Südamerika #36 - Kolumbien - El Padrón de Colombia!

 An unserem zweiten Tag im kolumbianischen Bergdorf Salento machen wir uns auf, das wunderschön restaurierte historische Zentrum des gut 7.000 Einwohner zählenden Ortes zu erkunden.

 

Die Fenster und Türen der weiß getünchten Häuser sind in bunten Farben gestrichen und unterstreichen so die freundliche, lebensfrohe Art ihrer Bewohner. Aus vielen der weit geöffneten Fenster und Türen dringen lateinamerikanische Klänge und in einer kleinen Gasse haben sich zwei ältere Herren im Schatten eines Hauses niedergelassen und geben dort kolumbianische Volkslieder zum Besten, die sie mit ihren Gitarren begleiten.


Außer uns haben allerdings leider noch viele andere Touristen den bezaubernden Charme des kleinen Dorfs inmitten der mit Kaffeplantagen überzogenen Berge erkannt und so geben sich die Souvenirläden, Touranbieter und andere leicht schräge Touristenattraktionen in den kleinen Gassen die Klinke in die Hand.


An unzähligen Straßenständen gibt es für kleines Geld allerlei Leckereien sowie erntefrische exotische Früchte in mundgerechte Stücke geschnitten. Bei einem so leckeren Angebot können auch wir nicht wiederstehen. Mhm, köstlich!




Am nächsten Tag verlassen wir die kühle Bergregion mit ihren sanften Gipfeln und leuchtend grünen Hängen. Über eine herrlich gewundene Landstraße schrauben wir uns Meter für Meter an den Berghängen bis hinunter ins Tal, wo wir mit hochsommerlichen Temperaturen und schweißtreibender Luftfeuchtigkeit empfangen werden. Von nun an folgen wir dem Flusslauf des Rio Magdalena und machen uns auf gen Norden.


 Unser nächstes Ziel ist die Hacienda Nápoles, das ehemalige Anwesen des berühmt-berüchtigten kolumbianischen Drogenbosses Pablo Escobar. Auf stolzen 3.000 Hektar erschuf einer der einst reichsten und mächtigsten Männer der Welt ein 63 Mio. USD teures Luxus-Anwesen samt eigener Flugzeuglandebahn, einem Privat-Zoo, einer Stierkampfarena, einem prähistorischen Dinosaurier-Park und einigen weiteren Skurrilitäten.

 

In den 80er Jahren kontrollierte Pablo Escobar fast die gesamte Kokain-Produktion Kolumbiens und schmuggelte die weiße Fracht tonnenweise in Flugzeugen und Mini-U-Booten in die USA. Um seine Vormachtsstellung zu halten, verbreitete er Tod und Terror in seinem Land und ließ neben vielen anderen auch 30 Richter sowie 457 Polizisten töten. Auch einige große Bombenattentate mit unzähligen Toten in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota gehen auf sein Konto. Trotzdem war Escobar vor allem in den armen Bevölkerunggschichten so etwas wie ein Volksheld, denn er baute Schulen, Krankenhäuser und Wohnraum für die Armen und auch seinen Privatzoo durften die einfachen Leute der Umgebung kostenfrei besuchen.

 In der Blütezeit des Kolumbianisch-Amerikanischen Drogenhandels schaffte es der Narco-Milliadär mit einem geschätzen Privatvermögen von 2,7 Milliarden USD sogar auf Platz 7 der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt.

 

In den folgenden Jahren wurde die Verfolgung Escobars u. a. auf Druck der USA intensiviert, bis er 1993 schließlich auf der Flucht vor einem Spezialeinsatzkommando der Polizei gestellt und erschossen wurde..

 

In den darauf folgenden Jahren verfiel die Hacienda Nápoles zusehends, viel Plünderungen zum Opfer und fast alle der exotischen Zootiere starben. Einzig für eine Gruppe Nilpferde war das Regenwaldklima Kolumbiens perfekt geeignet und sie vermehrten sich auf dem weitläufigen Gelände zu einer kleinen Herde. Erst im Jahr 2007 wurde die Hacienda schließlich renoviert und zu einer Touristenattraktion mit Museum umgebaut.

 

Neben dem ziemlich schräg und kitschig anmutenden Dinosaurier-Park, der mit lautstarkem Dinosauriergebrüll aus großen Lautsprechern „besticht“, und uns ein wenig an Jurassic Park erinnert, hat die Hacienda auch heute noch einen kleinen Zoo mit Nashörnern, Löwen & Co. sowie der mittlerweile größten wild lebenden Nilpferd-Herde außerhalb Afrikas zu bieten. Positiv zu bemerken ist, dass es sich bei den Zootieren um aus privater Haltung oder Zirkussen befreite Tiere handelt, die auf das Anwesen gebracht wurden, nachdem Kolumbien ein Gesetz verabschiedet hatte, das die private Haltung exotischer Tiere verbot.

 

Wir kennen die meisten der auf der Hacienda untergebrachten Tiere zwar bereits aus deutschen Zoos, doch so nah wie hier konnten wir Raubtiere, Elefanten und Vogelstrauße noch nie beobachten.


In einem kleinen Museum sind viele Zeitungsberichte, Bilder und Informationen zum Leben und Tod des Pablo Escobar ausgestellt und nebenan befindet sich eine Sammlung alter Autos, die sich einst im Besitzt des Drogenbosses befanden.


Nur die ehemalige Luxusvilla des Drogenbosses wurde leider dem Erdboden gleich gemacht. Wie schade, gerne wären wir auch durch die Wohn- und Schlafräume eines waschechten El Patrón gewandelt.



 Da unsere Freundin Alexa nur gut 3 Wochen Zeit hat und wir in dieser Zeit möglichst viel mit ihr erleben wollen, haben wir ein relativ strammes Sightseeing-Programm geplant und so geht es bereits am nächsten Tag weiter in das knapp 50 km nördlich der kolumbianischen Hauptstadt Bogota gelegene Zipaquirá, wo wir die „Cathedral de Sal“ besichtigen.

Es handelt sich um eine römisch-katholische Kirche, die aus den Tunneln einer ehemaligen Salzmine etwa 200 m unter der Erde erschaffen wurde. Die riesige, unterirdische Kathedrale ist über 20 m hoch und fasst bis zu 3.000 Besucher, die dort der sonntäglichen Messe beiwohnen können. Neben der gigantischen Kathedrale befindet sich in den Salzstollen auch ein religiöser Rundweg mit verschiedenen Etappen des Kreuzwegs sowie ein Themenpark mit christlichen Motiven.

 

Zuerst folgen auch wir dem Kreuzweg und bestaunen insgesamt 14 kleine Kapellen, die rechts und links des Weges in den Stein gehauen wurden und in denen größere und kleinere Steinkreuze, beleuchtet durch indirektes, farbiges Licht, erstrahlen.


Danach geht es in die große Haupt-Kathedrale, die durch ihre imposante Höhe und das Wissen, dass wir uns fast 200 m unterhalb der Erdoberfläche befinden, mehr als beeindruckt.


Zu guter Letzt schlendern wir noch durch mehrere größere und kleinere Räume, in denen religiöse Figuren und Nachbildungen biblischer Szenen aus dem Salzgestein gemeißelt wurden.




 Unsere letzten gemeinsamen Tage verbringen wir in der 7 Mio. Metropole Bogota. Wir mieten uns ein Dorm-Zimmer in einem Hostal im Stadtteil La Candelaria nahe der historischen Altstadt und machen uns von dort aus zu Fuß auf, die Hauptstadt Kolumbiens zu entdecken.

 

Als erstes steht der Besuch des berühmten Museo del Oro, zu Deutsch „Goldmuseum“, auf dem Programm. Das Museum hat sich, wie sein Name bereits verrät, vor allem dem Schutz und der Präsentation von aus Gold gearbeitete präkolumbianischen Fundstücken verschrieben.

 

Ausgestellt werden unter anderem Fundstücke, die den frühen Hochkulturen Amerikas, wie den Azteken, Tolteken und Maya zugeordnet werden können und die vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus im Jahre 1492 erschaffen wurden.

Die Sammlung prähistorischer und historischer Goldobjekte ist weltweit einzigartig und gilt mit ca. 35.000 Exponaten als die größte Sammlung ihrer Art. Unter den Ausstellungsstücken findet man aber auch aus Ton, Stein, Muscheln, Holz und Textilien hergestellte Objekte.


Besonders beeindruckend finden wir die vielen extrem filigran gearbeiteten Verzierungen vieler Figuren, die von großem handwerklichen Geschick und weit entwickelten Werkzeugen der Urbevölkerung künden.

 

Als nächstes schlendern wir durch die belebte Fußgängerzone, wo es von Touristen, einfallsreichen wie auch skurril anmutenden Straßenkünstlern, Souvenirständen und kleinen Essensbuden nur so wimmelt. Besonders über die Meerschweinchen-Rennstrecke staunen wir nicht schlecht. Die Leute können Wetten abschließen, welches Meerschweinchen zuerst in ein kleines Plastikhäuschen voller Futter läuft und so kleine Geldbeträge gewinnen. Sachen gibt´s!


 Auch wir können dem reichhaltigen Angebot an frischen Leckereien nicht wiederstehen und gönnen uns einen wohlschmeckenden, frisch gepressten Zuckerrohrsaft und ein Stück Kokosnuss. Mhm, lecker!

 

Frisch gestärkt spazieren wir weiter durch das geschäftige Treiben der Fußgängerzone, vorbei an der Iglesia de San Francisco, der ältesten Kirche Bogotas aus dem Jahre 1557 bis zum Plaza Bolívar mit seiner imposanten, klassizistischen Kathedrale und dem Capitolio Nacional, einem weitläufigen, mit mächtigen Marmorsäulen verzierten Palast, der den Nationalkongress beherbergt.

 

Wie überall in Kolumbien wird auch hier Sicherheit großgeschrieben und so werden wir, als wir eine Seitenstraße neben dem Kongress passieren wollen, von schwer bewaffneten Soldaten aufgehalten, die unsere Rucksäcke kontrollieren, bevor wir passieren dürfen. Trotz ihrer respekteinflößenden Erscheinung sind die Soldaten aber sehr nett und so posiert Bea ein weiteres Mal auf unserer Reise durch Südamerika neben einem Maschinengewehr-tragenden Beamten.


Ein paar Straßen weiter werden wir dann zufällig Zeuge einer kleinen Militärparade, die gerade vor einem mächtigen Eisentor, das den Eingang zu einem weiteren prunkvollen Palast versperrt, abgehalten wird. Auch die jungen Soldaten sind relativ entspannt und so erlauben auch sie uns, mit ihnen zu posieren. Das lässt sich Helmut natürlich nicht zweimal sagen!


Am Ende unserer Erkundungstour durch Bogotas Altstadt stoßen wir auf eine sehr außergewöhnliche Kirche. Die Iglesia del Carmen mit ihren rot-weiß-gestreiften Mauern und ihren aufwendig verzierten Türmen passt so gar nicht ins restliche Altstadtbild. Kein Wunder, wurde sie auch im gotischen Stil mit deutlichen arabischen Einflüssen erbaut.

Während Alexa und Bea zurück ins Hostal laufen und sich etwas ausruhen, beschließen Helmut und Christian noch mit der Seilbahn auf den Monserrate, den 3.152 m hohen Hausberg Bogotas zu fahren. Von dort oben haben die beiden einen fantastischen Blick über die Millionenmetropole und die sanften, grünen Hügel des Umlands und kommen in den einmaligen Genuss eines beeindruckenden Wolkenspiels, als die Sonne ihre hellen Strahlen am Rande der Wolken vorbei und hinab auf das Häusermeer der kolumbianischen Hauptstadt wirft.

Auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft laufen die beiden an unzähligen Graffiti-Kunstwerken vorbei, die jedoch nichts mit den üblichen Schmierereien an Hauswänden zu tun haben. Diese Bilder sind wahre Kunstwerke, die sich weitläufig über Häuserfassaden und Mauern erstrecken und den engen Gassen ein ganz besonderes, buntes und lebendiges Flair verleihen.


Die gut drei Wochen, die wir zusammen mit unserer gemeinsamen Freundin Alexa unterwegs waren, sind wie im Fluge vergangen und so wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Während es für Alexa zurück in unsere bayerische Heimat geht, machen wir uns auf den Weg zu einem weitläufigen Gelände etwa 40 km nördlich von Bogota. Dort haben wir uns mit alten Reisebekannten verabredet, die dort mit ihrem LKW auf dem Grundstück von Freunden campen und wo auch wir für einige Tage unser Zelt aufschlagen wollen.



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Infos am Rande
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Dokumente für die Einreise:

Reisepass - Fahrzeugschein - Visum (90 Tage bei Einreise) - Fahrzeugversicherung (Kolumbien)

 

Gefahrene Route:

Salento - Manizales - Honda - Cano Alegre -Doradal - Rio Claro - Doradal - Honda - Villeta - Bogota Nord


Gefahrene Kilometer von Burghausen: 113.004 Km

Spritpreis: 2,20 €/Gallone (90 Oktan)

                  
Währung: Kolumbianischer Peso

Ortszeit: - 6 Stunden (Sommerzeit)

Transport: -

 

Probleme mit den Motorrädern: -

 

Stürze/ Umfaller: -

Gesundheit/ Verletzungen: -


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Kommentare: 8
  • #1

    Don Pedro (Mittwoch, 16 März 2016 18:45)

    Das ist wieder so gut beschrieben, dass man/frau meint, dabei gewesen zu sein. Danke für Eure tollen Reiseberichte und weiterhin viel Spaß auf Eurer world-allround-tour. Keep running ;-)
    Ich schau meine Alpe an und denk mir, warum bin ich jetzt nicht auch unterwegs und erlebe die weite Welt live? Aber irgendwie sind mir (noch) die Hände gebunden.

  • #2

    Klaudia Karoliny (Donnerstag, 17 März 2016 17:59)

    Toller und informativer Reisebericht. Und die Fotos - ein Traum!
    Passt gut auf euch auf und genießt die weitere Reise.

  • #3

    Chris (Sonntag, 20 März 2016 18:05)

    Viel schreiben kann man(n) da nicht. Vielleicht, wow!

    Gruß, Chris

  • #4

    Bea & Helle (Dienstag, 22 März 2016 22:25)

    @Don Pedro:
    Geiler neuer Name Peter! :)
    Vielen Dank für dein positives Feedback, das freut uns sehr und genau so soll es sein! :)

    @Klaudia:
    Danke dir! :)

    @Chris:
    WOW ist perfekt! :)

  • #5

    Rene (Freitag, 25 März 2016 21:08)

    Liebe Bea, lieber Helle

    werfe jeden Tag ein Blick auf den Kalender und freue mich.

    Danke wieder einmal für den tollen Bericht !

    Bleibt gesund, genießt die Zeit !!!

    Ich wünsch euch schöne Ostern und liebe Grüße aus Leipzig.

  • #6

    Bruno (Montag, 28 März 2016 13:02)

    Hallo Ihr beiden, ich hoffe es geht Euch gut, habe den Interessanten Bericht genossen. Danke dafür, hoffe dass es noch
    einige geben wird. Also macht's weiterhin gut und bleibt Gesund.

    Gruss aus der Schweiz.

    Bruno.

    PS: Die Bilder Eures Aufkleber's an der neuen Africa Twin habe ich Euch ja geschickt.

  • #7

    Bea & Helle (Montag, 28 März 2016 18:17)

    @Rene:
    Und uns freut es sehr zu hören, dass dir unser Kalender so viel Freude bereitet! :)
    Das ist klasse!

    @Bruno:
    Super, wenn dir unser neuester Reisebericht gut gefallen hat! Wir hoffen natürlich, dass noch viele spannende Berichte von unserer Motorradreise um die Welt folgen werden! :)
    Wir sammeln gerade die Bilder unserer Support-Sticker „on Tour“ und wollen ein kleines Fotoalbum daraus machen. Vielen Dank nochmal dafür! :)

    Herzliche Grüße aus dem sonnigen Mexiko,
    Bea & Helle

  • #8

    Roland (Freitag, 08 April 2016 21:08)

    Hallo,
    ich habe erst heute wieder Euren Reisebericht gesehen.
    Da kann ich nur sagen Geil!!
    Weiterhin ein gute Reise und viele schöne Bilder.
    Ihr bringt uns die Welt viel näher.
    Liebe Grüße
    Roland

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