Australien #8 - Ungebetene Gäste!

Der Wecker klingelt um 6 Uhr morgens. Bea ignoriert ihn. Helle weckt sie auf. Wie immer. :-/
Wir wollen die kühle Morgenluft nutzen um ein weinig Offroad-Training für Bea zu machen. Helle ist hoch motiviert und schraubt schon die Koffer von den Motorrädern, als Bea endlich aus dem Zelt kriecht. Sie ist nicht sehr motiviert und immer noch total verschlafen, aber es hilft nicht, später ist es wieder brütend heiß, da ist die Motivation dann noch geringer.
Die „Gravel Road“ zwischen Armidale und Kempsey ist perfekt zum Üben und so verbringen wir einen großen Teil des Vormittags damit, die Strecke auf und ab zu fahren, verschiedene Brems- und Driftmanöver auszuprobieren, das Motorrad kontrolliert blockieren und rutschen lassen… so ganz ohne Gepäck ist das natürlich relativ einfach, wäre schön, wenn das Handling unserer Bikes immer so einfach von der Hand ginge. Nur die Trommelbremse „Marke Vorkriegsmodell“ mit der Bea´s „Dicke Rosi“ ausgestattet ist, will trotz massivem auf die Hinterradbremse steigen einfach nicht richtig blockieren… So viel also zum Thema Bremskraft einer 23 Jahre alten Trommelbremse. :-)

Zurück am Zeltplatz entledigen wir uns erst mal wieder unserer Klamotten, denn die Sonne knallt nur so runter und es ist trotz der morgendlichen Stunde schon wieder extrem heiß. Auch die Fliegen sind heute Morgen wieder mal mehr als lästig. Ob das wohl an den frischen Kuhfladen neben unserem Zelt liegt? :-)
Deswegen heißt es dann auch schnell Zelt abbauen, Koffer wieder montieren, aufpacken und dann nichts wie ab nach Kempsey. Bevor wir losfahren springen wir aber noch mal schnell ins kühle Nass des Macleay River um uns etwas abzukühlen, bevor wir in unsere Kombis schlüpfen.


Die restlichen 50 km „Gravel Road“ Richtung Kempsey sind auch in gutem Zustand. Es geht teilweise direkt am Macleay River entlang, teilweise wieder durch den Wald. Einige Stellen sind frisch gegrädert und so staubt es mächtig und wir sauen unsere Bikes und uns selbst ganz schön ein. Irgendwann sind unsere Visiere schon so staubig, dass wir kaum mehr etwas erkennen.


Auf einem schönen geraden Stück – Bea ist recht flott unterwegs – fliegt plötzlich ein großer Vogel aus dem Gebüsch und kracht direkt seitlich in Bea´s „Dicke Rosi“. Der Schreck ist aber größer als der Schaden – zumindest was das Motorrad betrifft, dem fehlt nämlich nichts. Nur der Vogel hat den Zusammenstoß leider nicht überlebt und liegt zwischen einigen verlorenen Federn im Straßengraben. Der Arme.

Leider nicht das einzige Todesopfer auf der Strecke, nur ein paar Kilometer weiter entdeckt Helle einen richtig großen Waran am Straßenrand, doch auch er ist leider überfahren worden.

In dem kleinen Örtchen Bellbrook hat uns der Asphalt dann wieder und wir kehren erst mal in einem winzigen Laden ein, wo wir uns mit Steckerleis und eisgekühltem Wasser eindecken. Was für eine Wohltat!
Nach einer kurzen Verschnaufpause auf der schattigen Veranda des Ladens fahren wir weiter nach Kempsey.
Auf dem Weg fängt es plötzlich an zu donnern und düstere Wolken verhängen den Himmel und so lassen auch die ersten Regentropfen nicht lange auf sich warten. So düsen wir schnell nach Kempsey wo wir uns im Supermarkt mit einigen Leckereien eindecken, denn wir können die nächsten Tage bei dem Deutschen Eckhard bleiben, den wir vor einigen Wochen durch Zufall auf einem Oldtimer-Motorradtreffen kennengelernt haben. Eigentlich ist Eckhard gar nicht da, denn er ist in Sydney seinen Sohn und einige Bekannte besuchen, doch wir dürfen trotzdem bei ihm wohnen, was sehr nett ist. Wir räumen schnell unser Zeug unter die Veranda bevor es auch schon zu regnen beginnt.

Dann checken wir nach 4 Tagen ohne Internetempfang mal wieder unsere Emails – über 20 ungelesene Mails, ujujui, da wartet Arbeit auf uns!
Abends machen wir uns lecker Tiefkühlpizza, so einen Luxus gibt´s bei uns nur selten, sortieren noch unser umfangreiches Foto- und Videomaterial der letzen Tage und machen es uns dann auf der Couch gemütlich und schauen eine DVD an, bevor wir uns mit unseren Isomatten und Schlafsäcken auf dem Wohnzimmerboden gemütlich machen.




Bereits um 7 Uhr klingelt der Wecker, denn heute soll es weiter gehen Richtung Blue Mountains. Nach einer Runde Kaffee und einem leckeren Frühstück packen wir unsere Bikes. Außerdem richten wir Eckhard noch ein kleines Weihnachtsgeschenk – eine Flasche Rotwein, seine Lieblingskekse, eine Kerze, ein paar schöne Steine, die Helle am Macleay River gefunden hatte sowie einen kleinen Nadelzweig – auf dem Küchentisch her und legen ihm seinen USB-Stick, auf dem wir ihm einige Bilder und ein Video mit Weihnachtgrüßen von uns gespeichert haben, zurecht.

Dann geht es aber endlich los und wir fahren vorbei an einem riesigen geschmückten Weihnachtsbaum, der im Zentrum von Kempsey steht in Richtung Supermarkt, wo wir noch etwas zu Essen für die nächsten Tage kaufen wollen.

Außerdem will Helle im „Big W“ ,einer Mischung aus Baumarkt, Elektromarkt, Supermarkt, Wäschegeschäft und Gruscht-Laden, noch eine kleine Foto-Tasche kaufen, in der unsere GoPro´s in Zukunft sicher untergebracht sind, wenn wir sie nicht montiert haben, so dass die empfindlichen Linsen nicht verkratzen. Wir sind gerade dabei die neu gekauften Dinge auf unseren Motorrädern zu verstauen, als uns plötzlich ein Typ anspricht. Es stellt sich heraus, dass er von der lokalen Tageszeitung ist und dass ihm unsere voll bepackten Bikes aufgefallen sind und nun ist er interessiert am woher & wohin, schießt ein paar Fotos von uns und will sogar einen Artikel in der Zeitung über uns bringen. Na da sind wir aber mal gespannt! :-)

Außerdem treffen wir auf einige „Santa´s“ die scheinbar schon erste Geschenke verteilen! :-)


Dann noch schnell die Maschinen betankt und schon kann es los gehen in Richtung Süden. Schon ist gut, es ist mittlerweile schon früher Nachmittag, aus unserem Plan, heute mal etwas früher los zu kommen, ist – wie (fast) immer – mal wieder nichts geworden. :-) Das Wetter ist wechselhaft und es ziehen einige bedrohlich dunkle Wolken über uns hinweg, doch noch regnet es Gott sei Dank nicht. Nach gut 100 km meldet sich Helle bei Bea über´s Headset und fragt, ob sie unser Telefon eingesteckt hat. Natürlich nicht, ist das Telefon doch Helle´s Aufgabe und wohnt seit Reisebeginn in seinem Tankrucksack. Die Frage, ob er es denn nicht hat, ist überflüssig, die Antwort lautet nämlich nein. Na super! Jetzt haben wir das Ding doch glatt bei Eckhard liegen lassen. Wir hatten es am Morgen noch schnell zum Laden angesteckt und nun sind also nicht nur das Telefon sondern auch unser USB-Ladekabel und unser Australien-Steckdose-Adapter bei Eckhard. *ahahaha*
Es hilft alles nichts und so drehen wir zähneknirschend um und fahren die gut 100 km zurück nach Kempsey.
Als wir in den Weg zu Eckhards Haus einbiegen ist die Überraschung groß, steht doch Eckhards Auto samt Camper-Trailer in der Einfahrt. Er ist wiedererwartend doch schon einen Tag früher nach Hause gekommen. Nach einer kurzen Begrüßung erzählt er uns, dass er uns auf der Strecke von Kempsey Richtung Süden sogar entgegengekommen ist, wir hatten ihn aber wohl nicht gesehen. Da es sich eigentlich schon fast nicht mehr rentiert, heute noch einmal aufzubrechen fragen wir ihn, ob es ihm recht ist, wenn wir die Nacht noch bleiben und da er natürlich nichts dagegen hat, verbringen wir einen sehr netten Nachmittag mit ihm.

Redback Spider - Australien

Unter anderem erzählen wir ihm, dass wir am Vortag eine große schwarze Spinne unter seiner Fensterverkleidung haben hervorkriechen sehen. Eigentlich hatte es sich Helle auf der vor dem Fenster befindlichen Bank bequem gemacht und als er sich gerade nach hinten räkeln will, sieht Bea diese große, schwarze Spinne an der Wand hinter ihm herumkriechen. Vor lauter Schreck hatte sie ganz laut „Hilfe“ und „Spinne“ gerufen, so das Helle fast von der Bank gefallen wäre
vor Schreck! :-) Da wir uns nicht sicher waren, ob es sich bei der gesichteten Spinne um die gefährliche und sehr giftige „Redback Spider“ handelt, holt Eckhard lieber eine Dose Insektengift und sprüht damit den ganzen Fensterrahmen ein und siehe da, nach einigen Minuten kommt doch tatsächlich eine der berüchtigten Rotrückenspinnen unter der Abdeckung hervor gekrabbelt!


Da der Biss dieser Spinne extreme Schmerzen bis hin zu Atemlähmungen und somit den Tod verursachen kann, wenn nicht zeitnah ein Antivenom gegeben wird, beschließen wir das Tier sicherheitshalber zu töten. An sich ist diese Spinnengattung nicht aggressiv oder angriffslustig, aber wer würde schon gerne seine Fensterbank mit so einem Tierchen teilen?
Nach diesem Erlebnis gehen wir lieber zum gemütlichen Teil des Tages über, erzählen uns gegenseitig von den Erlebnissen der letzten Zeit, kochen ein leckeres Essen und schauen uns zusammen unsere Weihnachts-Video-Botschaft an, die Eckhard sichtlich freut.

Während wir so da sitzen und auf den Computermonitor schauen, tippt Helle Bea plötzlich an der Schulter und zeigt, ohne ein Wort zu sagen, in Richtung Fenster. Helles Finger mit den Augen folgend erspäht Bea auch sofort, auf was Helle da zeigt, am Fensterrahmen etwa 1 m von uns entfernt sitzt eine – im Vergleich zur Spinne von heute Nachmittag geradezu gigantische – „Huntsman Spider“! Diese sehr häufig in Australien vorkommende Spinne ist jedoch völlig ungefährlich, ungiftig und nicht schlimmer als ein gewöhnlicher Weberknecht. Nur das sie eben viel, viel größer ist. Zum Vergleich haben wir mal einen Kugelschreiber neben das Spinnentier - das laut Eckhard noch ein kleines Exemplar ist - gehalten. Unser Exemplar hier ist handteller-gross, ausgewachsen allerdings erreichen diese Tiere die Grösse einer Wanduhr und auch ein Biss dieser äussert friedlichen Tiere soll schmerzhaft sein. Helle hatte ja zuvor schon einmal einen derartigen blinden Passagier auf seinem Motorrad. Auch hier hielt sich die Begeisterung milde ausgedrückt in Grenzen.

Huntsman Spider - Australien

Wir haben allerdings so langsam genug von Spinnen (vorallem in unserem Schlafzimmer) und so fangen wir diese Riesenkrabbenspinne mit Hilfe eines leeren Eimerchens ein und befördern sie schnurstracks nach draußen.
Dank Eckhards Mini-Plastik-Tannenbaums kommt sogar ein wenig Weihnachtsstimmung auf und spätestens als Bea als Rentier verkleidet die Wohnung unsicher macht, fühlen wir uns fast wie Zuhause! ;-)


Dann heißt es aber ab ins Bett, denn wir haben Morgen eine Marathon-Strecke von gut 600 km in die Blue Mountains vor uns, wo wir uns mit Helles Cousin und seiner Freundin für den morgigen Abend zum Zelten verabredet haben.



Der Wecker klingelt um 6 Uhr und Bea kriecht ganz tapfer aus dem Schlafsack, macht sich fertig und kocht schon mal Kaffee, während auch Helle aus dem Schlafsack kriecht. Eckhard macht uns noch einen leckeren Früchteshake, dann packen wir – mal wieder – unsere Motorräder auf und starten – nun aber endgültig – in Richtung Blue Mountains. Das Wetter ist wie am Vortag wechselhaft und nach gut einer Stunde Fahrt fängt es dann auch zu tröpfeln an und so schmeißen wir uns schnell in unsere Regenkombis. Nach einer gut einstündigen Regenfahrt hört es dann aber Gott sei Dank wieder auf und wir können uns wieder ausziehen, denn kaum hat es aufgehört zu regnen, wird es wieder richtig warm. Wir stoppen nur kurz an einer Tankstelle am Highway um einen Kaffee zu trinken und ein paar Müsliriegel zu essen um dann mit neuer Energie die weitere Strecke – alles nur Highway und echt öde – in Angriff zu nehmen. Es ist schon später Nachmittag als wir in Richtung Blue Mountains abbiegen und den langweiligen Highway endlich hinter uns lassen. Doch wer denkt, wir sind nun fast da, der hat weit gefehlt, das Verkehrsschild zeigt nochmal gut 270 km! :-(
Die sogenannte „Bells Line of Road“ durch die Blue Mountains ist wirklich toll, es gibt jede Menge herrlich geschwungene Kurven, der Asphalt ist meist in gutem Zustand und die Aussicht wirklich spitze und so sollten wir die Fahrt eigentlich genießen. Sollten, genau, denn nach über 500 km am heutigen Tag und immer stärker werdenden Hinterteilschmerzen und Temperaturen von nur knapp über 10 Grad hier in den Bergen, genießen wir leider eigentlich nur noch den Gedanken, möglichst bald in Lithgow, unserem heutigen Tagesziel, anzukommen. :-)


Der weitere Straßenverlauf führt durch einige kleine Ortschaften in den Bergen, die nicht nur durch eine grandiose Landschaft und Aussicht, sondern auch durch riesige Anwesen, prunkvolle Gärten und viele Autos in den Einfahrten bestechen. Hier scheint wohl eher die High Society zu residieren.
Kurz vor der Dämmerung kommen wir dann endlich in Lithgow an. Im örtlichen Supermarkt kaufen wir noch schnell Grillwürstchen, Salat, Brot und Wein für uns und Helles Cousin sowie Freundin, die heute Abend ebenfalls noch mit dem Zug aus Sydney eintreffen werden. Dann checken wir am örtlichen Campingplatz ein, der zwar optisch kein Highlight, mit 20 AUD pro Nacht aber preislich zumindest ganz okay ist und außerdem nur ein paar Minuten vom Bahnhof entfernt liegt, wo Helle heut noch unseren Besuch abholen muss. Es ist bereits stockfinster als Bea das Abendessen zubereitet während Helle mit beiden Helmen ausgerüstet, los fährt in Richtung Bahnhof, um unseren Besuch abzuholen.

Als erstes bringt er Katha, die zusammen mit Bea schon mal ihr Zelt aufbaut, bei der zweiten Runde dann seinen Cousin Marius. Der hat im übrigen Bea´s Helm fast nicht über seinen Kopf gebracht und hat nun ganz rote Ohren, weil es ihm die unterm Helm so lustig verbogen hat! :-)


Zusammen machen wir dann ein gemütliches BBQ und trinken das eine oder andere Gläschen Rotwein. Wir haben außerdem einen neuen Freund, den dicken Hund aus der Nachbarschaft und machen mit der kleinen Wurst so lustige und unsinnige Dinge wie „Gesichts-Swop“. Was das ist? Jeder mit einem Smartphone kann sich ja mal die gleichnamige App runter laden! :-) Leider ist es ziemlich kalt und feuchter Nebel kriecht durch unser Gewand, so wird schnell alles feucht und wir beschließen einstimmig, ins Bett bzw. Zelt zu kriechen. Es liegen ja noch zwei weitere Campingtage zusammen mit Marius & Katha vor uns und wir freuen uns schon sehr darauf.



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Infos am Rande
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Route:
Georges Junction - Kempsey - Taree - Kempsey - Taree - Raymond Terrace - Maitland - Branxton - Bulga - Colo Heights - Kurrajong - Lithgow - Lake Lyell - Katoomba - Lake Lyell

Gefahrene Kilometer von Burghausen: 47.949 Km

Spritpreis: 1,14 € (E10/ 91 Oktan)
         
Währung: Australischer Dollar

Ortszeit: + 10 Stunden (Sommerzeit)

Transport: -

Probleme mit den Motorrädern: -
 
Stürze/ Umfaller: -

Gesundheit/ Verletzungen: -


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