Langzeittest Kettenöler CLS 200µ

Stand Mai 2015

Kaufentscheidung:

Nach einiger Recherche im Internet und dem Lesen von zig Testberichten und Forenbeiträgen (speziell Foren, da die Mitglieder dort in der Regel "ehrliche" Berichte abliefern, ein Hersteller selbst wird immer schreiben, dass sein Produkt das Beste ist) hatten wir uns vor unserer Abfahrt, die nun bereits einige Jahre zurück liegt, für ein Ölersystem von CLS entschieden, genauer gesagt das CLS 200 µ. Das System war zwar preislich eines der teuersten, doch die temperaturgesteuerte Dosierung mit dem damit verbundenen optimalen Schmierverhalten der Kette und vorallem dem niedrigen Ölverbrauch haben uns überzeugt. Berichten zufolge sind Kettenlaufleistungen von bis zu 70.000 km erreicht worden und 1 L Öl soll angeblich für 130.000 km ausreichend sein! Das ist doch mal ein Wort. Außerdem bot uns Heiko Höbelt einen tollen Service und stand uns bei Rückfragen helfend zur Seite. Solch ein Kundenservice ist heutzutage leider mehr die Ausnahme als die Regel. Damals drei, heute fünf Jahre Garantie runden das Paket ab!


Preis CLS Evo Tour (Weiterentwicklung des CLS 200 µ):

289,00 € inkl. Control Display


Bezugsquelle:

www.cls-evo.de

 

Einbau:

Nach der Entscheidung also der Einbau. Dem System ist eine Anleitung beigelegt und man bekommt je nach Motorradtyp einen unterschiedlich großen Behälter für das Öl, im Falle der Transalp sind das 110 ml. Die Installation des ganzen Systems ist für jemanden, der schon mal einen Schraubendreher in der Hand hatte, kein Problem. Die Anleitung ist übersichtlich, man sollte allerdings trotzdem ein paar Stunden für den Einbau des Systems einplanen.

Einzig die Schlauchhalter entlang der Schwinge machten mich anfangs etwas stutzig. Laut Anleitung sollten die beigelegten Gummihalter mit einer Art Sekundenkleber an der gewünschten Stelle aufgeklebt werden, bei Pulver beschichtetem/lackiertem Untergrund ist außer einer Reinigung keine Vorarbeit nötig, bei eloxierten Aluminiumschwingen muss zuvor die Oberfläche etwas angerauht werden.

Da ich generell mehr ein Freund von Schraub- oder Schweissverbindungen bin, war ich über die Haltbarkeit dieser Klebe-Verbindung sehr skeptisch, vor allem im harten, täglichen Weltreise-Einsatz, so wie er bei uns bevorstand. Im Nachhinein betrachtet bin ich allerdings mehr als positiv überrascht, bisher musste ich erst einen der Gummihalter nachkleben. Dies war allerdings an meiner Aluminiumschwinge und ich war damals wegen schlechter Zugänglichkeit etwas nachlässig mit dem Anrauhen.

Tipp: Wenn möglich sollte man in dem Bereich, wo die Ölleitung vom Rahmen zur Schwinge verläuft, einen der mitgelieferten Schlauchverbinder verbauen, d.h. Schlauch dort trennen und mit Hilfe des Verbinders wieder zusammen stecken. Das ermöglicht später einen problemlosen Schwingenausbau (Kettensatz wechseln, Lager, usw.) und ist vor allem auf Reisen sehr praktisch.

                                                   

Inbetriebnahme:

Nachdem nun das System installiert war, ging es an die Entlüftung der Ölleitung und Einstellung der Grobdüse. Die Feineinstellung erfolgt später dann je nach Bedarf über ein Dreh-Poti, welches bequem auch während der Fahrt bedient werden kann.

  Diese Prozedur hat wohl am meisten Zeit in Anspruch genommen, es dauert nämlich einige Zeit, bis man das Öl durch Drücken des Ölbehälters komplett durch die ganze Leitung gepumpt hat. Wahlweise kann man auch in den Entlüftungsschlauch blasen, was aber das Lungenvolumen einer Hüpfburg vorraussetzt. Damals habe ich mich für die Durchdrückmethode entschieden und gehofft, diese Prozedur nie wieder machen zu müssen. Da ich aber bereits einmal übersehen habe, den Behälter rechtzeitig zu füllen, blieb es mir nicht erspart, diese Prozedur noch einmal durchzuführen, allerdings benutzte ich beim zweiten mal unseren Minikompressor zum Entlüften. Dabei einfach den Behälter über den Entlüftungsschlauch mit etwas Druckluft beaufschlagen, wichtig dabei ist, nie den vollen Druck des Kompressors auf den Behälter zu geben, am besten ist es, aus einiger Entfernung in Richtung Schlaucheingang zu blasen und sich einfach vorsichtig heran zu tasten. Anders kann es nämlich passieren, dass die Garage demnächst zum Weisseln ansteht! ;-) Es braucht nicht viel Luft, um das Öl durch die Leitung zu drücken und mit dem Kompressor ist das Ganze ruck zuck geschehen. Anbei ein kurzes Video, welches die Entlüftung des Ölers per Kompressor etwas besser veranschaulicht.

 Kettenöler per Kompressor entlüften

 

Ein weiterer etwas umständlicher Punkt ist die Einstellung der Hauptdüse, was allerdings nur etwas Geduld und Feingefühl voraussetzt und nicht in einem anstrengenden „Blowjob“ endet. Dadurch dass die Düse bei jeder Entlüftung komplett geöffnet werden soll, muss sie danach auch wieder neu eingestellt werden.

 

TIPP: Beide oben genannten Punkte müssen jedoch nicht zwangsläufig durchgeführt werden - zumindest nicht mehrmalig - wenn man wenigstens alle heiligen Zeiten den Ölstand im Behälter checkt. Da der 150 ml Öl-Vorratsbehälter für etwa 15.000 km Strecke ausreichend ist, sollte dies eigentlich kein Problem darstellen. Mir ist es seither auch nicht noch einmal passiert… :-)



Nun zu den Fakten:

 Laufzeit des Systems bisher:

Knapp 100.000 km

 

Streckenzustand:

 Geteerte Straßen von guter bis übelster Qualität

Offroadpisten mit Sand, Schlamm und Geröll

Diverse Flussdurchquerungen

 

Temperaturbereich, in dem wir bisher unterwegs waren:

-10 bis + 59°C

 

Ölverbrauch auf diese Distanz:

Ca.1500 ml pro Motorrad (speziell nach Regen- bzw. Offroadfahrten reinigen wir die Kette zusätzlich über einen höheren Ölfluss)

 

Kettenverschleiß bisher:

Unser erster Kettensatz musste in Bangkok nach 16.000 km gewechselt werden, wobei dieser Satz bereits Zuhause 11.000 km ohne den Öler hinter sich gebracht hatte, was somit gesamt 27.000 km ergibt. Der Kettensatz stammte von Louis (D.I.D.) und wurde von uns über die gesamte Distanz nie gereinigt oder anderweitig gepflegt.

 

TIPP: Als Erfahrung haben wir mitgenommen, dass es speziell nach langen, staubigen Offroad-Etappen dennoch Sinn macht, die Kette + Kettenräder und vor allem die Ritzelabdeckung von Sand und Staub zu befreien. Die Kette bleibt zwar durch einen höheren Ölfluss verhälnismässig sauber (Dreck wird mit Öl abgeschleudert), aber das Kettenblatt und vor allem die vordere Ritzelabdeckung setzen sich mit der Zeit mit Dreck zu, was mit Sicherheit nicht optimal ist. Hinzuzufügen ist, dass wir dem Bike auf Reisen so gut wie nie eine Reinigung gönnen, somit pflegen wir zumindest ab und zu alle beweglich Teile, um deren optimale Funktion zu gewährleisten. Für die Reinigung des Antriebsstrangs benutzen wir einfach einen alten Lappen, eine alte Zahnbürste und etwas Sprit aus unserer Benzinkocherflasche. Diverser Meinungen zum Trotz hat Benzin den O-Ringen unserer Kette bisher noch nie geschadet, allerdings baden wir die Kette ja auch nicht darin. Wären wir Zuhause, würde ich allerdings andere Mittel verwenden, auf Reisen ist das meist nicht möglich.


 Kettensatz Nummer zwei haben uns Helle´s Eltern nach Bangkok mitgebracht, dieser stammte ebenfalls von Louis (D.I.D.)

Nach knapp 34.000 km mussten wir das Ritzel ersetzen, da dieses mehr einem Wurfstern als einem Antriebsteil glich.

Nach 40.000 km war dann auch die Kette wegen eines festen Gliedes komplett hinüber und musste ersetzt werden.


Kettensatz Nummer drei haben wir in Adelaide/ Australien verbaut (D.I.D.). Auch hier mussten wir nach knapp 36.000 km das Ritzel ersetzen, da dieses komplett verschlissen war. Nach gut 37.000 km war dann auch die Kette fällig und wurde ersetzt. Kette wurde nie gereinigt oder anderweitig gepflegt.



Probleme:

1. Da die hintere Düse am Kettenblatt mehr oder weniger anliegt, kann diese vor allem nach Offroadeinsätzen (Kettenblatt dreckig) und rückwärts schieben des Bikes (Dreck wird in Düse gedrückt) verstopfen. Ich checke den Zustand der Schmierung eigentlich täglich, indem ich einfach einen kurzen Blick auf die Kette werfe.

Stelle ich fest, dass die Kette nicht ausreichend geschmiert wird, pflücke ich am Straßenrand einfach einen Grashalm und fahre damit kurz ins Ende der Düse und das System läuft wieder wie „geschmiert“.

 Dieses Problem tritt allerdings nur ab und zu auf und ist wohl mehr ein bauartbedingtes Leiden aller Ölersystem, bei denen die Düse am Kettenblatt anliegt. Die Behebung dauert nur Sekunden und ist somit nicht wirklich ein Problem.

 

2. Nach gut 1 1/2 Jahren Weltreise-Einsatz des Systems habe ich festgestellt, dass an einem unserer Bikes der Schlauch zur Schwinge poröse wird und an manchen Stellen zu brechen beginnt. Das führe ich allerdings auf die extremen Witterungseinflüsse während der Reise zurück. Speziell in Australien z.B. ist die extreme UV-Strahlung tödlich für jede Art von Plastik. Hier werde ich einfach demnächst den Schlauch ersetzen. Nach Rücksprache mit Heiko Höbelt von CLS (wir bekommen umgehend einen neuen Schlauch von ihm zugesendet, soviel zum Thema Service!) ist das Problem allerdings nicht bekannt und kann eventuell durch eine nicht optimale Verlegung über den Schwingendrehpunkt auftreten (ständiges bewegen!). Ich werde den neuen Schlauch nun möglichst günstig um den Drehpunkt verlegen und somit sollte auch dieses Problem gegessen sein.



Fazit:

Ob unsere Ketten eine Laufleistung von bis zu 70.000 km erreichen werden, wird sich zeigen, was allerdings die Funktionsweise des Systems und die Sparsamkeit betrifft, hat uns der Hersteller nicht zu viel versprochen. Der Öler arbeitet unauffällig und zuverlässig, der Service ist erstklassig und das wichtigste: Die Kette scheint glücklich zu sein. Wir werden euch weiterhin definitiv auf dem Laufenden halten.

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