Kasachstan - Irgenwie alles anders!

Nach einer kurzen Morgenwäsche geht es los Richtung Oral. Wir haben am Vortag durch unseren „Umweg“ viel Zeit verloren, die wir wieder gut machen wollen.


 Außerdem müssen wir leider sagen, dass uns der Südosten Kasachstans nicht soo gut gefällt. Die Landschaft ist sehr eintönig und die Temperaturen fast unerträglich heiß, so freuen wir uns nun auf den Norden. Laut Viktor soll es hier auch wieder mehr Bäume geben und die Landschaft generell etwas abwechslungsreicher sein.


Am Vormittag entdecken wir sogar eines der mittlerweile von uns so geliebten Bushäuschen, in dem wir im Schatten erst mal Frühstücken.

Kein Baum weit und breit. Der Süden Kasachstans ist äusserst karg.

Dann werden wir mal wieder von der Polizei angehalten. Aber das macht uns schon gar nicht mehr nervös, denn das ist uns jetzt schon einige Male passiert und eigentlich wollen die Beamten nur ein bisschen schauen. Der eine ist interessiert an der Anzahl der Zylinder und der Marke des Motorrads, der andere würde gerne mal selbst Gas geben, der Dritte will wissen wo wir her kommen und wo wir hin wollen und was auch ganz besonders witzig ist, wenn die Beamten versuchen unsere Vor- und Nachnamen in unseren Pässen zu lesen. Das scheint für sie immer eine ganz besondere Herausforderung zu sein, v.a. Bea´s Nachname "Höbenreich“ hat es ihnen angetan, da man das "Ö“ hier in Kasachstan nicht kennt und sie eigentlich keine Ahnung haben, wie man den Namen aussprechen soll! :-)


Wir sind richtig gut gelaunt, denn die Straße ist wirklich super und wir erreichen Oral am frühen Nachmittag. Aber, wir haben es ja am Vortag schon festgestellt, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, gleich hinter Oral ist eine riesige Baustelle und schon ist es vorbei mit der super Straße! Die Umleitung führt uns etwa 30 km über eine Offroad-Piste und zu allem Überfluss fängt es auch noch an zu regnen, was das Fahren auf der Lehmpiste nicht gerade einfacher macht. Na super!


Zu unserer Überraschung müssen wir leider feststellen, dass es in Kasachstan gar nicht so einfach ist, einen guten Platz zum wild campen zu finden. Da es kaum Bäume und auch keine Hügel gibt, hat man fast keine Chance, das Zelt und die Mopeds irgendwo zu verstecken und da wir auf der Hauptstraße unterwegs sind, ist es uns eindeutig zu unsicher, unser Zelt einfach so irgendwo neben der Straße aufzuschlagen. Aber heute haben wir Glück, der Platz ist recht gut und wir haben einen phantastischen Ausblick auf ein riesiges Getreidefeld. Na das ist doch auch was! :-)




Nachdem Helle am nächsten Morgen unsere beiden Mopeds hinter dem Wäldchen vor wieder auf die Straße gefahren hat, (ja, Schande über Bea aber die 200 m zum Wäldchen waren echt holprig und so hat sie Helle den Vortritt überlassen! *g*) machen wir uns auf Richtung Aqtöbe.


Die mittlerweile wieder richtig toll asphaltierte Straße führt weiter durch die weite der kasachischen Steppe und vorbei an einer Bushaltestelle, an der eine Herde Kühe gerade auf den Bus wartet.

Kühe besetzenein Bushäuschen

Von der abwechslungsreichen Landschaft, die uns Viktor versprochen hatte, merken wir allerdings noch nichts, nur die Temperatur ist um ca. 10 Grad auf nun durchschnittlich 35 Grad abgekühlt, das ist doch schon mal was! :-)


Kurz vor Aqtöbe dann schon wieder eine Baustelle. Das darf doch nicht wahr sein! Also wieder runter von der toll geteerten Asphaltstraße auf eine Lehmpiste und als hätte der Wettergott einfach kein Erbarmen mit uns, fängt es auch heute prompt wieder zu regnen an, was die Lehmpiste in eine wahre Rutschpartie verwandelt.


Es dauert auch keine 20 Minuten, dann liegt Helle samt Moped im Matsch. Sein Hinterreifen hat durch den lehmigen Boden trotz Stollenbereifung einfach dicht gemacht und das Moped ist in vollem Schwung nach rechts weg gerutscht. Zu allem Überfluss hatte Helle auch noch versucht, den Alperer abzufangen und dadurch sein linkes Bein unter den linken Koffer gebracht, was Bea einen ziemlichen Schock versetzt hat, denn der ganze Fuß war ziemlich verdreht unter der Box eingeklemmt!


Kurzzeitig hatte sie schon mit dem Schlimmsten gerechnet.…
Nachdem sich Helle irgendwie befreien konnte, wurde erst mal der Motocross-Stiefel ausgezogen und Knie und Knöchel auf eventuelle Verletzungen kontrolliert. Gott sei Dank ist zumindest optisch nicht zu erkennen, dass etwas gebrochen wäre. Helle hinkt zwar ein bisschen, aber wir hoffen, dass es nur eine gescheite Bänderdehnung ist, die sich nach ein paar Tagen wieder gibt! Relativ geschafft und noch immer angespannt von Helles Unfall erreichen wir am späten Nachmittag endlich Aqtöbe.

Ankunft in Aktobe/ Kasachstan.

 Während Bea Einkäufe erledigt, bewacht Helle wie üblich die Mopeds. Auch hier in Aqtöbe sind unsere Bikes wieder die Attraktion und so muss Helle in den 15 Minuten, in denen Bea im Shop ist, mindestens 30 Hände schütteln und erklären, wo wir her kommen und wo wir hin fahren! :-) Plötzlich kommen zwei junge Kasachen vorbei, die recht gut Englisch sprechen. Sie bieten uns ihre Hilfe bei der Hotelsuche an, doch da wir uns eigentlich kein Hotel leisten wollen, lehnen wir dankend ab. Als Alternative lassen sie es sich jedoch nicht nehmen, uns zumindestens mit Ihrem Auto voraus zu fahren und den Weg aus der Stadt zu zeigen. Zusätzlich schenken sie uns als Wegproviant noch eine Tafel kasachische Schokolade. Wie nett!


Auch in Aqtöbe wieder das mittlerweile schon bekannte Spiel, egal an welcher Ampel wir stehen bleiben, die Leute kurbeln ihre Autofenster runter, winken uns zu, kucken interessiert, machen Fotos mit Ihren Handys. Einige können ein paar Brocken Englisch und fragen uns nach dem woher und wohin. Immer wieder lustig, dieses Schauspiel! :-)


Auf dem Weg durch die Stadt fängt es leider zu regnen an und wir überlegen schon, ob unsere Entscheidung, heute wieder wild zu campen, so gut ist, doch wir hoffen, dass es bald wieder aufhört. Als wir aus der Stadt draußen sind, bleiben die beiden Jungs noch einmal stehen, um sich von uns zu verabschieden. Als Abschiedsgeschenk geben sie uns eine Tüte mit Süßkram mit. Wir sind echt gerührt und bedanken uns herzlich!


Es dämmert schon, als wir Aqtöbe verlassen und es hat noch immer nicht aufgehört zu regnen, dementsprechend schwierig ist es, einen geeigneten Campingplatz für die Nacht zu finden. Als wir nach über 2 Stunden suchen noch immer nichts passendes gefunden haben, vor allem da auch die meisten Feldwege durch den Regen so matschig geworden waren, dass man sie nicht mehr befahren konnte, entschließen wir uns doch wieder nach Aqtöbe zurück zu fahren und ein Hotelzimmer zu nehmen.
Mittlerweile ist es natürlich Stockfinster und wir fragen uns echt, wie wir jetzt noch ein Zimmer auftreiben sollen. Als wir in die Stadt einfahren, müssen wir an einer Polizeikontrolle halten und Helle beschließt kurzerhand die Jeepfaher hinter uns zu fragen, ob sie nicht ein günstiges Hotel in Aqtöbe für uns wissen. Die drei älteren Kasachen verstehen zwar kein Englisch, aber irgendwie kann Ihnen Helle erklären, was wir brauchen und sie erklären sich sofort einverstanden, uns zu einem Hotel zu bringen. Wie nett!

 

Leider müssen wir an der Polizeikontrolle halten und unsere Papiere werden kontrolliert und unsere Personalien in ein dickes Buch eingetragen. Diese Prozedur dauert gut 20 Minuten aber die 3 Kasachen warten freundlicherweise auf uns. Was haben wir für ein Glück! :-)
So düsen wir, mittlerweile ist es halb 11 Uhr Abends, dem Jeep hinterher einmal quer durch Aqtöbe, bis der Jeep schließlich vor einem 4 Sterne Hotel anhält. Um den dreien klarzumachen, dass wir ein günstiges Hotel suchen, reichen Hände und Füße wohl doch nicht aus :-/ Auf Nachfrage erfahren wir dann, dass die Nacht 180 Dollar kosten würde, also viel zu viel für uns. Zu unserem Glück kommt jedoch zufällig ein weiterer Kasache vorbei, der etwas Englisch spricht. Ihm erklären wir, dass wir ein günstigeres Hotel suchen, so übersetzt er für die 3 Männer im Jeep, die sich sofort bereit erklären uns in ein anderes Hotel zu bringen. Also wieder einmal quer durch die Stadt (der Jeep fuhr immer mit kompletter Beleuchtung und Warnblinkanlage, so als wären wir die volle Prominenz) in das nächste Hotel. Auch dieses sieht von außen ziemlich nobel aus und tatsächlich, auch hier liegt der Preis pro Nacht bei über 100 Dollar. Na super. Hallo, wir sind in Kasachstan, eigentlich dachten wir, dass hier die Preise etwas günstiger werden aber weit gefehlt... Aqtöbe ist eine sehr westliche, moderne Stadt und dementsprechend sind auch die Übernachtungspreise eher gehoben. Aber die Männer geben nicht auf, sie haben noch ein drittes Hotel in petto. So langsam ist es zwar echt unangenehm, dass wir die 3 so beanspruchen, aber die scheint es gar nicht weiter zu stören. Also wir wieder einmal quer durch die Stadt zum dritten Hotel. Hier kostet die Nacht gut 40 Dollar, außerdem gibt es einen abgeschlossenen und bewachten Parkplatz für die Mopeds. Super, das ist gekauft! :-)

 

Auf dem Hotelparkplatz wartet bereits die nächste Überraschung auf uns, da stehen doch glatt zwei 1200er BMW GS, total aufgepackelt wie unsere Mopes mit deutschem Kennzeichen! Wie geil ist das denn! :-) Da wir in der Lobby niemanden finden können, der wie ein deutscher Mopedfahrer aussieht, hat Bea die Idee einfach einen Zettel mit unseren Namen und unserer Zimmernummer zu schreiben und an eines der beiden Bikes zu hängen. Falls die Biker Lust haben, werden sie sich hoffentlich bei uns melden! Auf unserem Zimmer gibt es erst mal lecker Abendessen mit viel Gemüse und als Nachtisch etwas von dem Süßkram, den uns die beiden jungen Kasachen am Nachmittag geschenkt hatten! :-)

Mitternachtssnack im kasachischen Hotel


Nach einer erholsamen Nacht werden wir von einem komischen Geräusch geweckt. Nein, unser Wecker ist das nicht. Völlig schlaftrunken versuchen wir auszumachen, woher das Geräusch kommt und da bemerken wir erst, dass es das hoteleigene Telefon in unserem Zimmer ist, das da klingelt! Aha, wer bitte soll uns denn anrufen!? Etwas verdutz nimmt Helle den Hörer ab und siehe da, ein deutsche Stimme meldet sich. Es ist Dirk, der aus der Hotellobby anruft, da er Bea´s Zettel an seinem Moped gefunden hat. Echt geil! :-)

 

Wir ziehen uns schnell an und düsen hinunter in die Lobby, wo Dirk aus Oldenburg und Christian aus Schleswig-Holstein bereits auf uns warten. Es stellt sich heraus, dass wir bereits Anfang des Jahres Emailkontakt mit Dirk hatten. Unsere letze Email damals endete mit den Worten "vielleicht treffen wir uns ja irgendwo on the road“ und siehe da, nun stehen sie vor uns! :-)

 

Es stellt sich heraus, dass die beiden den selben Weg durch Kasachstan und die Mongolei haben wie wir und ihr Endziel ebenfalls Vladivostok ist. Danach verschiffen die beiden nach Japan, wo sie noch 2 Wochen mit einem Bekannten verbringen, bevor sie nach insgesamt 8 Wochen Reise wieder zurück nach Deutschland fliegen. Eigentlich wollten wir von Aqtöbe aus wieder Richtung Südosten in die Hauptstadt Astana fahren, um von dort über Semey wieder nach Russland einzureisen. Aber da unser Kasachstan-Visa leider bereits am 25.06. begonnen hat und nur 30 Tage gültig ist, entschließen wir uns, wie auch Christian und Dirk, die ja noch weniger Zeit haben wie wir, von Aqtöbe aus Richtung Petropavlovsk zu fahren und dann gleich Richtung Omsk/Russland zu fahren.


Da wir auf der ganzen Fahrt von Aqtöbe bis Komsomol keine richtige Campingmöglichkeit gefunden hatten, nutzen wir die Gelegenheit und mieten uns in einem Hotel im Ort 2 Zimmer für die Nacht. Die jungen Hotelangestellten sind auch gleich ganz interessiert und machen Fotos von unseren Bikes und wollen probesitzen. Interessant ist, das unsere Bikes aber plötzlich ganz uninteressant sind, denn nun haben wir zwei BMW´s dabei, die uns total die Show stehlen! :-)

Aber uns soll das recht sein, dann haben wir wenigstens etwas Ruhe… :-)

Deutsche Motorrad-Verstärkung mitten in Kasachstan. Dirk und Christian auf zwei BMW 1200 GS Adventure

Am Abend sitzen wir im kleinen Restaurant des Hotels und trinken ein Bier, als einer der Angestellten plötzlich in einer Höllen Lautstärke anfängt, Karaoke zu singen. Karaoke scheint in Kasachstan sehr beliebt zu sein, denn wir haben auf unserem Weg schon viele Bars und Hotels gesehen, die groß mit Karaoke-Schildern werben. Unser Fall ist Karaoke eigentlich nicht so sehr aber nun sind wir mitten drin im fröhlichen Karaoke-Abend der Hotelangestellten…:-)

Travel-Outtake #2 - Karaoke in Kasachstan




Nach einer recht unerholsamen Nacht Dank Karaoke-Dauerbeschallung aus dem Erdgeschoss brechen wir relativ früh und etwas entnervt auf.


Hier im Norden Kasachstans gehen die weitläufigen Steppen langsam in riesige Wiesen über und überall sind große Radlader damit beschäftigt, das Heu auf überdimensionale und total überfüllte LKW´s zu laden.


Am Abend finden wir dann einen sehr netten, versteckten Campingplatz zwischen zwei Getreidefeldern. Einziges Manko sind die myriaden von Mücken, die sich hier herum treiben. Wir denken uns pah, kein Problem, und reißen unser gutes heimisches Autan raus, um uns erst mal am ganzen Körper mit der stinkig-klebrigen Mückenabwehr zu besprühen. Aber irgendwie scheint das die kasachischen Stechmücken nicht zu stören, denn sie stechen uns munter weiter! :-/


Da sie es auf den armen Dirk ganz besonders abgesehen hatten, greift der nun zu seiner Spezial-Mücken-Abwehr: ein Käppi mit integriertem Mückennetz, dass seinen kompletten Kopf und Hals bedeckt. Dirk sieht zum Wegschrein aus mit dem Teil und die Sicht durch das Mückennetz ist sicher auch nicht sehr prickelnd... aber egal, Hauptsache er ist geschützt! :-)

Moskito-Kopf-Netz gegen Horden von diesen Plagegeistern beim wild Campen in Kasachstan


Unser letzter Tag in Kasachstan ist angebrochen. Zurückblickend können wir sagen, dass die Menschen hier entgegen aller schlechten Vorwarnungen alle sehr nett und äußerst hilfsbereit waren. Sie waren zwar an uns und den Mopeds interessiert, aber nie aufdringlich oder unangenehm. Auch die Kinder waren eher immer schüchtern und zurückhaltend. Was wir allerdings auch sagen müssen ist, dass die Landschaft für unseren Geschmack schon sehr eintönig war und es eigentlich keine besonderen Highlights - mal abgesehen von der abartigen Hitze im Süden des Landes - gab. Wir sind zwar froh und glücklich einmal in Kasachstan gewesen zu sein, noch einmal zurück kommen müssen wir aber nicht unbedingt.…


Die letzten Kilometer bis zur Grenze haben wir aber dann doch noch ein paar tolle Erlebnisse. Wir fahren z.B. mitten durch eine riesige Pferde-Herde. Erwachsene Tiere und Fohlen überall, locker über 100 Tiere und wir mitten drin. Das ist schon sehr beeindruckend, vor allem weil es die Pferde überhaupt nicht stört, dass wir mit unseren Mopeds ganz dicht an Ihnen vorbei fahren. Sie grasen einfach ganz gemütlich weiter.


Wir entscheiden uns, die letzte Nacht in Bulaevo zu verbringen und gleich am frühen Morgen die Grenze nach Russland zu passieren. Da es tagsüber leider schon wieder ziemlich geregnet hat und die Feldwege mal wieder unbefahrbar für unsere Mopeds geworden sind, entschließen wir uns, in den Ort hinein zu fahren und dort nach einer Gostiniza, also einem kleinen Hotel/Herberge, zu fragen. Man weißt uns auch gleich den Weg in eine der Seitenstraßen des Dorfes, doch irgendwie können wir hier weit und breit nichts erkennen, was auch nur annähernd nach Gostinzia aussieht, so fragen wir noch mal bei den Einheimischen nach und tatsächlich, sie weisen uns den Weg zu einer uralten Bruchbude, die in Deutschland wahrscheinlich als baufällig und einsturzgefährdet gesperrt werden würde... aber gut, wir brauchen ja nur ein trockenes Bett für eine Nacht und so fragen wir bei der Hausherrin nach.

 

Ergebnis:

Ein Raum mit 2 Betten für umgerechnet 10 € ist frei. O.k. das nehmen wir. Bei 2,50 € pro Person darf man allerdings auch nicht anspruchsvoll sein. Im Klo riecht es so streng, dass man fast keine Luft bekommt, Dusche... was ist eine Dusche? ;-) Und im Zimmer nebenan feiern ein paar kasachische Jugendliche gerade eine Vodka-Party. Na das kann ja heiter werden! :-)
Aber wenigstens können wir unsere Mopeds in den abgesperrten Innenhof stellen. Das ist doch wenigstens etwas beruhigend! :-)




Guter Dinge fahren wir am nächsten Tag an die Grenze und hoffen, dass diesmal alles recht schnell geht, doch leider weit gefehlt.… Während Dirk und Christian nach einer kleinen Bagschich-Zahlung (Bestechungsgeld) von 15 € pro Motorrad recht schnell durchgewunken werden, steht uns ein ganz besonderer Tag bevor!


Zuerst versuchen uns die Zöllner mit Handzeichen zu verstehen zu geben, dass sie auch von uns ein bisschen Bagschich für die Mopeds wollen. Da das aber absolut gegen unsere Überzeugung geht, stellen wir uns auf dumm und nix verstehen und zahlen ihnen nichts. Dann fragen sie, ob wir Englisch sprechen, auch hier verneinen wir sicherheitshalber erst mal, damit wir uns weiter auf Dumm stellen können. Das hat leider nicht den gewünschten Erfolg, denn jetzt erklärt man uns, es gäbe ein "big problem“ mit unserer Registrationskarte und wir müssten erst mal in´s Büro des Vorgesetzten gehen.


Na super.... Also wir die Mopeds abgeparkt und erst mal in das Grenzgebäude marschiert. Bea, die die Pässe und unsere Registrationskarten verwaltet, musste dann in das Büro eines Beamten, der Ihr dann wieder erzählt hat "big problem“ mit unserer Registration, denn in Kasachstan müssen sich alle Touristen innerhalb von 5 Tagen bei der sog. Registrationspolizei, die es in jedem größeren Ort gibt, registrieren. Doch in unserem Reiseführer und auch in dem von Christian und Dirk hatten wir gelesen, dass das bei Touristenvisa nicht nötig ist. Außerdem hatten Christian und Dirk in einem Hotel nachgefragt und auch dort wurde ihnen versichert, dass sie keine Registration benötigen. Daher waren wir sicher, dass wir im Recht waren und uns die Beamten nur ärgern wollen, weil wir Ihnen kein Bestechungsgeld gezahlt haben.

So ist Bea erstmal stur geblieben und hat dem netten kasachischen Grenzbeamten ungefähr eine halbe Stunde lang erklärt, dass wir keine Registration brauchen. Irgendwann erkannte er wohl, dass er sich hier die Zähne ausbeißt und hat Bea einfach kurzerhand erst einmal alleine im Büro sitzen lassen. Was sie allerdings nicht wusste ist, dass er in der Zwischenzeit raus zu Helle ist, um sein Glück bei Ihm zu versuchen. Er erklärte Ihm, dass wir das altbekannte "big problem“ mit der Registration haben, aber dass das Problem durch die Zahlung von 100 US-Dollar pro Person gar nicht mehr so "big“ wäre. Alternativ müssten wir 120 km nach Petropavlovsk zurück fahren, um uns dort bei der Registrationsbehörde nachregistrieren zu lassen.

 

In der Zwischenzeit wurde es Bea zu blöd zum Warten und so startet sie kurzerhand los Richtung Ausgang, wo sie auf den netten Grenzbeamten samt Helle trifft, der ihr vom Vorschlag des Grenzers erzählt. 100 US-Dollar!? Geht´s eigentlich noch!? Nicht mit uns! Also wir dem guten Mann erklärt, dass wir nicht bereit sind, auch nur einen Cent zu zahlen!


Der nette Grenzbeamte, mittlerweile auch schon ganz schön angenervt von unserer Sturheit, überlegt also hin und her, dann müssen wir wieder warten. Mittlerweile sitzen wir schon über 4 Stunden an der kasachischen Grenze fest. Irgendwann kommt eine Beamtin (ja, auch Frauen gibt´s hier an der Grenze). Sie kann etwas Englisch und erklärt uns, dass Ihr Bea folgen soll. Also Bea wieder mit in´s Grenzergebäude rein, diesmal hoch in den ersten Stock und rein in´s Chefbüro. Da sitzt ein relativ junger Offizier hinter einem riesigen Schreibtisch, der ebenfalls ein bisschen Englisch spricht. Er ist recht freundlich und bemüht, aber auch er erklärt Bea, dass es ein Problem mit unserer Registration gibt und wir uns innerhalb von 5 Tagen hätten registrieren müssen. Zu Bea´s Überraschung will er aber ausnahmsweise kein Geld von uns, sondern bietet uns Hilfe an. Er veranlasst, dass einer der Grenzer in seinem Auto vorfährt und uns in Bulaevo, wo wir die letzte Nacht verbracht hatten und das nur gut 30 km von der Grenze entfernt liegt, die Registrationsbehörde zeigt, wo wir uns nachregistrieren lassen müssen.
Na gut, dann machen wir das eben. Bevor wir losfahren konnten, nahm allerdings die nette Grenzerin erst mal geschlagene 2 Stunden unsere Personalien auf und wollte so ziemlich alles über uns wissen, wo wir Arbeiten, warum wir nach Kasachstan kommen wollten, bla, bla... oh man. Also wenn die Kasachen alle ihre ausländischen Touristen so behandeln, dann ist es kein Wunder, warum der Tourismus dort noch in den Kinderschuhen steckt! Irgendwann hatten wir aber auch das geschafft und dann hieß es wieder rauf auf die Mopeds und hinter dem Auto des Grenzers her zurück nach Bulaevo. Dort zeigt der Grenzer Bea sogar noch das richtige Büro in dem Gebäude, bevor er wieder in sein Auto springt und losfährt. O.k. so weit, so gut… :-)


Im Büro heißt es aber auch erst einmal warten. Und warten. Und warten. Leider spricht auch hier keiner Englisch, so hat Bea null Ahnung, was los ist oder was zu tun ist. Sie sieht nur, wie ein Beamter nach dem anderen relativ hilflos in unseren Pässen blättert und sie dann wieder zur Seite legt. So geht das eine knappe Stunde. Langsam nervt das… :-/
Irgendwann kommt ein junges Pärchen in´s Büro und Bea versucht ihr Glück und fragt, ob einer von Ihnen vielleicht zufällig etwas Englisch spricht und siehe da, dass junge Mädl ist russische Studentin aus Omsk und spricht tatsächlich etwas Englisch, so fragt sie für Bea, wo das Problem mit den Pässen liegt. Es stellt sich heraus, dass die Beamten die Registration für uns zwar gerne durchführen würden, sie aber unsere Pässe nicht lesen können und so keine Ahnung haben, was sie in die russischen Registrationsformulare eintragen müssen. Na super! So übersetzt die Russin kurzerhand alle Fragen der Beamtin und binnen einer halben Stunde sind die beiden Formulare ausgefüllt, na bitte, geht doch! :-) Jetzt noch schnell mit der hilfsbereiten Russin rüber in´s nächste Gebäude zum Copyshop, wo wir die Dokumente kopieren müssen. Da wir keine Tenge mehr haben, übernimmt das Mädchen sogar die Kosten für die Kopien und dann wieder zurück zur Behörde. Stempel drauf. Fertig!

Über neun Stunden kasachische Grenze. Harte Kost für uns und unsere Transalps.

Wie fertig!? Keine Strafe!? Nein, keine Strafe, kein Bestechungsgeld. Nichts. Na bitte, es geht doch! :-)
Wir bedanken uns recht herzlich bei dem jungen Pärchen, das uns wirklich sehr geholfen hat und sie erzählen mir, dass wenn sie nicht für uns übersetzen hätten können, hätten die netten Beamten der Registrationsbehörde einen Dolmetscher anfordern müssen, der erst am nächsten Tag gekommen wäre! Puh, da haben wir mal wieder wirklich richtig viel Glück gehabt!


Also wir wieder rauf auf die Bikes und zurück an die Grenze. An der Schranke mussten wir nur den Zettel vorzeigen und schon wurden wir durchgewunken, na bitte, geht doch. Dann dem netten Chef von dem Laden unsere Nachregistration vorbei gebracht und schon hatten wir unsere Ausreisestempel im Pass. Super, klappt doch wie am Schnürchen! :-)


Doch nein, halt, wir müssen tatsächlich noch einmal zu den netten Jung´s vom Zoll, denen wir gleich am Morgen kein Bagschich zahlen wollten und was sollen wir sagen, erklärt uns der Typ doch allen Ernstes, dass er diesmal sogar 30€ pro Motorrad möchte, damit wir nicht alles abpacken müssen. Jetzt langt es uns aber, der sieht mit Sicherheit keinen einzigen Cent von uns und wenn wir noch 3 Stunden hier an der Grenze rumstehen müssen!!! Also beginnen wir einfach die Mopeds abzupacken und wollen ihm gerade schön säuberlich all unser Gepäck aufreihen als er plötzlich abwinkt und uns zu verstehen gibt, dass wir durchfahren dürfen. Auf Gepäckkontrolle hatte er wohl noch weniger Lust als auf weitere Bestechungsgeld-Diskussionen mit uns und so konnten wir nach geschlagenen 9 Stunden endlich die Kasachische Grenze passieren. Der Wahnsinn! Aber zurückblickend müssen wir sagen, hat uns zwar echt viel Zeit gekostet, aber wir sind unseren Prinzipien treu geblieben haben keinen Cent bezahlt und das freut uns so richtig! :-)



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Kommentare: 4
  • #1

    Albrecht (Sonntag, 03 Mai 2015 11:45)

    Hallo, ihr Beiden. Wir hatten ja schon das Vergnügen per Mail miteinander bezüglich des Gabelstabilisators. Jetzt habe ich mal angefangen euren Reisebericht zu lesen. Gefällt mir bis hierher sehr gut und die Fotos sind wunderschön!
    Leider wiedermal ein Reisebericht in dem Kasachstan nicht so gut wegkommt. In vielen Motorradreiseberichten fällt mit das auf, was meines Erachtens an der von den meisten eingeschlagenen Route über Aktöbe, also West- oder Nordwestkasachstan liegt. Das ist nun gerade eine der infrastrukturell und landschaftlich ärmsten Teile dieses ansonsten beeindruckenden Landes. Ist so ein bisschen als wenn man das Land Deutschland anhand einer Fahrt durch Brandenburg beschreibt.
    Ich habe über einen Monat in Ostkasachstan zugebracht und wir sind viel mit dem Jeep in Gegenden zwischen Almaty und Astana unterwegs gewesen. Gerade die Gegend zwischen Almaty und dem Balchasch See ist so unglaublich abwechslungsreich innerhalb weniger 100 km findet man z. B. einen Canyon, Steppe, unendliche Hügellandschaften mit üppigsten Bergwiesen, Hochgebirge mit riesigen Nadelwälderhängen, skurrilsten Vulkangesteinsformationen und sogar eine kleine Wüste.
    Der Bogen lohnt sich meiner Meinung auf jeden Fall und im nordwestlichen Kasachstan zur Mongolei gibt es traumhaft schöne Nationalparks mit alten Serpentinstraßen, die ich gern mal mit dem Motorrad beführe.
    Astana, die neue Hauptstadt sollte man auch unbedingt gesehen haben, das ist schon ein Augenöffner. Vielleicht durch die ganzen Stararchitektur etwas protzig, aber mit viel Mut zur Extravarganz.
    Almaty, die alte Hauptstadt ist hingegen einfach wunderschön gelegen an den Bergrücken des Tien Shan mit vielen interessanten Orten und dem leckersten Essen, was mir bis jetzt zwischen die Zähne gekommen ist.
    Ich will euren Bericht nicht schmälern. Ihr werdet die Route aus guten Gründen so gewählt haben. Ich wollte nur mal eine kleine Lanze für ein landschaftlich und kulturell sehr spannendes Land brechen.

    Euch immer gute Fahrt in Uruguay!
    Liebe Grüße aus Leipzig
    Albrecht

  • #2

    Bea & Helmut (Sonntag, 03 Mai 2015 12:00)

    Hallo Albrecht!
    Vielen Dank für deinen langen und ausführlichen Kommentar und deinen positiven Bericht über Ost-Kasachstan.
    Wir wollten eigentlich auch den Osten Kasachstans sowie Almaty und Astana besuchen, doch leider waren bereits knapp 2 Wochen unseres 30-Tägigen Kasachstan Visums abgelaufen, als wir eingereist sind, da wir zu spät aus Deutschland los gekommen sind und so hatten wir leider nicht ausreichend Zeit übrig um unsere ursprünglich geplante Route zu fahren.
    Wie gut, dass Kasachstan nicht ganz so weit weg ist und wir dieses riesige Land in der Zukunft auch von Deutschland aus auf einer etwas kürzeren Urlaubsreise noch einmal besuchen können!
    Viele Grüße, aktuell aus dem fernen Uruguay!
    Bea & Helmut

  • #3

    Andre (Dienstag, 05 Januar 2016 10:03)

    Ein herrlicher Bericht, da packt einen doch gleich das Fernweh. Ich freue mich auf weitere Berichte von euch.

  • #4

    Bea & Helle (Montag, 21 März 2016 02:28)

    @Andre:
    Danke dir, das freut uns SEHR zu hören! So soll es sein! :-)

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