Laos - Ahh, don´t have!

Wir stecken das Geld ein und machen uns ohne ein weiteres Wort zu verlieren auf den Weg zur nächsten Tankstelle. Leider kommen wir keine 100 m, dann steht die „Dicke Rosi“ endgültig, diese Mistkerle haben doch wirklich keinen Tropfen im Tank gelassen und so müssen wir erst mal von Helles Bike Benzin ablassen und umfüllen, damit Bea wenigstens bis zur nächsten Tanke kommt! *ahahahah*
Hiermit möchten wir jedem Motorradreisenden dringend davon abraten im „Royal Pakse Hotel & Restaurant“ in Pakse zu übernachten!


Als wir so dahin fahren, kommt uns plötzlich ein recht auffälliger Camper entgegen. Auf dem Reservereifen über der Windschutzscheibe prangt ein mit gelben Bändern verzierter Tierschädel und rechts daneben leuchtet uns eine große aufgemalte Schweizer Flagge an! :-)
Wir stoppen sofort die Bikes und drehen um und zu unserer Freude hält auch der Camper an und so lernen wir Kölbi & Christa kennen. Das Schweizer Pärchen ist schon seit einiger Zeit mit ihrem Campingmobil unterwegs und auf der Südroute nach Asien gekommen und jetzt drehen sie erst mal eine Runde durch Kambodscha, Laos und Thailand.


Sie kommen aus der genau entgegengesetzten Richtung und können uns so einige gute Tipps für Mittel- und Nordlaos geben. Unter anderem haben sie einen super Tipp für einen der in Südostasien wirklich raren Wildcampingplätze für uns.
Außerdem erzählen sie uns, dass sie sich zwischen Weihnachten und Silvester mit einigen anderen Overlandern etwas nördlich von Phuket verabredet haben… und da erinnern wir uns plötzlich, dass uns doch auch Stefan & Petra, das Freisinger Pärchen mit dem riesigen Overlandtruck von einem „Overlander-Treffen“ zwischen Weihnachten und Silvester im Süden von Thailand erzählt haben und tatsächlich, Kölbi & Christa kennen die beiden. Es scheint, dass auch die Welt der vierrädrigen Überlandreisenden ein Dorf ist! :-)

Nach einem netten Plausch verabschieden wir uns und sind gespannt, ob wir die beiden in gut einem Monat in Südthailand wohl wieder sehen werden! Wir fahren weiter in Richtung Norden und stoppen in Thaklet, um ein paar Vorräte für den Abend zu kaufen. Dank Heikos „Lastenesel“ kaufen wir unter anderem gleich einen Kasten Bier, denn davon kann man nicht genug haben und wenn der Campingplatz wirklich so versteckt liegt, wie Kölbi & Christa erzählt haben, dann können wir später nicht mal eben schnell zum nächsten Shop fahren, wenn Essen oder Trinken ausgegangen sind.

Ordnungsgemäßer Biertransport auf Heikos Gespann

Es dämmert schon, als wir von der geteerten Straße auf einen schmalen Pfad in Richtung des Örtchens Tha Falang abbiegen. Eigentlich ist die Strecke mal abgesehen von ein paar kurzen Sandpassagen und einigen tiefen ausgehärteten Spurrillen im getrockneten Lehmboden gar nicht sooo schlimm, doch in einer der Sandpassagen bricht Bea plötzlich das Vorderrad der „Dicken Rosi“ aus, ihr versuch das Motorrad durch beherztes Gas geben noch abfangen zu können geht natürlich auch nach hinten los und so schießt das Motorrad in vollem Schwung nach links ins Gebüsch, wo es mit einem ordentlichen Rumpser zwischen einigen ziemlich stacheligen Sträuchern zum Liegen kommt.

So parkt man sein Motorrad fachgerecht in Laos - Zumindest nach Bea´s Meinung

Dank Bluetooth-Headset kann Bea Helle allerdings sofort Entwarnung geben, denn zumindest sie ist schon mal heil geblieben, wobei sie Helle einen ganz schönen Schrecken eingejagt hat. Der hatte nämlich im Rückspiegel nur die Scheinwerfer der „Dicken Rosi“ plötzlich im Gebüsch verschwinden sehen und dann einen dumpfen Aufprall gehört. Da rechts und links neben dem Pfad aber überall Bäume stehen, war er sich nicht sicher, ob dieses „Malheur“ so glimpflich ausgegangen ist wie die letzten… Nun heißt es aber erst mal Bea samt Motorrad da unter den Büschen wieder raus bekommen, was sich als gar nicht sooo einfach gestaltet.


Erst mal macht Bea den Tankrucksack ab, da leider schon wieder Benzin ausläuft und sie von ihren Stürzen in der Mongolei schon weiß, dass ein voll Benzin gelaufener Tankrucksack keine feine Sache ist! Dann krabbelt sie samt Tankrucksack irgendwie aus dem Dickicht, das zu allem Übel auch noch mit einigen fiesen Dornen ausgestattet ist, heraus.
Helle, Heiko und Jannick, die derweilen ihre Bikes geparkt haben und nun um die „Unglücksstelle“ herum stehen, lachen sich derweilen halb schlapp beim Anblick der ziemlich zerknirschten Bea, wie sie da unter den Dornenbüschen hervor krabbelt! :-)
Aber als es daran geht, die „Dicke Rosi“ zu befreien, vergeht ihnen das Lachen ganz schnell, denn trotz vereinten Kräften haben die Drei ganz schön zu kämpfen, bis sie das Motorrad wieder aus den Büschen haben.
Während die Drei da so an der „Dicken Rosi“ ziehen und zerren kommt plötzlich ein Einheimischer mit seinem Roller vorbei gefahren und bleibt stehen, um das Geschehen etwas näher zu betrachten. Die Konversation die dann folgt, lässt uns vor Lachen fast zusammen brechen:

Laote: „Did you find your motorbike parking here?“
Heiko: „Yes, yes“
Jannick: „We think it is a good park place“
Laote: “I think you ride very fast” (sehr rollendes *rrrrr* in der Aussprache! *g*)
Heiko: “She always rides very fast, that is the problem!”

Der Laote nickt, grinst und fährt seines Weges, wie geil! :-)

Es ist schon dunkel, als die „Dicke Rosi“ endlich befreit und wieder auf zwei Reifen steht. Erst jetzt merken wir, dass wir nur noch gut 30 Meter von der kleinen Lichtung entfernt sind, die uns Kölbi & Christa als guten Wildcampingplatz empfohlen hatten. Na super, die Aktion hat sich ja mal wieder voll rentiert! :-/
So müssen wir dann im Dunkeln unsere Zelte aufbauen und kochen, was uns gar nicht so begeistert. Dafür werden wir ab mit einem phantastischen Sternenhimmel und super Lagerfeuer –Atmosphäre belohnt. Und das eine oder andere „Feierabend-Bierchen“ tut sein übriges! ;-)




Da wir so spät am Abend an unserem Campingplatz angekommen sind, hatten wir gar keine Zeit mehr, die Örtlichkeit genauer unter die Lupe zu nehmen.
Das wird am nächsten Morgen erst mal nachgeholt und wir stellen fest, dass der Platz wirklich genial ist. Denn hinter einer Reihe Bäumen verbirgt sich ruhig fließender Fluss, in dem man herrlich Baden kann! :-)




Da die Landschaft hier in Zentrallaos so herrlich ist beschließen wir uns auch für die kommende Nacht einen Wild-Camping-Platz zu suchen und wir haben Glück, denn wir fahren keine halbe Stunde, da haben wir schon ein super Plätzchen etwas abseits einer Kiesstraße direkt an einem Fluss gefunden.


Leider kommt auch heute – zumindest für Helle – mal wieder die Arbeit vor dem Vergnügen, denn an der Gabel der „Dicken Rosi“ ist immer noch nicht alles in Ordnung (wir erinnern uns, einparken im Busch und so…) und so muss sie erneut ausgerichtet werden. Zur Testfahrt geht’s dann ganz in Macho-Manier mal eben Oben ohne quer über die Wiese vor unserem Campingplatz.

Danach ist dann aber wirklich ein kühles Bad im Fluss angesagt. Obwohl unser Campingplatz relativ abgelegen ist haben wir einige „Zuschauer“ die unser Bad recht irritiert beobachten.


Auch heute Abend kommen wir in den Genuss einer sternenklaren Nacht und Lagerfeuerromantik! :-)




Da wir heute bis Vientiane fahren wollen, stehen wir bereits zum Morgengrauen auf, um möglichst zeitig los zu kommen. Eigentlich sind wir ja keine großen Fans des frühen Aufstehens, doch in Anbetracht dieses tollen Sonnenaufgangs war es das definitiv wert!

Als wir eine kurze Pause machen, finden wir zufällig einen Shop in dem eine Dame Flaggen näht. Da unsere Bayern-Flaggen durch den Fahrtwind schon ganz schön mitgenommen sind entschließen wir uns, die Ränder für kleines Geld neu einendeln zu lassen. Auf die Frage, ob sie denn bitte auch unsere Flaggen kurz abnähen könnte, erhalten wir dann aber diese für ganz Laos so typische Antwort: „No have.“ Ja wie jetzt!? Natürlich hat sie. Steht doch genau vor ihr, ihre Nähmaschine!

Camping in Laos - Wir genießen die Ruhe und den Sonnenuntergang.

Aber nein, scheinbar hat die Dame gerade keine Lust, einen Kunden zu bedienen, denn sie erklärt uns doch ernsthaft, wir sollen über die Straße gehen, da wäre eine andere Dame mit einer Nähmaschine. *ahahahaah*
Aber gut, wir sind ja nicht so, also rüber über die Straße und in dem anderen Näh-Shop gefragt und siehe da, Dame Nummer zwei ist willig und endelt uns für kleines Geld unsere zerfetzten Bayern-Flaggen wieder ein! :-)


Wir kommen am späten Nachmittag in Vientiane an und statten gleich noch der Thailändischen Botschaft
(N 17°57.885´E 102°37.465´) einen Besuch ab, da wir dort ein 2-Monats-Touristenvisum beantragen wollen, doch leider gefällt uns die Auskunft, die wir dort erhalten, gar nicht! Wir können unsere Visa nur vormittags beantragen und könnten unsere Pässe am Nachmittag des nächsten Tages zwar normalerweise wieder abholen, doch zu unserem Entsetzten ist die Botschaft diesen Freitag und Montag wegen Feiertagen geschlossen! So eine Scheiße, auf Feiertage haben wir natürlich nicht geachtet! :-/
Wir überlegen eine Zeit lang hin und her, was wir machen sollen, da wir unser Laos-Visum nur noch 12 Tage gültig ist und wir davon alleine schon 5 Tage hier in Vientiane verlieren würden, um auf unsere Visa zu waren. Das heißt wir hätten nur noch 7 Tage für Nordlaos, was schon eher knapp ist… :-/
Aber egal wie wir es drehen und wenden, es gibt keine andere Lösung, denn auch die Idee unser Laos-Visa einfach um ein paar Tage zu verlängern, können wir knicken, da wir die temporären Zolleinfuhrpapiere für die Motorräder nicht verlängert bekommen! :-/
So suchen wir uns nur wenige hundert Meter von der Botschaft entfernt ein Guesthouse und beschließen, diese Zwangspause eben mit einigen nötigen Service-Arbeiten an den Bikes und auch an der Homepage zu nutzen.



So verbringen wir die Tage mit unseren typischen Reise-Aufgaben. Helle macht unter anderem einen Ölwechsel am „Alperer“, da seine Kupplung in letzter Zeit so schlecht trennt, außerdem füllt er Öl an beiden Bikes auf, überprüft die Ventile am „Alperer“ und verlegt den Kupplungszug neu, da vielleicht auch hier das Problem mit der schlecht trennenden Kupplung her rühren könnte.

Außerdem bekommt der Ausgleichsbehälter des Federbeins ein neues, standesgemäß laotisches „Männer-Cover“! :-) Auch Heiko und Jannick schrauben währenddessen an den Bikes, Jannick reinigt die Kette und versucht, seinen in Bangkok gekauften Fahrradtacho zu reparieren, der immer mal wieder spontan den Dienst verweigert. Heiko stellt die Radlager seines Seitenwagens, die ihm schon seit geraumer Zeit Probleme machen, etwas nach. Die Nabe des russischen Rads ist schon derartig ausgeschlagen, dass die Lager nur noch lose darin sitzen und das Rad dadurch sehr viel Spiel hat.


 Außerdem schraubt er über 3 Stunden an einem seiner Gaszüge herum, da dieser schon bis zur Hälfte durchgewetzt ist. Helle, der daneben werkelt, denkt, er würde diesen austauschen, wer allerdings Heiko kennt, der weiß, dass halb kaputt noch lange nicht bedeutet, dass gewechselt werden muss! :-) Helle amüsiert sich köstlich, dass er über 3 (!!) Stunden damit verbracht hat, die losen Drähte an dem Zug abzuzwicken, um ihn dann wieder einzubauen, und das, obwohl er Ersatz dabei hat….köstlich! :-)

Bea hingegen checkt nach mehreren Tagen ohne Internet unsere Emails und schreibt an den noch ausständigen Reiseberichten weiter. Außerdem amüsiert auch sie sich köstlich über die Jungs. Aber über alle 3 wohlgemerkt, wie sie da stundenlang und in voller Hingabe ihre „Babies“ „hätscheln und tätscheln“! ;-) Außerdem finden wir nur wenige Meter neben unserem Guesthouse eine Art Druckerei (mit riesigen alten Heidelberger Druckmaschinen! *g*) bei der wir Visitenkarten mit unserer Homepage und Emailadresse sowie Aufkleber mit unserem Logo und Länderflaggen-Aufkleber von allen Ländern, die wir bisher bereist haben, in Auftrag geben.


 Da der Chef der Druckerei jedoch nicht da ist, sollen wir am Nachmittag noch einmal vorbei schauen um den Auftrag klar zu machen. Doch am Nachmittag ist der Laden geschlossen. Wir latschen ganze 3 Mal hin um zu schauen, ob jemand dort ist, aber nichts! Na super… das ist echt mal wieder typisch asiatisch…



Den nächsten Abend verbringen die Jungs dann mit Bier trinken. Viel Bier trinken. Und was dabei herauskommt, wenn drei Jungs ohne weibliche Aufsicht (Bea war im Zimmer ein Buch lesen) viel Bier trinken, das kann man hier sehen:


Als Bea am nächsten Morgen die Bilder sieht, trifft sie fast der Schlag! Auf die Frage, was zum Henker brennende Papphüte auf Heikos Kopf und ein mit einem T-Shirt um sein Gesicht gewickelter Jannick mit einem Hammer in seiner Hand auf sich haben, kam nur die folgende - vor Männer-Logik nur so strotzende – Erklärung:
Den Jungs war etwas langweilig und mit steigendem Bierkonsum kam Jannick auf die glorreiche Idee, eine Art selbst ausgedachtes Würfelspiel zu spielen. Auf ein leeres Blatt Papier werden verschiedene Felder gemalt und in jedes Feld werden Aufgaben geschrieben wie z.B. einmal um den Block laufen, auf einem Bein hüpfen, den Wachhund streicheln, … und eben auch mit verbundenem Gesicht Topf Schlagen, mit einem Karton auf dem Kopf Liegestütze machen oder – ganz besonders schlau – den auf dem Kopf befindlichen Papphut anzünden! So ein Spiel kann aber auch nur Männern unter zu viel Alkoholeinfluss einfallen! :-)
Außerdem berichten ihr die drei von einem weiteren, merkwürdigen Ereignis des gestrigen Abends. Irgendwann zu späterer Stunde kam eine Laotin (sie oder „es“ die Männer waren sich da nicht ganz sicher…) um die Ecke und blieb einige Meter von den Jungs entfernt stehen. Zuerst dachte Helle, die Dame traut sich vielleicht nicht am Wachhund des Guesthouses vorbei, der an einer Kette nur wenige Meter neben Ihnen angeleint war, deshalb erklärte er der Lady, dass der Hund ungefährlich ist und dass sie ruhig vorbei gehen kann.
Doch anstatt vorbei zu gehen kam die Dame zu den Jungs und stellte sich hinter den Stuhl, auf dem Helle saß und stand da sage und schreibe 20 Minuten ohne etwas zu sagen, oder sich zu bewegen. Helle war zwar leicht irritiert, aber da die Dame offensichtlich nicht wirklich Englisch sprach, konnte er sie auch nicht fragen, was sie denn eigentlich will. Irgendwann wurde es der Dame dann scheinbar aber doch zu fad und sie fing an, an Helles Ärmel zu zupfen, von wegen er solle doch jetzt mal mit ihr "mit" gehen. Ja wie jetzt, wohin mitgehen denn bitte und warum!? Zuerst wollte die Dame mit Ihm in unser Guesthouse gehen, daraufhin erklärte ihr Helle in bayrisch, dass da seine Freundin drin wäre, Zitat „de spinnt dann wieda“. Dann wollte die Dame in die Ecke gehen, in der der Wachhund liegt. Auch keine gute Idee, „der stinkt aso“. Zu guter Letzt wollte sie dann in den schmalen Gang, der zwischen der Hauptstraße und dem Hinterhof unseres Guesthouses liegt. Da aber Helle auch da nicht mit ihr hin wollte („der Bodn is so sauhiart“), ist sie schließlich beleidigt abgezogen. Im Nachhinein können wir uns diesen merkwürdigen Besuch nur so erklären, dass sich einige Shops neben unserem Guesthouse ein „Massagesalon“ befindet, von dem wir bereits vorab vermutet hatten, dass der mehr als nur normale Massagen anbietet… und die Besitzer haben mit Sicherheit mitbekommen, dass gleich um die Ecke drei junge Männer wohnen, da haben sie Abends wohl mal eine freundliche Masseuse vorbei geschickt… Also Sachen gibt´s! :-)



Heute ist es endlich soweit und wir können unser Thailand-Visum beantragen. Wir stehen extra ganz früh auf, so dass wir nicht lange anstehen müssen…

Doch als wir um die Ecke unseres Guesthouses biegen und in Richtung der Thai-Botschaft blicken, trifft uns fast der Schlag! Es ist etwa 7 Uhr morgens, die Botschaft macht um 8 Uhr auf, doch bereits jetzt steht eine riesige Schlange von Touristen vor den Toren der Botschaft und wartet auf Einlass! *ahahah* Na das kann ja heiter werden!


Aber es hilft nicht uns so stehen wir uns zusammen mit den anderen Touris erst mal gut 2 Stunden die Füße platt, bevor wir endlich an der Reihe sind…

Lange Schlangen vor der thailändischen Botschaft in Vientiane/Laos

Bei uns und Heiko gibt es keine Probleme bei der Abgabe unserer Visaanträge und unserer Pässe, nur Jannick hatte seine beiden Passfotos für den Antrag auf so eine winzige Größe zusammen gestutzt (und dazu auch noch übelst schief geschnitten *g*), dass die Schalterbeamten nicht damit einverstanden sind. So musste er noch einmal raus auf die Straße und bei einem der unzähligen Ständen mit mobilen Kopierern und sogar Fotostudios, die sich bereits am frühen Morgen vor der Botschaft aufgebaut hatten, neue Passfotos zu machen. Also eines muss man den Laoten schon lassen, geschäftstüchtig sind sie auf jeden Fall (zumindest manchmal), oder wer würde in Deutschland auf die Idee kommen, einen fahrbaren Kopier- und Fotoladen zu eröffnen und sich damit vor ausländische Botschaften stellen? :-)
Wir müssen pro Nase 1.000 Thailändische Bath (nein, die nehmen hier keine laotische Währung, nur Thai-Bath!) berappen und bekommen eine Nummer, mit der wir am Nachmittag des Folgetages unsere Pässe wieder abholen können.
So heißt es also nochmal einen Tag warten… da das Internet in unserem Guesthouse bereits am zweiten Tag den Betrieb eingestellt hatte und trotz mehrmaliger Nachfrage beim Besitzer nicht wieder funktionieren wollte, sitzen wir den restlichen Tag in einem nahegelegenen Internetcafe.



Eigentlich hatten wir gehofft, dass die Nachmittagsschlange vielleicht etwas kleiner ist als die am Morgen des Vortages, doch Pustekuchen, auch heute müssen wir uns wieder gut eineinhalb Stunden die Beine in den Bauch stehen, bevor wir endlich unsere Pässe von der Thaibotschaft abholen können! :-/

Es ist schon später Nachmittag, als wir endlich in Vientiane los kommen, doch wir wollen heute unbedingt noch bis Vang Vieng kommen, da uns unser auslaufendes Laos-Visum etwas im Nacken sitzt und so haben wir heute nur Zeit für ein paar schnelle Fotos von der wirklich beeindruckenden Landschaft hier im südlichen Bereich von Nordlaos.


Leider liegt immer wieder jede Menge Kies auf der Straße, vor allem in den Kurven, und so müssen wir die letzten Kilometer bis Vang Vieng im Dunkeln fahren, was uns bei diesen Straßenverhältnissen und dem chaotischen asiatischen Verkehr hier gar nicht gefällt… Dafür werden wir in Vang Vieng schnell fündig und checken in einem netten Guesthouse mit großem Garten ein, in dem wir unsere Motorräder sicher parken können und breiten uns erst mal in unserem Zimmer aus.



Am Morgen sind wir schon früh auf den Beinen, denn die Jungs wollen unbedingt „tuben“, d.h. mit einem aufgeblasenen LKW-Schlauch einen Fluss herunter fahren. Wäre ja an sich noch nicht so außergewöhnlich, doch Vang Vieng ist berühmt-berüchtigt für die Unmengen von Bars und Attraktionen, die den geneigten Tubern am Ufer des Flusses zur Verfügung stehen, um sich sinnlos (Völkerverständigung sagen die Jungs dazu) zu betrinken.
Bevor wir uns dieses Spektakel allerdings geben, schlendern wir noch ein wenig durch Vang Vieng und gönnen uns erst mal ein ordentliches Frühstück, denn eine ordentliche Unterlage muss schon sein! :-)


Leider haben wir vom anschließenden Tuben keine Fotos, da unsere Kamera dieses Spektakel sicher nicht überlebt hätte. Um das Ganze mal kurz in Worte zu fassen: Hunderte betrunkener Touris. Bars mit unglaublich lauter Musik an beiden Seiten des Flusses. Immer wieder Wasserrutschen, Sprungtürmen und sonstigen halsbrecherischen Angebote und alle paar Meter ein Barbesitzer, der die im LKW-Schlauch vorbei schwimmenden Touris mit einer mit Sand gefüllten Plastikflasche bewirft, um die ein Seil gebunden ist, mit der sich der Touri dann zur Bar seiner Wahl ans Ufer ziehen lassen kann.
Fazit nach einem Tag Tubing: Bea war die einzige, die mit ihrem Reifen das Ziel in Vang Vieng erreicht hat, nachdem sie bereits Stunden zuvor den Rest der Mannschaft verloren hatte. Helle hatte irgendwann beschlossen, die Fahrt abzubrechen und mit einem Tuk Tuk zurück zu fahren, da Jannick so betrunken war, dass er ständig durch seinen Reifen gerutscht war und fast abgesoffen wäre und Heiko, der als erstes verloren ging, hatte irgendwann festgestellt, dass es schon dunkel wird und er noch nicht mal die Hälfte der Strecke geschafft hatte, da ihn die einzelnen Bars einfach nicht loslassen wollten und so beschloss auch er, mit einem Tuk Tuk zurück nach Vang Vieng zu fahren.
In Vang Vieng angekommen ist Bea gerade dabei, ihren Tube zurück zu geben, da laufen ihr Helle und Jannick über den Weg. Da Jannick schon fast nicht mehr stehen kann, führen wir ihn erst mal zurück zu unseren Bungalows. Da sich Heiko und Jannick ein Zimmer teilen und von Heiko weit und breit keine Spur ist beschließen wir, Jannick erst mal in unser Zimmer zu verfrachten, während wir noch mal los gehen, um zu Abend zu essen.
Irgendwann später trudelt auch Heiko ein und wir können Jannick zurück in sein Zimmer verfrachten, bevor wir ziemlich k.o. in die Betten fallen!



Am Morgen wird erst mal Inventur gemacht, welche Spuren der letzte Tag an den einzelnen Tubing-Teilnehmern unserer Mannschaft hinterlassen hat. Hier das Fazit:
Bea: im Gegensatz zu ihren Malheuren beim Motorradfahren ist sie unbeschadet und frei von Kopfschmerzen! :-)
Helle: Starker Kopfschmerz, allgemeine Verwirrtheit, Ganzkörperschmerzen, ein riesiger, tiefer Kratzer am Rücken, den er sich am Ventil seines LKW-Reifens zugezogen hatte.


Jannick: Starker Kopfschmerz, allgemeine Verwirrtheit , Ganzkörperschmerzen
Heiko: Starker Kopfschmerz, allgemeine Verwirrtheit , Ganzkörperschmerzen und ein vermutlich gebrochener kleiner Zeh. Auf jeden Fall ein sehr ungesund aussehender kleiner Zeh. :-)

Tubing in Laos und seine Folgen

Generell gefällt uns Vang Vieng – mal abgesehen vom Tuben, das für die Männer ein wahres Erlebnis war – nicht so gut. Überall in den Restaurants sind riesige Flachbildschirme angebracht auf denen den ganzen Tag Serien wie „Die Simpsons“ und „Friends“ laufen. Außerdem fallen bereits am Nachmittag schon Horden betrunkener Touris durch die Stadt und grölen herum… Furchtbar!



Dafür werden wir auf der Strecke von Vang Vieng nach Luang Prabang mit feinstem Bergpanorama, einer super Aussicht, sehr ursprünglichen Dörfern und einer, mal abgesehen von etlichen Schotterpassagen, Schlaglöchern und Baustellenabschnitten, wirklich netten und kurvigen Bergstrecke verwöhnt! :-)


Irgendwann fordert die Strecke (oder das Tuben) auch ihren ersten Tribut! ;-)

An einem Aussichtspunkt mitten in den nordlaotischen Bergen bietet sich uns ein fantastischer Ausblick über die unglaublich weite, in den verschiedensten Grüntonen leuchtende Landschaft.


Und egal, wo wir anhalten, um eine kurze Pause zu machen, wir sind ständig umringt von kleinen Kindern und Bea kommt mit dem verteilen von Bonbons an die ganzen Knirpse oft gar nicht mehr nach! :-)


Außerdem treffen wir (laut Helle zumindest) Verwandte von Bea am Straßenrand…

(das Helle diese Aussage zu büßen hatte, versteht sich im Übrigen von selbst! *g*)
Desto höher uns die Straße in die Berge hinauf führt, desto kühler wird es. Irgendwann sind wir so weit oben, dass wir in eine dichte Wolkenbank eintauchen und unsere Sicht fast gegen Null geht.


Gott sei Dank führt die Straße nach etwa einer Stunde wieder Richtung Tal und man merkt sofort, wie es gleich wieder deutlich wärmer wird und auch der Nebel nachlässt. Jetzt wird auch die Straße wieder merklich besser und es gibt Kurven satt, was das Fahren zu einem wahren Vergnügen werden lässt! :-)


Im Tal kommen uns plötzlich zwei große Motorräder entgegen. Es stellt sich heraus, dass die beiden aus Kuala Lumpur sind und gerade eine zweiwöchige Tour durch Thailand, Laos und Kambodscha drehen. Dr. Rohan (www.ninja650tourer.blogspot.com) und Han (www.tayargolek.com) sind die ersten beiden Biker, die wir in Laos treffen und so tauschen wir Straßeninfos und Erfahrungen aus. Außerdem laden uns die beiden ein, sie in KL zu besuchen, wenn wir in Malaysia sind. Wir tauschen Emailadressen und Handynummern aus und freuen uns schon, die beiden in KL wieder zu treffen!


Am Abend checken wir in ein schon etwas herunter gekommenes Hotel in Oudom Xay ein und machen uns erst mal auf die Suche nach einer Fresschen-Bude, denn wir haben seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Wir werden nach einigem Suchen auch fündig und lassen uns in einer der typisch laotischen Nudelsuppen-Küchen nieder. Da es mit der Verständigung mal wieder nicht so ganz klappen will, erobern wir, wie bereits öfters in Laos geschehen, kurzerhand die Küche und erklären der etwas verdutzt drein blickenden Köchen, was wir für Zutaten haben wollen und dass sie alles zusammen in einer Pfanne samt Ei für uns anbraten soll. Na bitte, geht doch! :-)
Außerdem stattet Jannick dem gegenüber des Hotels liegenden Copy-Shop einen Besuch ab und fragt dort nach, ob sie auch etwas ausdrucken könnten. Antwort: Ja, ja. Nächste Frage: Wie lange hat der Shop geöffnet? Antwort: bis 18 Uhr. (Nur zur Info, zu dem Zeitpunkt war es ca. 17 Uhr). Also startet Jannick zurück ins Hotel und holt seinen USB-Stick, um einige benötigte Dokumente ausdrucken zu lassen, doch was nun… der Shop hat zu! 17:10 Uhr und der Shop hat zu!!! Zufällig trifft Jannick den Angestellten, mit dem er keine 10 Minuten vorher gesprochen hatte, auf der Straße wieder. Auf die Frage, warum der Shop nun doch schon zu hat obwohl es keine 10 Minuten vorher noch hieß, der Laden hätte bis 18 Uhr geöffnet, entgegnet der Laote nur: „Boss called. Now closed.“
Okay…
Angeblich macht der Shop aber am nächsten Morgen bereits um 6 Uhr auf und Jannick soll da einfach wieder kommen… ja, ja, klar…



Kurz vor 9 Uhr morgens. Prüfender Blick aus der Hotellobby in Richtung Copy-Shop auf der anderen Straßenseite. Geschlossen. War klar…
Auch auf den letzen Kilometern bis zur Grenze werden wir noch einmal mit einigen tollen Einblicken in das noch so ursprüngliche Leben der Einheimischen hier oben im bergigen laotischen Norden verwöhnt.


Nur eine Sache irritiert uns dann doch noch ein wenig, denn seit wir in der Bergregion im Norden von Laos sind sehen wir jeden Tag Menschen mit Gewehren herum laufen. Wir hatten nie Probleme oder fühlten uns bedroht, doch konnten wir auch nicht herausfinden, warum hier so viele Leute bewaffnet sind. Dienen die Gewehre nur zu Jagdzwecken, sind die Leute Mitglieder irgendwelcher Armeetruppen?

 Man weiß es nicht… Am späten Vormittag ist es dann so weit, wir erreichen Huan Xai, die Grenzstadt zwischen Laos und Thailand. Da der Mekong die Grenze zwischen Laos und Thailand bildet müssen wir uns nun erst mal auf die Suche einer Möglichkeit machen, eben diesen zu überqueren, die Brücke, die in unserer Landkarte eingezeichnet ist, befindet sich laut den Einheimischen schon seit Jahren im Bau, ob sie aber jemals fertig gestellt wird, ist fraglich… (um ehrlich zu sein konnten wir eigentlich nicht einmal erkennen, ob überhaupt schon angefangen wurde und wenn ja, wo… *g*)


Nachdem wir zuerst etwas planlos durch Huan Xai kurven, finden wir dann doch irgendwann den Anlegeplatz
(N 20°17.136`E 100°24.384`), in dem die Autofähre anlegt, die hier zwei- oder dreimal täglich zwischen dem thailändischen und laotischen Ufer verkehrt.


Da aber weit und breit niemand ist, der irgendwie ausschaut, als gehöre er zur Fähre, versuchen wir unser Glück einfach mal bei den kleinen Häuschen, die neben der Anlegestelle stehen und die – mehr oder weniger zumindest – wie Behördengebäude aussehen und tatsächlich, wir haben zumindest den Zoll gefunden! :-)
Doch leider erklärt man uns, dass gerade Mittagspause ist, und dass wir gut eine Stunde warten müssten. Na super, also warten wir, und warten, und warten…

Warten auf die Fähre zwischen Laos und Thailand

Irgendwann beenden die Beamten dann ihre „Mittagspause“ (Bier trinken und Karten spielen, Männer eben…) doch mal und wir können unsere temporären Zollpapiere abgeben. Auf die Frage nach einer Quittung oder sonstiger Bestätigung, dass wir die Motorräder ordnungsgemäß wieder ausgeführt haben, werden wir nur mit großen Augen angeschaut, gibt´s hier nicht! Okay, dann nicht...
Auf die Frage, wo denn die Immigration ist, wo wir unsere Pässe ausstempeln lassen können, werden wir erst recht mit großen Augen angeschaut. Immigration!? Gibt´s hier nicht! Ja wie jetzt!? Wir müssen doch irgendwo unsere Pässe stempeln lassen!
Es dauert eine ganze Weile und etliche Nachfragen, bis wir kapieren, wo das Problem liegt. Es ist nämlich so, dass es an der Anlegestelle für die Autofähre wohl kein Immigration-Büro gibt, sondern nur an der Anlegestelle für die normalen Personenboote. Die ist aber ca. 2 km entfernt mitten in der Stadt. Na super! :-/ Also wir wieder rauf auf die (mittlerweile ja eigentlich gar nicht mehr in Laos registrierten Motorräder) und zurück ins Stadtzentrum von Huan Xai gedüst. Es dauert dann natürlich ewig, bis wir das scheiß Büro finden (N 20°16.594`E 100°24.652`), denn es ist in einer winzigen Gasse direkt am Ufer des Mekong und wir finden es nur durch zigmaliges Nachfragen bei den Einheimischen… *nerv*

Endlich in der Immigration geht aber alles ganz schnell und man stempelt unsere Pässe ohne zu kontrollieren, ob wir danach wirklich auf die Personenfähre gehen und so können wir ohne Probleme wieder quer durch die Stadt zurück zur anderen Anlegestelle düsen.

Fähre in Huan Xai

 Das muss man sich eigentlich schon mal auf der Zunge zergehen lassen, wir fahren – ganz offiziell betrachtet - ohne gültige Zollpapiere und ohne ein gültiges Visum einfach so durch die Gegend… schon verrückt! Zurück im Pier kommt dann endlich die nächste Fähre von Thailand herüber geschippert und wir hoffen, dass wir nach geschlagenen 4 Stunden „Kampf“ mit der chaotischen laotischen Bürokratie endlich nach Thailand übersetzten können! Und dann ist es endlich so weit, nach gut 2 Monaten durch Kambodscha und Laos fahren wir am Montag den 12.12.2011 auf die Fähre, die uns über den Mekong und zurück nach Thailand bringt.


Wir freuen uns schon sehr, Thailand nun endlich auch mal auf 2 Rädern entdecken zu können und sind schon sehr gespannt, was uns auf unserem Weg nach Süden erwartet!


An dieser Stelle möchten wir unseren beiden Reisebegleitern Heiko & Jannick ganz herzlich danken, dass wir einige ihrer Fotos für unseren Reisebericht verwenden dürfen!



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