Kambodscha - Ein Land mit vielen Facetten

Am nächsten Tag wollen wir unsere Reifen wechseln, doch leider lässt sich in ganz Siem Reap kein (Auto-)Reifenhändler finden, der bereit ist, uns an seine Reifenmontiergerät zu lassen und so beschließen wir irgendwann relativ entnervt doch selbst Hand anzulegen. Bei subtropischen Temperaturen ist das allerdings so gar kein Spaß! Wenigstens dürfen wir die Fläche vor einem der Shops nutzen und der Sohn des Hauses sowie einige andere herumstehende Männer (keine Ahnung, ob die zu dem Shop gehören oder nicht!?) erbarmen sich dann sogar und legen auch kräftig mit Hand an! :-)


In der Zwischenzeit hat sich schon eine Menschentraube um uns, unsere fleißigen Helfer und unsere Bikes gebildet, die alle ganz gespannt verfolgen, was wir denn hier treiben. Je nach Bedarf stellt sich auch mal einer der Zuschauer als Helfer zur Verfügung und so werkeln und schrauben gefühlte 10 verschiedene Kambodschaner zusammen mit Helle und Jannick an den Reifen herum.


In der Zwischenzeit macht sich Bea, die sich unbemerkt vor der körperlichen Arbeit drückt und nur als Foto- und Kamerafrau agiert, auf den Weg um den armen Männern eine kleine Stärkung zu holen!

Nach unglaublichen 4 Stunden in der prallen Mittagshitze haben wir es dann tatsächlich geschafft, alle Reifen sind gewechselt und wir können uns mit neuen Hufen auf den Weg zurück in unser Guesthouse machen, wo wir erst mal ganz dringend eine Dusche brauchen!

Als wir am späten Nachmittag frisch geduscht vor unserem Guesthouse sitzen und uns etwas von den Anstrengungen des Reifenwechselns erholen, trauen wir unseren Augen nicht, als plötzlich eine 990 KTM Adventure mit einem Pärchen darauf in die Einfahrt des Guesthouses rollt und als wir dann auch noch ein kleines, gezeichnetes Krokodil am Tank des Motorrades erkennen ist uns sofort klar, dass sind Aurel & Marion, ein französisches Pärchen, das ebenfalls auf Motorradweltreise ist und mit denen wir via Internet bereits Kontakt hatten. Dass sie heute nach Siem Reap kommen wollen, davon wussten wir allerdings nichts. 


Das ist eindeutig mal wieder ein klarer Fall von „die Welt der Motorradweltreisenden ist klein“! :-)

Leider haben wir total vergessen von den beiden ein Bild zu machen, deswegen gibt es nur eines ihrer KTM, umzingelt von unseren Hondas! :-) Am späten Abend trudelt dann auch noch Heiko, der BMW-Gespannfahrer aus Hamburg ein, den wir bereits in Bangkok auf ein Bier getroffen hatten. Er wartet gerade auf sein Gespann, das ebenfalls auf dem Weg von Vladivostok nach Bangkok ist und nutzt nun die Zeit um eine kleine Bus-Rundreise durch Kambodscha zu machen. Als wir ihm geschrieben hatten, dass wir im Moment in Siem Reap sind, hat er sich spontan entschlossen auch vorbei zu kommen und zusammen mit uns die Tempel zu besichtigen! :-)



Eigentlich würden wir ja gerne mit unseren eigenen Bikes zur Tempelanlage um „Angkor Wat“ fahren, aber wir haben nun schon mehrmals gelesen, dass die Mitarbeiter am Ticketschalter oftmals Probleme machen und keine fremden Fahrzeuge in die Anlage lassen. Die Seiteneingänge wiederum wären durchaus auch mit dem eigenen Motorrad passierbar, dafür brauchen wir aber wiederum erst mal die Tickets. So entschließen wir uns heute mit dem TukTuk zu fahren, einen 3-Tages-Pass für stolze 40 USD pro Person zu kaufen und es Morgen Früh dann einfach selbst zu probieren.
Und so schwingen wir uns zusammen mit Heiko und Jannick am Frühen Morgen auf eines der TukTuks des Guesthouses und fahren zu den Tempelanlagen von Angkor.


Bereits am Ticket-Schalter erwarten uns Horden von Touristen, die per Fahrrad, TukTuk, Mietauto oder sogar per Reisebus zu den Tempeln gekarrt werden und wir müssen uns in eine ewig lange Schlange reihen, um überhaupt mal Tickets kaufen zu können. Na das kann ja heiter werden, wenn es in der Anlage genau so zugeht…

Besucherströme in Angkor Wat/Kambodscha

Wir entschließen uns, nicht mit „Angkor Wat“, dem größten der Tempel zu beginnen, sondern wir wählen den „Petit Circuit“ d.h. den „kleinen Rundgang“ und beginnen ihn im Gegenuhrzeigersinn bei einem der kleineren Tempel, dem „Prasak Kravan“. Hier sind nur wenige Touristen und auch kaum Einheimische, die einem irgendwelche Souvenirs verkaufen wollen und so haben wir einen sehr entspannten Einstieg in die Tempelwelt, auch wenn der „Prasak Kravan“ kein besonders großer und beeindruckender Tempel ist.


Jetzt geht es erst einmal weiter zum berühmten Tempel „Ta Prohm“. Dieser Tempel ist noch nicht restauriert und von unzähligen Wurzeln durchzogen, was der Anlage seinen ganz besonderen Charme verleiht. Außerdem wurden hier Szenen des Kinofilms „Tomb Raider“ mit Angelina Jolie gedreht, was dem Tempel zusätzliche Berühmtheit verschaffte.


Leider ist der Tempel auch dementsprechend voll mit Touristen und es ist so gut wie unmöglich Fotos zu schießen, auf denen nicht gerade wieder irgendein Touri durchs Bild hopst… :-/
Dafür bekommt man hin und wieder aber auch so tolle Bilder wie dieses hier:

Was diese extrem aufgestylte Dame mit ihren Mega-High-Heels in einer Tempelanlage will, das haben wir allerdings nicht so recht verstanden… :-)
Im nächsten Leben werden wir im Übrigen auch TukTuk-Fahrer, denn während wir uns in brütender Hitze auf die einzelnen Tempel quälen, parkt unser Fahrer sein TukTuk im Schatten ab und macht ein kleines Schläfchen und in der restlichen Zeit muss er uns einfach nur von Tempel A zu Tempel B fahren.




Am nächsten Morgen quälen wir uns um 5 Uhr aus den Betten und schwingen uns auf unsere Bikes. Es ist noch relativ dunkel und der Nebel hängt tief und feucht in der Luft, als wir auf das Tempelgelände fahren.
Zu unserer Freude lassen uns die Ticket-Kontrolleure an einem der Seiteneingänge ohne Probleme rein und so fahren wir mit unseren Motorrädern direkt bis zum „Bayon“ dem ersten Tempel auf unserer heutigen Liste. Dieser Tempel ist besonders markant, da er insgesamt 37 Türme besitzt auf denen jeweils auf allen 4 Seiten steinerne Gesichter eingemeißelt wurden.

Bayon Tempel in der Tempelstadt von Angkor - Siem Reap

Achtung! Der „Baphuon“ und „Angkor Wat“ selbst sind die einzigen beiden Tempelanlagen, die NICHT mit kurzen Hosen (Knie müssen zumindest bedeckt sein) und schulterfreiem T-Shirt betreten werden dürfen! Bea hat zwar ein Spaghetti-Top an, da wir nicht mit einer speziellen Kleiderordnung gerechnet hatten, zum Glück hat Heiko aber ein langärmliges Sweatshirt dabei, dass er ihr leiht. Bea sieht darin zwar echt lustig aus, aber Hauptsache sie kann mit in die Tempel! :-)
Bevor wir uns allerdings in die Besuchermassen stürzen, brauchen wir erst mal eine Stärkung. Wir hatten heute Morgen nicht mal ein Frühstück, da noch alle Geschäfte geschlossen hatten und so gibt es erst mal „lecker“ Hähnchen und Frosch am Spieß.

Gegrillter Frosch am Spieß. In Kambodscha keine Seltenheit.

Oder vielleicht nehmen wir doch lieber Omelette und Toast, das scheint für unsere Europäischen Mägen wohl definitiv die bessere Wahl zu sein! :-)

Frisch gestärkt machen wir uns nun auf für die letzte Tempelanlage unseres heutigen Besichtigungsprogramms „Angkor Wat“. Diese Mitte des 12. Jahrhunderts gebaute Tempelanlage ist das größte sakrale Bauwerk der Welt. Es ist eine große Pyramide mit 3 Ebenen und 5 Türmen, die sich bis zu 65 m über dem Grund erheben und stellt einen Tempelberg dar, der dem hinduistischen Gott Vishnu gewidmet ist. Außerdem ist der gesamte Komplex von einem 1.300 x 1.500 Meter langen Schutzwall umgeben.


Angkor Wat in seiner vollen Pracht. Hier fehlt nur noch das Motorrad.

Nach zwei vollen Tagen Tempel-Marathon können wir ehrlich gesagt schon keine Tempel mehr sehen und so beschließen wir, nicht noch einen weiteren Besichtigungstag einzulegen sondern Morgen im Guesthouse zu relaxen, bevor es weiter geht Richtung Norden.
Außerdem verabschieden wir Heiko, der mit dem Nachtbus zurück nach Bangkok fährt, da nun auch sein Bike endlich angekommen ist. Wer weiß, vielleicht treffen wir ihn ja irgendwo in Südostasien wieder, dann aber mit Bike. Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt!



Als wir am Morgen zum Frühstück ins Restaurant des Guesthouses gehen, kommt einer der Mitarbeiter auf uns zu und erklärt Jannick in relativ schlechtem Englisch irgendetwas bezüglich unserer Motorräder. Als Jannick dann plötzlich große Augen bekommt, fragen wir, was los ist und er erklärt uns, dass wohl jemand in der Nacht versucht hat, über die Palmen in den Vorhof des Guesthouses einzusteigen um unsere Bikes zu klauen! Bei dieser Nachricht bekommen natürlich auch wir große Augen und wollen gleich checken, ob mit den Motorrädern auch alles in Ordnung ist und ob unsere Seitentaschen und Werkzeugkisten noch dran sind. Als wir da also so vor unseren Bikes stehen und alles überprüfen, kommt ein anderer Mitarbeiter des Guesthouses auf uns zu und wir fragen noch einmal nach, was denn da heute Nacht eigentlich genau vorgefallen ist. Doch im Gespräch stellt sich heraus, dass Jannick da irgendwas falsch verstanden hat, denn niemand wollte in der Nacht über die Palmen klettern und unsere Bikes klauen sondern die Kokosnüsse der Palmen sollen geerntet werden und deswegen müssen die Mitarbeiter jetzt auf die Palmen steigen. Da unsere Motorräder genau unter den Palmen stehen, befürchtet man nun, dass Kokosnüsse auf die Bikes fallen könnten und deswegen sollen wir sie weg fahren. Oh man, dass war mal totaler Fehlalarm! :-)
Wir brechen früh am Morgen auf, da wir heute bis nach Kratie kommen wollen. Das sind zwar nur gut 300 Kilometer, wenn man allerdings die kambodschanischen Straßenverhältnisse bedenkt ist das eine richtig ordentliche Tagesetappe.
Und so geht es wieder zurück auf dem Highway Nummer 6. Die Felder und Wiesen rechts und links der Straße stehen noch immer unter Wasser und so spielt sich auch diesmal das komplette Dorfleben wieder an der Straße ab.
Die Menschen schroten zum Beispiel mit Hilfe von prähistorisch anmutenden Quetschen das Getreide, bevor sie es zum Trocknen am Straßenrand ausbreiten.


Kurz nach Kampong Cham verlassen wir den Highway und biegen ab auf eine kleine Straße, die uns direkt an das Ufer des Mekong bringt. Hier ist weitaus weniger Verkehr als auf dem Highway und vor allem fahren hier keine dieser gemeingefährlichen Reisebusse und Minivans, die ohne Rücksicht auf Verluste überholen, egal, ob gerade Gegenverkehr kommt oder nicht.
Auch wir mussten mehrere Male scharf bremsen und auf den Seitenstreifen ausweichen, da die Bus- und Minivan-Fahrer weder Roller noch große Motorräder als ernsthafte Gegner ansehen und diese bei Bedarf wohl einfach überrollen. Einmal wurden wir sogar Zeuge eines Unfalls „Bus gegen Roller“. Wir sahen beim vorbei fahren, dass der Roller noch unter dem Bus klemmte, eine Menschentraube davor, den toten Rollerfahrer hatten sie allerdings einfach bäuchlings in den Graben gelegt und um ihn wurde sich nicht gekümmert. Sehr makaber das Ganze…
Dafür bietet sich uns nun ein herrlicher Ausblick auf die Reisfelder am Mekong-Ufer und auf das beschauliche dörfliche Leben der Menschen hier am Fluss.


Es dämmert schon, als wir endlich in Kratie ankommen und eigentlich mögen wir es gar nicht, nachts zu fahren, da dass bei hiesigen Straßenverhältnissen einfach zu gefährlich ist, doch dafür kommen wir in den Genuss eines traumhaft schönen Sonnenuntergangs am Ufer des Mekong.




Wir beschließen einen Tag zu bleiben um uns die berühmten aber leider vom Aussterben bedrohten Irawadi-Delfine anzuschauen, die nur in bestimmten Bereichen des Mekong Flusses leben.
Wir mieten uns ein sogenanntes Langboot und unser Kapitän bringt uns zu den Stellen, an denen angeblich besonders oft Delfine gesichtet werden. Irgendwie scheint aber der Motor des Bootes nicht mehr der Beste zu sein, denn unser Kapitän muss das Ding immer wieder neu starten, zeitweise treiben wir sogar recht weit ab… das ist mal wieder sehr
 beruhigend! :-)


Und tatsächlich, wir können immer wieder Delfine beobachten, die mal näher, mal entfernter von unserem Boot auftauchen, um kurz Luft zu holen. Leider sind die Irawadi so schnell, dass wir, wenn überhaupt, immer nur ihren Rücken und mit ganz viel Glück mal eine Rückenflosse fotografieren können.




Als wir am Morgen gerade dabei sind, unsere Motorräder aus dem Eingangsbericht des Guesthouses, wo wir sie die Nacht über sicher parken durften, zu holen, treffen wir einen Engländer, der eine Zeit lang in Thailand lebte und nun beschlossen hat, mit dem Fahrrad zurück nach England zu fahren!


Die Straße, die uns zur Grenze führt ist so gut wie menschenleer. Nur einmal werden wir von einem UN-Fahrzeug überholt.

Ist schon ein merkwürdiges Gefühl, so ein Auto zu sehen, kennt man die weißen Jeeps mit blauem „UN“-Schriftzug doch normalerweise nur aus dem Fernsehen, wenn mal wieder über irgendwelche Krisengebiete berichtet wird… Als wir den Grenzposten erreichen, ignorieren wir das Zollbüro erst einmal, besitzen wir ja eh keine kambodschanischen Zollpapiere für unsere Bikes, und biegen gleich Richtung Immigration-Büro ab. Dort erklärt man uns allerdings, dass wir zuerst zum Zoll müssen. Na super, das kann ja heiter werden… wir sehen uns schon ein paar Dollar Schmiergeld über den Tresen schieben und verspüren ein leichtes Unwohlsein in der Magengrube…


Der nette Herr vom Zollbüro fragt dann tatsächlich auch sofort nach unseren Carnets de Passage. Antwort von uns: Haben wir nicht. (also eigentlich haben wir schon welche, haben sie aber bei der Einreise nicht stempeln lassen, da das 1. in Kambodscha nicht notwendig ist und 2. uns die netten Herren vom Zoll in Koh Kong bei der Frage nach der Carnet-Stempelung wohl genauso verwirrt angestarrt hätten wie bei der Frage nach normalen Zollpapieren…)
Nächste Frage des Beamten: Wo sind dann unsere kambodschanischen Zollpapiere. Antwort von uns: Haben wir nicht. Diesmal aber mit einer langen und ausführlichen Erklärung, dass man uns in Koh Kong keine Papiere ausstellen wollte mit der Begründung, dass man keine brauche.
Naja gut, zähneknirschend nimmt der Herr dann zumindest unsere Fahrzeugscheine und Pässe unter die Lupe, blättert darin ein bisschen vor und zurück… und lässt uns schließlich gehen. Puh, was für ein Glück! :-)
Dann also schnell wieder zurück zur Immigration. Die stempeln auch gleich ganz brav unsere Pässe, wollen dann aber doch tatsächlich 2 USD pro Nase „Stempelgebühren“. Dass das nicht rechtens ist, ist klar. Allerdings hatten wir bereits im Reiseführer darüber gelesen, dass diese 2 USD Gebühr erhoben werden und da wir ja keine Zollpapiere für die Motorräder haben, wollen wir keine unnötige Diskussion lostreten, auch wenn uns selbst diese 2 USD ärgern. So bezahlen wir zähneknirschend und können dann aber ohne weitere Probleme ausreisen.
Na hoffentlich flutscht dass auf laotischer Seite auch so gut, wir werden sehen…



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                                                                                                                         Zum nächsten Bericht..


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