auge, die aus der ebenen Wüstenlandschaft weit in den strahlend blauen Himmel empor ragen. Mal sind es extrem dünne, aber langgezogene und hohe Felswände oder es thronen einzelne, große Felsbrocken, sogenannte „Balanced Rocks“ auf schmalen Felsnadeln und wir fragen uns immer wieder, wieso diese nicht schon lange herunter gestürzt sind, so waghalsig balancieren die riesigen Gesteinsbrocken in luftiger Höhe.


Und dann tauchen sie vor uns auf, die ersten imposanten Steinbögen, die auf uns wirken wie riesige Tore in eine andere Welt.

 

Trotz des sengend heißen Wüstenklimas nehmen wir uns den ganzen Tag Zeit, um zu einigen der besonders spektakulären Bögen zu wandern und sie aus nächster Nähe zu erkunden.


Da die einzelnen Sandsteinformationen teilweise viele Kilometer voneinander entfernt im ganzen Nationalpark verstreut liegen, fahren wir mit unseren Motorrädern von einer Station zur nächsten und auch die Fahrt durch den Nationalpark macht Dank der einzigartigen Kulisse sehr viel Spaß.

Motorrad Fahren in perfekter Kulisse: Arches Nationalpark

Die Abendsonne taucht die Wüstenlandschaft in goldenes Licht

 

Am Abend suchen wir uns ein schönes Plätzchen mit Blick auf zwei Doppelbögen, die „The Window“ – das Fenster – genannt werden und beobachten, wie die rostrote Farbe der Sandsteinbögen im untergehenden Licht der Abendsonne immer leuchtender und intensiver wird.

 

Während die letzten glutroten Sonnenstrahlen die Wüstenlandschaft um uns herum erhellen, genießen wir die einzigartige Stimmung dieses Augenblick genauso wie den von der Hitze des Tages aufgewärmten Steinboden unter unseren Händen und Füßen, der uns noch lange wärmt.


Als es schließlich fast völlig dunkel ist, machen auch wir uns auf den Fußmarsch zurück zu unseren Motorrädern. Zusammen mit hunderten anderer Besucher machen wir uns auf den Heimweg und folgen der Lichterschlange, die sich entlang der Serpentinen in Richtung Ausgang windet, bevor sie sich vor den Toren der kleinen Wüstenstadt Moabs in alle Richtungen zerstreut.

Lichterschlange auf dem Weg aus dem Arches Nationalpark


Am nächsten Morgen verlassen wir Utah und machen uns auf in das kleine Örtchen Page nahe des Lake Powell Stausees in Arizona, denn wir haben für den nächsten Tag eine ganz besondere Tour gebucht…

 

Aber nein, unser Ausflug hat nichts mit Wassersport zu tun, ganz im Gegenheil, heute geht es für uns mal wieder „unter die Erde“, denn wir besuchen einen der berühmtesten „Slot Canyons“ der USA. Auf umgebauten Pickup Trucks und 6x6 Allrad-Fahrzeugen werden wir auf einer gut dreißigminütigen Fahrt durch das extrem sandige und holprige Flussbett des Antelope Creek zum Eingang des gleichnamigen Canyon gebracht.


Wir folgen der engen Schlucht bis in eine Tiefe von 45 Metern

 

Der Antelope Canyon ist eine enge, bis zu 45 Meter tiefe und 400 m lange Schlucht aus Sandstein, die durch Wassererosion geschaffen wurde. Durch die stete Aushöhlung des Gesteins entstanden aus dem roten Sandstein einzigartige, wellenförmige Formationen. Das speziell zur Mittagszeit fast senkrecht einfallende Sonnenlicht erzeugt außerdem sogenannte „Light Beams“, also Lichtkegel, die bis auf den Grund des Canyons hinab strahlen und den Sandstein in absolut spektakulären rot und orange Tönen, ja sogar in leuchtendem lila erstrahlen lassen.

 

Rieselt dann auch noch etwas feiner Sand und Staub von oben durch die Öffnung und über die kleinen, sanften Felsvorsprünge nach unten, erzeugt dies eine absolut fantastisches Licht- und Farbenspiel im Canyon.


 Auf dem Rückweg zu unserem direkt am Ufer des Lake Powell Stausee gelegenen Campingplatz kommen wir am Glen-Canyon-Staudamm vorbei.

Glen-Canyon Dam am Lake Powell bei Nacht

Der Staudamm ist mit 216 Metern Höhe und 475 m Länge die fünfthöchste Talsperre der USA und staut im Lake Powell etwa 33 Millionen Kubikmeter Trinkwasser, was ihn nicht nur zum zweitgrößten Stausee Amerikas, sondern auch zu einer der wichtigsten Trinkwasserressourcen der Wüsten-Bundesstaaten Utah und Arizona macht.



Auf unserem weiteren Weg durch die sengend heiße Wüstenlandschaft des Colorado-Plateau verstehen wir langsam, warum die Amerikaner so viele „Drive Through“-Schalter entwickelt haben, denn wer in dieser Affenhitze erst einmal in einer angenehm klimatisierten Limousine sitzt, will so schnell nicht wieder aussteigen.

 

So kommt es, dass wir zum ersten Mal auf unserer Reise mit unseren Motorrädern an einem Drive-Through-Geldautomaten halten, um uns mit Bargeld für die nächsten Tage einzudecken. Einfach unglaublich! :-)

Drive Through Bankautomat in den USA

Eine fruchtbare Oase inmitten von Wüste

 

Langsam verlassen wir die Hochebene des Colorado-Plateaus und erreichen die ersten Ausläufer der Mojave-Wüste. Doch obwohl wir uns die ganze Zeit in einer fast vegetationslosen Wüstenlandschaft befinden, gleicht unser nächstes Ziel einer wahren Oase, denn dank seiner zahlreichen lebensspendenden Flüsse und Bäche gedeihen im Zion Nationalpark leuchtend grüne Auwälder, die einer Vielzahl von Säugetieren, Vögeln und Reptilien einen Lebensraum bieten.


 Vor allem das mit Weiden, Pappeln und Eschen bewachsene Tal des Virgin River Canyons ist berühmt für seine Maultierhirsche, Dickhornschafe, verschiedene Hörnchen-Arten und sogar Pumas leben in diesem fruchtbaren Tal.

 

Wir folgen einem Wanderweg, der immer wieder durch das teilweise hüfttiefe Wasser des Virgin River führt bis tief hinein in den Canyon. Bei Tageshöchsttemperaturen von über 40 Grad Celsius ist die Wanderung durch das kühle Nass eine sehr willkommene Abwechslung und als wir dann tatsächlich einige Wildtiere aus nächster Nähe zu Gesicht bekommen, ist unsere Wanderung perfekt!




 Obwohl wir uns sehr auf die Reisehighlights, die uns in nächster Zeit erwarten werden, freuen, so fällt es uns dennoch schwer, uns von der „Oase“ Zion Nationalpark zu verabschieden.

 

Die nächste Station auf unserer Motorradweltreise ist die weltberühmte Mojave-Wüste, die sich über 35.000 Quadratkilometer – was in etwa der Fläche Baden-Württembergs entspricht (!!) - auf dem Gebiet der US-Bundesstaaten Kalifornien, Utah, Nevada und Arizona erstreckt.

 

Im Herzen der Mojave-Wüste stoßen wir auf das Valley of Fire

 

Unseren ersten Halt machen wir im Valley of Fire, das seinen sehr bezeichnenden Namen von den leuchtend roten Sandsteinformationen erhalten hat, die die gesamte, nur spärlich besiedelte Region prägen.

 

Bekannt ist das Valley of Fire neben seinen sehr beeindruckenden Felsformationen aber vor allem für die Felszeichnungen der Anasazi-Indianer, die die Gegend von 300 v. Chr. bis 1150 n. Chr. besiedelten. Am sogenannten „Atlatl Rock“ sind einige besonders gut erhaltene Petroglyphen, das sind mit einem spitzen oder scharfen Werkzeug in den Stein geschabte Felsbilder, zu bewundern. Die Bilder zeigen unter anderem diverse Tier- und Jagdszenen und verschiedene Symbole.


 Am späten Nachmittag beginnen wir, trockenes Feuerholz für ein Lagerfeuer zu suchen. Doch wegen der spärlichen Vegetation hier draußen in der Wüste gestaltet sich diese Aufgabe ziemlich schwierig. Neben einigen dürren Ästen und Zweigen von Sträuchern finden wir noch einige Holzscheite, die andere Camper zurück gelassen haben und über die wir uns nun sehr freuen.

 

Es ist bereits dunkel, als wir unser Zelt direkt am Fuße einer der Sandsteinformationen aufstellen und es uns an unserem Lagerfeuer gemütlich machen.

 

Lange sitzen wir in dieser lauen Nacht noch vor unserem Zelt und genießen die Stille und den Ausblick auf den sternenklaren Nachthimmel.

 Nur das Bier, das wir am späten Nachmittag noch in einem Supermarkt besorgt haben und das dank der brütend heißen Tagestemperaturen mittlerweile lauwarm ist, schmeckt echt ungenießbar… :-)

Startrails in der Mojave Wüste. So macht Camping Spass.

 Gerade, als wir ins Bett gehen wollen, fällt Bea ein größeres Tier auf, das sich auf dem Boden zwischen unseren Camping-Klappstühlen bewegt. Als wir es mit unserer Stirnlampe anleuchten, bekommen wir einen riesen Schreck, denn es ist ein kleiner Wüstenscorpion!

 

Nur gut, dass Helmut, der bei diesen Temperaturen immer Barfuß läuft, ihn nicht mit seinem Fuß erwischt hat. Das wäre in diesem Fall zwar zum Glück nicht lebensgefährlich, aber zumindest sehr schmerzhaft gewesen…

Nächtlicher Besucher: Ein Scorpion in der Mojave Wüste

Nach diesem Zwischenfall beschließen wir das Moskito-Netz unsers Zeltes trotz der noch immer schwül-warmen Temperatur für die Nacht lieber doch zu schließen. :-)



Am nächsten Tag werden wir von der Sonne geweckt, die bereits früh am Morgen in unser Zelt strahlt und die Temperaturen schon gegen 6 Uhr auf um die 30 Grad Celsius steigen lässt. Willkommen an einem weiteren herrlichen Hochsommertag in der Mojave-Wüste!

Sonnenaufgang am Valley of Fire

Schlangen vor unserem Zelt!

 

Dank dieses „Temperatur-Weckers“ krabbeln wir schnell aus unserem Zelt und staunen nicht schlecht, als wir den zinnoberroten Wüstensand rund um unser Zelt betrachten. Die Spuren im Sand sehen ganz nach einer Schlange aus und zwar nicht nur nach einer!

Da sind wir ein weiteres Mal froh über unsere geschlossene Moskitonetz-Türe. :-)

 

Eigentlich wollte Bea noch einen schnellen Morgenkaffee kochen, bevor wir aufbrechen, doch kaum ist die Sonne aufgegangen, wimmelt es nur so vor Bienen, die zu hunderten auf der Suche nach Wasser um die Wasserhähne und sogar bis in die Wasserleitungen hinein kriechen.

Wir versuchen zuerst, ganz vorsichtig und ohne hektische Bewegungen etwas Wasser aus der Leitung zu entnehmen, doch es sind einfach zu viele Bienen und so beschließen wir heute auf Kaffee und Frühstück zu verzichten und brechen gleich auf.

Bienenschwärme auf der Suche nach Wasser in der Mojave Wüste

Etwa eine Stunde später genehmigen wir uns im Schatten einer Tankstelle dann doch noch einen sehnlichst herbei gewünschten Guten-Morgen-Kaffee, bevor wir auf die Interstate 15 abbiegen, die uns direkt in eine DER Touristenmetropolen der USA führen wird:


VEGAS Baby, yeaahh VEGAS!!!



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Infos am Rande
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Dokumente für die Einreise:

Visum:

- Reisepass

- B2 Touristenvisum: Vorab zu beantragen inkl. persönlichem Interview; aufwendig; Aufenthaltsdauer: 6 Monate, Multiple Entry

- Alternativ: ESTA Reisegenehmigung online beantragen; einfach; Aufenthaltsdauer: 3 Monate, Single Entry

 

Motorradimport:

- Fahrzeugpapiere

- Vorab muss per Email (Imports (at) epa.gov) ein „EPA Nonresident exemption letter“ beantragt werden

An der Grenze sind zusätzlich die beiden folgenden Zolldokumente vorzulegen

  • EPA Form 3520-1
  • DOT Form HS-7

Gefahrene Route:

Moab - Arches NP - Canyonlands NP - White Rim Trail - Moab - Monticello - Bluff - Kayenta - Page - Big Water - Zion NP - St. George - Mesquite - Valley of Fire - Las Vegas

 

Gefahrene Kilometer von Burghausen: 136.491  km

Spritpreis: Arizona (Schnitt) 2,04 €/Gal (89 Oktan) - Utah (Schnitt) 2,25 €/Gal (89 Oktan) - Nevada (Schnitt) 2,16 €/Gal (89 Oktan)

                  
Währung: Amerikanischer Dollar


Ortszeit: - 7 Stunden (Sommerzeit)

Transport: -

 

Probleme mit den Motorrädern:

- Rückschlagventil Kettenöler Alperer gereinigt

 

Stürze/ Umfaller: -

Gesundheit/ Verletzungen: -


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Kommentare: 8
  • #1

    Günther Wagner (Mittwoch, 21 Juni 2017 16:07)

    Grüß Euch!

    Ein toller Bericht und die Fotos sind einfach nur schön. Tja und die Hitze kann ich im Moment auch ein bisschen nachempfinden(34°, draussen)

    Liebe Grüße

    Günther

  • #2

    Bea & Helle (Freitag, 23 Juni 2017 14:49)

    Vielen Dank Günther, das freut uns sehr! :-)
    Ja, so faszinierend die Wüstenlandschaften auch sind, in kompletter Motorradkombi inkl. Motocross-Boots wird´s irgendwann doch ganz schön HEIß! :-D
    Herzliche Grüße & dir ein schönes Wochenende,
    Bea & Helmut

  • #3

    Klaus Maier (Samstag, 24 Juni 2017 14:29)

    Und noch ein super Bericht. Die Fotos, die Ihr da macht sind der absolute Hammer. Das kann kein Profifotograf besser. Man siehr, dass Ihr Euch auch mit den Fotos ganz schon Aufwand macht. Die Szenerien, die diese Gegend bietet sind unglaublich, wir waren 2014 auch mal in der Gegend, hatten aber wie immer zu wenig Zeit. Beeindruckend wars trotzdem. Ich freu mich natürlich auch auf den nächsten Bericht über Las Vegas, wo Ihr ja Norbert und Lisa besucht habt.

  • #4

    Bea & Helle (Samstag, 24 Juni 2017 15:17)

    Danke Klaus!
    In der Tat ist die Fotografie im Laufe unserer Reise zu einer ganz großen Leidenschaft geworden, in die wir mittlerweile sehr viel Zeit & Engagement stecken.
    Da freut es uns natürlich umso mehr, wenn die Ergebnisse dann auch überzeugen! :-)
    Herzliche Grüße,
    Bea & Helmut

  • #5

    Hans aus Perasch (Dienstag, 27 Juni 2017 20:04)

    Fotomäßig einer der besten Berichte überhaupt!!!

    Wär schon mal eine Reise wert - aber bei der Affenhitze??

  • #6

    Bea & Helle (Donnerstag, 29 Juni 2017 13:47)

    Auch dir Hans vielen, vielen Dank für dein Lob! :-)
    Der Westen der USA ist auf jeden Fall eine Reise wert!
    Nur beim nächsten Mal vielleicht nicht im Hochsommer, sonder eher im Frühjahr oder Herbst! :-)
    Herzliche Grüße nach Perach,
    Bea & Helmut

  • #7

    Sonja und Klaus (Samstag, 01 Juli 2017 22:11)

    Zu den Bildern und den packenden Beschreibungen kann man Euch wieder mal nur gratulieren!
    Wir freuen uns immer wieder wenn Updates kommen, die auch die Teile abdecken die nicht in Eurem Vortrag enthalten waren.
    (im Winter sind die genannten Ziele übrigens auch zu empfehlen - weniger Menschen - und z.B. im Valley of Fire auch weniger bzw. keine Bienen oder Schlangen :-))

  • #8

    wolfgang pfannes (Sonntag, 02 Juli 2017 18:56)

    hallo Ihr beiden. Mit viel Freude verfolge ich seit Beginn eure Reisebericht und auch sehr launigen Videos. Große Kompliment auch für die aufwendigen und ideenreichen Fotos.
    Gute Reise
    wolfgang

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